Folge #32 – Deklaration und Inhaltsstoffe – worauf du beim Kauf eines Futters achten solltest

Die Vorderseite verkauft dir etwas. Die Deklaration zeigt dir, was wirklich drin ist.

Die Deklaration auf Futtermitteln – also das, was hinten auf der Verpackung steht – wird von vielen entweder komplett ignoriert oder einmal angeschaut und dann schnell wieder weggelegt.

Vielleicht kennst du das: Du liest es dir durch und hast danach mehr Fragezeichen als vorher. Und das liegt in den meisten Fällen nicht an dir, sondern daran, dass viele Deklarationen einfach nicht klar sind.

Deshalb schauen wir uns das heute in Ruhe an – so, dass du danach wirklich weißt, worauf du achten kannst.

Was Hersteller angeben müssen (und was nicht)

Futtermittel unterliegen gesetzlichen Vorgaben. Hersteller müssen angeben:

  • die Zusammensetzung – also die Zutaten
  • die analytischen Bestandteile – also Werte
  • die Zusatzstoffe

Aber – und das ist entscheidend – sie müssen nicht alles im Detail offenlegen. Sie dürfen ungenau bleiben.

Die 4-Prozent-Falle

Eine Frage bekomme ich ständig: „Warum steht da nicht einfach genau drauf, wie viel von was drin ist?“ Die Antwort: Weil es nur in bestimmten Fällen verpflichtend ist. Eine Prozentangabe brauchst du vor allem dann, wenn ein Inhaltsstoff besonders hervorgehoben wird – also zum Beispiel „mit Huhn“.

Schon ab 4 % darf mit einer Zutat geworben werden. „Mit Rind“ auf der Packung kann also bedeuten: 4 % Rind – und 96 % etwas anderes.

Genau deshalb ist die Vorderseite oft irreführend.

Offene vs. geschlossene Deklaration

✓ Offene Deklaration

Die Zutaten werden konkret benannt. Oft sogar mit Prozentangaben. Damit kannst du wirklich arbeiten: Du kannst nachvollziehen, wo das Protein herkommt und wie sich das Futter zusammensetzt.

„Hühnerfleisch, Rinderherz, Leber“

✕ Geschlossene Deklaration

Zutaten werden in Gruppen zusammengefasst. Das kann hochwertig sein – muss es aber nicht. Und du kannst es nicht beurteilen.

„tierische Nebenerzeugnisse“, „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, „Öle und Fette“

Je offener die Deklaration, desto besser kannst du die Qualität einschätzen. Je ungenauer sie ist, desto mehr musst du hinterfragen.

Die Zusammensetzung richtig lesen

Die Zutaten sind immer nach Menge sortiert. Was vorne steht, ist am meisten enthalten. Aber auch hier gibt es zwei Feinheiten, die man kennen muss:

  • Frisches Fleisch enthält viel Wasser. Es wirkt vom Anteil her größer, als es nach der Verarbeitung tatsächlich ist.
  • Das Aufsplitten von Zutaten. Zum Beispiel: Mais, Maismehl, Maiskleber. Einzeln wirkt jedes davon wenig – zusammen machen sie einen großen Anteil aus. Und genau das sieht man auf den ersten Blick nicht.

Die analytischen Bestandteile

Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche – das wirkt sehr fachlich, und viele orientieren sich genau daran. Aber Vorsicht:

Rohprotein

Gibt an, wie viel Eiweiß insgesamt enthalten ist. Aber nicht, woher es kommt – ob aus hochwertigem Muskelfleisch oder aus minderwertigen Bestandteilen. Deshalb ist dieser Wert allein nicht aussagekräftig.

Rohfett

Ein Energielieferant. Das kann sinnvoll sein – aber auch hier kommt es darauf an, ob es sich um hochwertige oder minderwertige Fettquellen handelt.

Rohfaser

Beschreibt den Anteil unverdaulicher Bestandteile. Vor allem für die Verdauung wichtig. Beim Pferd spielt das eine große Rolle – bei Hund und Katze eher weniger in hohen Mengen.

Rohasche

Sorgt oft für Verwirrung – ist aber kein Zusatzstoff. Sie beschreibt den Mineralstoffgehalt: das, was übrig bleibt, wenn man das Futter vollständig verbrennt. Ein sehr hoher Wert kann auf viele mineralische Bestandteile hindeuten – oder auf minderwertige Bestandteile wie Knochenanteile.

