Nicht mehr Futtermittel – sondern mehr Klarheit.
Heute gebe ich dir einen Einblick in eine echte Futterberatung. Bei vielen Pferdebesitzern ist es ähnlich: Man möchte seinem Pferd etwas Gutes tun, füttert vielleicht schon verschiedene Ergänzungen – und trotzdem bleiben Fragen offen. Gerade wenn gesundheitliche Themen dazukommen.
Zu Gast in dieser Folge
Katrin und ihr Tinker Luke
Katrin ist 43 und erfüllt sich mit Luke einen Kindheitstraum – als erstmalige Pferdebesitzerin. Der 19-jährige Tinker begleitet sie seit Juni letzten Jahres; die beiden sind im Freizeitbereich unterwegs und reiten gerne aus. Ausgangspunkt der Beratung waren gesundheitliche Themen. Im Rahmen der Beratung haben wir nicht nur die Fütterung angeschaut, sondern auch eine Heuanalyse gemacht – deren Kosten auf mehrere Einsteller im Stall aufgeteilt wurden.
Der Anlass: eine Arthrose-Diagnose
Ende 2025 hat Luke vorne rechts gelahmt – ziemlich aus dem Nichts. Erst dachte ich, er hat sich vielleicht beim Training vertreten, und habe zwei, drei Tage Ruhe reingebracht. Dann habe ich den Tierarzt konsultiert – und der Befund war eine aktive Arthrose vorne.
Das hieß erst mal: Entzündungshemmer, Schmerzmedikation und Boxenruhe. Für Luke, der eigentlich im großen Offenstall steht, war das eine echte Umstellung. Und der Verlauf wurde langwierig.
Als erstmalige Pferdebesitzerin war das ein großer Rückschlag – mit der Sorge, ob ich ihn überhaupt jemals wieder reiten kann. Aber auch immer wieder die Frage: Was kann ich als Besitzerin tun, um diesen Prozess aufzuhalten oder gut zu unterstützen? Daraus entstand die Idee, mal genauer auf die Fütterung zu schauen.
Der Reflex: „Füttere doch mal Teufelskralle …“
Ich hatte mich schon in Gruppenforen in den sozialen Netzwerken durchgelesen. Und da wird einem ja vieles angepriesen: „Füttere doch mal Teufelskralle“, „nimm doch mal MSM“. Das hörte sich für mich ganz gut an – das könnte ich ja mal ausprobieren.
Und genau da habe ich gesagt: sei vorsichtig, nicht einfach Dinge sofort zuzufüttern. Denn je nachdem, wie das zusammengesetzt ist, was ihr im Stall ohnehin verfüttert, kann das auch schwerwiegende Folgen haben – ohne dass man weiß, was man seinem Pferd da gerade gibt.
Warum „mal eben zufüttern“ riskant ist – das Beispiel Selen
Selen ist ein Stoff, den Pferde grundsätzlich brauchen. Er steckt in vielen Mineralfuttern und Müslis. In der Regel haben wir einen Selenmangel im Heu – aber es gibt Jahre und Gegenden, in denen das nicht so ist. Packe ich dann auf viel Selen im Heu noch Mineralfutter und Müsli mit Selen obendrauf, entsteht schnell eine schleichende Selenvergiftung, ohne dass ich es merke. Dasselbe gilt umgekehrt beim Protein: Ist zu wenig im Heu, hilft mir kein Müsli und kein reines Mineralfutter – dann brauche ich eine gezielte andere Ergänzung. Und das weiß ich erst, wenn ich kenne, was übers Heu schon ins Pferd geht.
Das Aha-Erlebnis Heuanalyse
Mein erster Gedanke war ehrlich: Eine Heuanalyse – warum steckt da wirklich so viel drin, das eine Aussage darüber treffen kann, wie ich die Fütterung steuere? Das war ein kleines Aha-Erlebnis. Ich hatte ja schon vorher mit Pferden zu tun – aber dass das Heu so ein ausschlaggebender Punkt sein kann, war mir überhaupt nicht bewusst.
