#35 Futter Klartext: Energie – Bedarf berechnen, Futter einschätzen & richtig steuern

Ich möchte heute mit dir über ein Thema sprechen,
das oft total unterschätzt wird –und gleichzeitig die Grundlage für alles ist.

Und das ist: Energie. Also die Frage:
Wie viel Energie braucht dein Tier eigentlich wirklich?

Denn ganz oft erlebe ich in der Beratung,dass entweder zu viel oder zu wenig gefüttert wird –und das gar nicht bewusst passiert. Sondern einfach, weil man sich an Empfehlungen orientiert, die gar nicht individuell sind. Und genau deshalb schauen wir uns heute an:

Was bedeutet Energie überhaupt?
Wie viel steckt im Futter?
Und wie kannst du den Bedarf deines Tieres
wirklich einschätzen?

Wenn wir von Energie sprechen, meinen wir im Grunde das, was dein Tier täglich zur Verfügung hat, um seinen Körper zu versorgen.

Also für Bewegung, Stoffwechsel, Verdauung und alle körperlichen Funktionen.

Energie wird im Futter meist angegeben als Kilokalorien oder Megajoule. Und diese Zahl entscheidet am Ende darüber, ob dein Tier sein Gewicht hält, zunimmt oder abnimmt.

Und jetzt wird es spannend: Denn nicht jedes Futtermittel gibt den Energiegehalt überhaupt an.

Und genau dann kommt ganz oft die Frage: Wie finde ich das denn überhaupt heraus?

Und ja – dafür gibt es tatsächlich eine Möglichkeit. Du kannst den Energiegehalt nämlich selbst berechnen.

Die Grundlage dafür sind die analytischen Bestandteile.

Also:
Rohprotein
Rohfett
Rohfaser
Rohasche
und Feuchtigkeit.

Im ersten Schritt berechnest du die Kohlenhydrate.

Du nimmst 100 und ziehst davon alle Bestandteile ab. Das, was übrig bleibt,
sind die Kohlenhydrate.

Und im nächsten Schritt kannst du daraus den Energiegehalt berechnen. Die genaue Formel packe ich dir in die Shownotes – inklusive Beispiel, damit du das in Ruhe nachvollziehen kannst.

Ganz wichtig: Das ist eine Näherung – aber völlig ausreichend, um Futter im Alltag besser einschätzen zu können.

Und jetzt kommen wir zur eigentlichen Frage: Wie viel Energie braucht dein Tier überhaupt?

Der Grundbedarf an Energie wird erstmal grob über Gewicht und Alter ermittelt.

Ein junges Tier im Wachstum hat einen ganz anderen Bedarf als ein erwachsenes oder ein älteres Tier.

Und auf diesen Grundbedarf kommen weitere Faktoren obendrauf.

Zum Beispiel: Gesundheitszustand, Kastration und vor allem: Bewegung.

Und Bewegung ist tatsächlich einer der größten Hebel, wenn es um Energie geht.

Und gerade beim Pferd kann man das sehr gut veranschaulichen.

Im Schritt liegt der zusätzliche Energieverbrauch bei etwa 4 bis 8 Megajoule pro Stunde.

Im Trab steigt der Verbrauch deutlich an –hier liegt man bei etwa 12 bis 32 Megajoule pro Stunde.

Und im Galopp kann der Energieverbrauch bis zu 45 Megajoule pro Stunde betragen.

Das heißt: Trab und Galopp machen den entscheidenden Unterschied.

Wenn du also zum Beispiel 30 Minuten Schritt, 20 Minuten Trab und 10 Minuten Galopp reitest, liegt dein Pferd insgesamt etwa 25 bis 50 Prozent über dem Erhaltungsbedarf.

Und genau deshalb reicht es nicht zu sagen: „Mein Pferd wird bewegt.“ Sondern entscheidend ist: 👉 Wie wird es bewegt?

Aber Bewegung ist nicht alles. Auch Haltung und Umgebung spielen eine große Rolle. Ein Pferd im Offenstall hat oft etwa 10 Prozent mehr Energiebedarfals ein Pferd in der Box.

Auch Temperaturen können den Bedarf um etwa plus oder minus 10 Prozent verändern.

Und die Bewegung im Alltag wird oft komplett unterschätzt. Eine hohe Eigendynamik auf der Weide kann bis zu 25 Prozent ausmachen. Und eine Weide in Hanglage sogar bis zu 50 Prozent.

Das heißt: Zwei Pferde mit gleichem Training können einen komplett unterschiedlichen Bedarf haben.

Und das Ganze gilt genauso für Hunde und Katzen.