Feuchtigkeitsgehalt

Findest du manchmal zusätzlich. Vor allem bei Nassfutter wichtig, weil er stark beeinflusst, wie konzentriert die Nährstoffe tatsächlich sind.

Diese Werte geben dir eine Orientierung – aber sie sagen dir nichts über die Qualität. Betrachte sie deshalb immer zusammen mit der Zusammensetzung.

Zusatzstoffe – und die Sache mit den E-Nummern

Viele sehen E-Nummern und denken sofort: „Das ist alles künstlich und schlecht.“ So pauschal stimmt das einfach nicht. Schauen wir uns das genauer an.

Die vier Gruppen von Zusatzstoffen

1. Technologische Zusatzstoffe

Machen das Futter haltbarer oder verbessern die Verarbeitung. Sie haben keinen direkten Einfluss auf die Ernährung des Tieres – sondern auf das Produkt selbst.

Konservierungsstoffe, Antioxidantien, Emulgatoren, Verdickungsmittel

2. Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe

Sichern die Nährstoffversorgung. Sie sind oft notwendig – weil ein Futter nicht automatisch bedarfsdeckend ist.

Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren

3. Sensorische Zusatzstoffe

Beeinflussen, wie das Futter aussieht, riecht oder schmeckt. Hier darf man sich ehrlich fragen: Braucht es das wirklich – oder soll das Futter einfach attraktiver gemacht werden?

Farbstoffe, Aromastoffe, Geschmacksstoffe

4. Zootechnische Zusatzstoffe

Wirken direkt im Körper des Tieres. Das kann sinnvoll sein – etwa bei bestimmten Bedürfnissen oder Problemen. Aber es sollte immer einen klaren Grund dafür geben.

Enzyme, Probiotika, Stoffe zur Verbesserung der Futterverwertung

„Ohne Zusatzstoffe“ heißt nicht, dass nichts drin ist

Zusatzstoffe müssen angegeben werden, wenn sie gezielt zugesetzt werden und eine bestimmte Funktion erfüllen. Kommen Nährstoffe aber ganz natürlich über die Zutaten ins Futter – etwa über Fleisch oder Innereien –, müssen sie nicht extra aufgeführt werden.

„Ohne Zusatzstoffe“ bedeutet also nicht automatisch, dass nichts enthalten ist. Sondern oft nur, dass nichts extra zugesetzt wurde.

Und die E-Nummern?

Das ist einfach ein System, um Zusatzstoffe einheitlich zu kennzeichnen. Ein Zusatzstoff kann entweder mit seinem Namen dastehen oder als E-Nummer. Statt E300 steht da vielleicht einfach Vitamin C.

Die E-Nummern grob eingeteilt

E100–E199Farbstoffe
E200–E299Konservierungsstoffe
E300–E399Antioxidantien (z. B. Vitamin C, Vitamin E)
E400–E499Verdickungs- und Geliermittel

Das sind ganz unterschiedliche Funktionen. Deshalb kann man nicht pauschal sagen: E-Nummern sind schlecht. Es kommt darauf an, welche Zusatzstoffe verwendet werden – und warum.

Achtung: „Ohne E-Nummern“ bedeutet nicht, dass keine Zusatzstoffe drin sind. BHA und BHT zum Beispiel sind synthetische Antioxidantien – die können ganz normal ausgeschrieben in der Deklaration stehen, ganz ohne Nummer.

Es reicht also nicht, nur nach E-Nummern zu schauen. Schau dir immer die gesamte Zusatzstoffliste an. Und frag dich:

  • Sind die Zusatzstoffe klar benannt?
  • Kannst du nachvollziehen, was es ist?
  • Sind es eher wenige, gezielte Zusätze – oder eine lange Liste?

Ein gutes Futter braucht nicht möglichst viele Zusatzstoffe – sondern die richtigen, in der richtigen Menge.

Worauf du je nach Tierart achten solltest

🐈

Die Katze

Die Katze ist ein reiner Fleischfresser. Ihr Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, tierisches Protein zu verwerten. Der Fleischanteil sollte also hoch sein – und vor allem klar deklariert.