Das Schöne an konkreten Werten: Es sind keine „eventuell, vielleicht, könnte man“ mehr. Sondern eine klare Grundlage, um zu entscheiden, was das Pferd wirklich braucht.
Die Kostenfrage clever gelöst
Pferde sind ein teures Hobby, und ich hatte die Tierarztrechnung schon im Hinterkopf. Also habe ich in unserer Stall-WhatsApp-Gruppe eine Umfrage gemacht, ob es Interessenten gibt, die sich an einer Heuanalyse beteiligen würden. Je mehr mitmachen, desto günstiger wird es für alle. Das Interesse war groß – es haben sich fast alle Einsteller beteiligt.
ca. 20 €
blieben am Ende pro Pferdemensch übrig – weil sich der ganze Stall beteiligt hat
So teilst du eine Heuanalyse im Stall
- 1 In der Stall-WhatsApp-Gruppe eine kurze Umfrage machen: Wer würde sich beteiligen?
- 2 Je mehr mitmachen, desto günstiger wird der Anteil pro Person.
- 3 Ist die Analyse da, besprechen wir das Ergebnis gemeinsam mit der Stallgemeinschaft – ich erkläre einmal, was es für die Fütterung bedeutet.
- 4 Danach entscheidet jeder selbst, ob er eine individuelle Beratung möchte.
Was die Analyse ergeben hat
Überrascht hat mich der relativ hohe Gesamtzucker- und Fruktangehalt im Heu – das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Meine Sorge war eher tinker-typisch der Zinkmangel; der war im letzten Jahr auch per Blutuntersuchung bestätigt worden, und ich hatte extra Zink zugefüttert. Schön war, dass wir jetzt genau schauen konnten, wie sich das aufteilt – sodass ich mir nicht noch extra „ein Pülverchen“ oben drauf geben muss.
Wichtig ist: Der berechnete Bedarf ist immer ein theoretischer Wert. Dazu kommt die Beobachtung des Besitzers – wie entwickeln sich Fell, Muskulatur und die einzelnen Themen? Anhand dieser Beobachtung entsteht in der Betreuungszeit der Feinschliff.
Was sich bei Luke verändert hat
Vorher
- ✕ Aktive Arthrose vorne, langwieriger Verlauf, Boxenruhe
- ✕ Wenig Muskulatur, durfte an Gewicht zulegen
- ✕ Scheuern und Juckreiz, teils offene Stellen
- ✕ Impulskäufe „auf Verdacht“ (MSM, Teufelskralle, extra Zink)
Nachher
- ✓ Gangbild eingelaufen und verbessert, aktuell keine Schwierigkeiten im Bewegungsapparat
- ✓ Tolle Figur – Lob vom Osteopathen; Muskulatur und Gewicht passen
- ✓ Kein Scheuern, kein Juckreiz mehr
- ✓ Weiches, glänzendes Fell – „Hast du dein Pferd eingeölt?“
- ✓ Bedarfsgerecht versorgt statt „viel hilft viel“
Seit der Anpassung kann ich beobachten, dass vorne aktuell keinerlei Schwierigkeiten mehr sind – das Gangbild hat sich eingelaufen und verbessert. Ich denke schon, dass das auch mit der Fütterung zu tun hat.
Darüber hinaus hat sich insgesamt viel getan. Luke hatte bei mir sehr wenig Muskulatur und durfte etwas zunehmen. Letzte Woche habe ich von einem Osteopathen die Rückmeldung bekommen, dass er selten Tinker mit so einer tollen Figur sieht. Das ist die Gesamtheit aus Training – und ganz viel richtiger Fütterung.
Und das Fell: weich und glänzend. Unsere Trainerin fragte mich, ob ich Luke eingeölt hätte – ich solle aufpassen, dass ich mit dem Sattel nicht rutsche. Ich hatte gar nichts eingeschmiert. Er hat einfach so tolles Fell. Auch das Scheuern, das er anfangs hatte, ist komplett weg.