Beim Hund macht die Aktivität einen riesigen Unterschied.

Ein ruhiger Hund liegt oft bei etwa 1,2 bis 1,4 des Grundbedarfs, ein normal aktiver bei etwa 1,4 bis 1,8 und ein sehr aktiver Hund kann deutlich darüber liegen.

Bei Katzen ist es ähnlich – und wird ebenfalls oft unterschätzt.

Eine Wohnungskatze hat einen deutlich geringeren Bedarf als eine aktive Freigängerkatze. Hier kann der Unterschied locker 20 bis 50 Prozent ausmachen.

Und daraus ergibt sich ein ganz praktischer Ansatz.

Schau dir einmal an, wie viel Energie dein Tier bekommt. Und im nächsten Schritt:
Schau dir dein Tier an. Wie ist der Körperzustand? Passt das Gewicht? Verändert sich etwas? Und genau daraus kannst du Rückschlüsse ziehen.

Beim Pferd ist das besonders spannend: Denn ein großer Teil der Energie kommt oft schon über das Heu. Und wenn die Energiezufuhr über dem Bedarf liegt, kannst du gezielt gegensteuern – zum Beispiel über die Bewegung. Das heißt: Du musst nicht immer sofort am Futter drehen. Sondern kannst auch schauen,ob du über Aktivität etwas ausgleichen kannst.

Und ein ganz wichtiger Punkt, den man dabei nicht vergessen darf: Das Tier soll ja auch satt werden.Also nicht nur irgendwie „berechnet“ gefüttert werden –sondern wirklich zufrieden sein und gleichzeitig mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Und genau da wird es spannend. Wenn dein Tier satt ist, aber zu viel Energie bekommt, dann ist Bewegung oft der sinnvollste Hebel,um das auszugleichen.

Und andersrum: Wenn dein Tier zu dünn ist, aber du eigentlich schon eine Futtermenge hast, mit der es satt ist,dann kannst du entweder über die Futtermittel nachsteuern –oder eben auch schauen,ob die Bewegung aktuell vielleicht zu hoch ist und angepasst werden sollte.

Das heißt:

👉 Die Menge sorgt für Sättigung
👉 Die Zusammensetzung und Bewegung steuern die Energie                                          

Und genau zwischen diesen Punkten bewegt sich Fütterung die ganze Zeit. Du kannst über das Futter steuern – oder über die Bewegung. Und oft ist es eine Kombination aus beidem.

Und vielleicht noch ein Gedanke zum Schluss:

Ein gutes Futter ist wichtig – aber entscheidend ist, ob es zu deinem Tier und seinem Bedarf passt.

Wenn du dir unsicher bist, wie du das für dein Tier einschätzen kannst, begleite ich dich dabei sehr gerne.

Wenn dir die Folge gefallen hat, freue ich mich, wenn du sie teilst oder eine Bewertung dalässt. bleib achtsam und denk daran: Gesundheit beginnt im Futter.

🔢 Energie im Futter berechnen

Wenn der Energiegehalt nicht angegeben ist, kannst du ihn näherungsweise selbst berechnen:

Schritt 1: Kohlenhydrate berechnenKohlenhydrate (%) =100 – (Rohprotein + Rohfett + Rohfaser + Rohasche + Feuchtigkeit)

Schritt 2: Energie berechnen (modifizierte Atwater-Faktoren)Energie (kcal pro 100 g) =

(Rohprotein × 3,5) + (Rohfett × 8,5) + (Kohlenhydrate × 3,5)

🐾 Beispiel:

Rohprotein: 10 %Rohfett: 5 %Rohfaser: 1 %Rohasche: 2 %Feuchtigkeit: 80 %

💧 Wenn die Feuchtigkeit nicht angegeben ist

Falls der Feuchtigkeitsgehalt nicht auf der Verpackung steht, kannst du dich an folgenden Richtwerten orientieren:

  • ​Trockenfutter: ca. 8–10 %
  • ​Nassfutter: ca. 75–80 %
  • ​Halbfeuchtes Futter: ca. 15–30 %

👉 Wichtig: Das sind Durchschnittswerte und dienen nur zur Orientierung für die Berechnung.

Kohlenhydrate = 100 – (10 + 5 + 1 + 2 + 80) = 2 %

Energie =(10 × 3,5) + (5 × 8,5) + (2 × 3,5) =35 + 42,5 + 7 = 84,5 kcal pro 100 g

⚠️ Hinweis: Die Berechnung ist eine Näherung, reicht aber völlig aus, um Futtermittel im Alltag zu vergleichen.

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