  • Taurin ist lebensnotwendig. Katzen können es nicht ausreichend selbst bilden und müssen es über die Nahrung aufnehmen. Fehlt es, kann das langfristig ernsthafte Folgen haben – etwa für Herz und Augen.
  • Zu viele pflanzliche Bestandteile, Getreide oder Füllstoffe – das passt nicht zur natürlichen Ernährung der Katze.
  • Zucker hat im Katzenfutter nichts verloren.
🐕

Der Hund

Beim Hund ist es etwas flexibler. Aber auch hier sind tierische Bestandteile wichtig – und vor allem, dass sie klar deklariert sind. Frag dich: Was ist die Hauptzutat? Und wie genau ist sie benannt?

  • Hohe Getreideanteile
  • Unklare Nebenerzeugnisse
  • Füllstoffe
  • Bei Ölen gilt: je klarer benannt, desto besser. Also Lachsöl oder Leinöl statt nur „pflanzliche Öle“.
🐴

Das Pferd

Beim Pferd geht es vor allem um Struktur: Heu, Fasern, Raufutter. Das ist die Basis. Ein Pferd ist darauf ausgelegt, kontinuierlich rohfaserreich zu fressen.

  • Zucker
  • Melasse
  • Hohe Stärkegehalte
  • Stark verarbeitete Mischfutter

Ein guter Richtwert: Wenn du die Zutatenliste liest und sie nicht verstehst, ist das kein gutes Zeichen.

Praxisbeispiele

So sieht wenig Transparenz aus

Getreide, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Rind)…

✕ Wenig Transparenz – und nur 4 % Rind trotz Werbung damit

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, Zucker…

✕ Für Katzen ungeeignet

Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Melasse…

✕ Viel Zucker und Stärke

Und so sieht eine gute Deklaration aus

40 % Hühnerfleisch
20 % Rinderherz
15 % Karotten
10 % Zucchini
5 % Reis
5 % Leinöl
5 % Mineralstoffe (einzeln genannt)

✓ Vollständig nachvollziehbar – eine echte 100-%-Deklaration

30 % Luzerne
25 % Heucobs
20 % Timotheegras
10 % Leinsamen
10 % Karotten
5 % Mineralstoffe und Kräuter (einzeln genannt)

✓ Strukturiert und passend (Pferd)

Woran erkennst du ein gutes Futter?

Deine Kurz-Checkliste

  • Du verstehst die Deklaration.
  • Die Hauptzutat passt zur Tierart.
  • Es sind keine unnötigen Zusätze enthalten.

Aber: gutes Futter ≠ passendes Futter

Und jetzt kommt ein wichtiger Punkt zum Schluss. Ein gutes Futter ist die Basis – aber es bedeutet noch nicht automatisch, dass es auch wirklich zu deinem Tier passt.

Denn jedes Tier hat einen individuellen Bedarf. Um beurteilen zu können, ob ein Futter passt, müsstest du diesen Bedarf mit dem Futter abgleichen. Also schauen: Was braucht dein Tier – und was liefert das Futter tatsächlich?

Genau dabei liegt für die meisten die größte Unsicherheit. Und wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, begleite ich dich sehr gerne.

Eine gute und transparente Deklaration ist die Grundlage dafür, dass du überhaupt bewerten kannst, was im Futter steckt. Deshalb lohnt es sich, Hersteller zu unterstützen, die offen deklarieren.

Shownotes

Mein kostenloses Angebot für dich:

  • Kostenlose E-Mail-Serie „Achtsam Füttern“ An Tag 2 bekommst du meinen PDF-Guide „Gutes Futter erkennen“ – dort sind die wichtigsten Punkte aus dieser Folge nochmal zum Nachschlagen zusammengefasst. Danach bekommst du automatisch auch meinen Newsletter.
  • Kostenloses Kennenlerngespräch Du bist dir unsicher, was konkret zu deinem Tier passt? Ich nehme mir 45–60 Minuten Zeit, damit wir uns kennenlernen und gemeinsam entscheiden können, ob eine Futterberatung für dich und deine Fellnase hilfreich wäre.
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Bald verfügbar:

  • Der Futtermittel-Deklarations-Decoder Ein Tool, das dir hilft, eine Deklaration Schritt für Schritt zu entschlüsseln – genau so, wie wir es in dieser Folge durchgegangen sind. Trag dich auf die Warteliste ein, wenn du dabei sein möchtest.

Folge mir:

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4 Kommentare zu „Folge #32 – Deklaration und Inhaltsstoffe – worauf du beim Kauf eines Futters achten solltest“

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