Was sich für Katrin verändert hat
Ich greife nicht mehr aus dem Impuls heraus zu irgendwelchen Mittelchen. Gerade am Anfang, ganz neu im Pferdebereich, sind solche Impulskäufe nicht unüblich – man will ja immer das Beste. Aber das ist es eben nicht immer. Da bin ich vorsichtiger geworden.
Ich bin jetzt beruhigt: Mein Pferd bekommt das, was es braucht – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Der größte Mehrwert war für mich die Sicherheit. Gerade in diesem Dschungel von Futterangeboten. Ich beobachte mein Pferd jetzt mehr – nicht panisch oder sorgenvoll, sondern einfach: Ich schaue genauer hin. Und ich weiß, dass es gut versorgt ist.
Katrins Rat an andere Pferdebesitzer
Ganz klar: Macht das. Gerade wenn Unsicherheiten da sind oder wenn man sich fragt, ob man futtertechnisch unterstützen kann – und vor allem womit genau. Eine Futterberatung gibt ganz viel Aufschluss und am Ende des Tages Sicherheit.
Und wer die Heuanalyse-Kosten scheut: Setz dich mit Freunden und Stallkolleginnen zusammen und teilt es auf. Jedes Pferd hat seine eigenen Bedürfnisse – für die ganze Stallgemeinschaft lohnt sich das wirklich.
Warum Fütterung ein Prozess bleibt
Füttern ist nicht ein starrer Plan, der ein Leben lang gilt – das funktioniert leider nicht. Es ist ein Prozess im Wandel. Deshalb geht es mir in der Beratung auch darum, meine Kunden fähig zu machen, selbst reagieren zu können: die eigenen Werkzeuge zu haben und zu merken, wo gerade nachgeschärft werden muss.
Gerade beim Pferd ändert sich das zweimal im Jahr. Im Sommer liefert das frische Gras oft gute Inhaltsstoffe, die wir später im Heu nicht mehr in der Fülle haben – über den Winter müssen wir dann mehr ergänzen. Und wenn man Heu und Pferd über die Jahre gut beobachtet, erkennt man irgendwann Muster: Böden, die wenig Selen haben, werden im nächsten Jahr keine Überschüsse zeigen. Das gibt zusätzliche Sicherheit.
🔎 Bald: der Futtermittel-Deklarations-Decoder
Im Interview haben wir es kurz angesprochen: Ich entwickle gerade ein Tool, in das du die Zusammensetzung eines Futters eingibst – und das dir zeigt, wie gut die Deklaration ist, wo sich versteckter Zucker verbirgt und was hinter den Werbeversprechen steckt. Trag dich hier auf die Warteliste ein, wenn du dabei sein möchtest.
Shownotes
Du erkennst dich wieder? Der nächste Schritt:
- → Kostenloses Kennenlerngespräch Du fragst dich, ob du dein Pferd futtertechnisch unterstützen kannst – und womit genau? Wir sprechen unverbindlich über eure Situation, auch über eine Heuanalyse für deinen Stall.
- → Die Beratungspakete im Überblick Von der einmaligen Rationsanpassung bis zur langfristigen Begleitung durch die Jahreszeiten – so, wie Katrin es gerade erlebt.
Passend zu dieser Folge:
- → Folge #23 – Heuanalyse: gefürchtet, falsch verstanden und unverzichtbar Alles Grundsätzliche zur Heuanalyse – warum sie kein Luxus ist und wie eine Selen-Überversorgung überhaupt entsteht.
- → Folge #32 – Deklaration und Inhaltsstoffe Die Folge, die Katrin anspricht: worauf du bei der Zusammensetzung eines Futters achten solltest.
Noch unsicher? Starte kostenlos:
- → Kostenlose E-Mail-Serie „Achtsam Füttern“ In 5 Tagen herausfinden, ob das Futter zu deinem Tier passt. Danach bekommst du automatisch auch meinen Newsletter.
- → Alle kostenlosen Helfer auf einen Blick Ratgeber, Checklisten und Tools für Hund, Katze und Pferd – gesammelt an einem Ort.
Folge mir:
- → Instagram Tipps, Einblicke und Impulse rund um die Fütterung – begleite mich und meine Tiere im Alltag.
