Ein Hinweis vorab: In dieser Folge spreche ich offen über Besitzdenken, Kontrollbedürfnis und die Angst, Verantwortung abzugeben. Wenn dich dieses Thema gerade emotional stark beschäftigt, lies achtsam – oder komm zu einem späteren Zeitpunkt zurück.
Mehr Bewegung. Weniger Ego. Mehr Vertrauen.
Heute geht es um ein Thema, bei dem ich lange selbst Teil des Problems war: Besitzdenken. Kontrolle. Angst. Und darum, warum Teilen manchmal der größte Liebesbeweis für unser Pferd ist.
Das Thema ist unbequem, weil es uns zwingt, ehrlich hinzuschauen. Nicht auf andere – sondern auf uns selbst. Denn fast jede:r von uns kennt diesen Gedanken: „Das ist mein Pferd. Ich bin verantwortlich. Ich möchte nicht, dass jemand anderes Fehler macht.“
Das ist verständlich. Aber verständlich heißt leider nicht automatisch richtig.
Das Dilemma vieler Freizeitpferde
Pferde sind Bewegungstiere. Nicht punktuell – sondern dauerhaft. Und genau hier liegt das Problem: Viele Freizeitpferde bekommen gutes Futter, aber zu wenig Bewegung, um diese Energie tatsächlich zu verbrauchen.
Schauen wir uns das einmal ganz konkret an.
Energiebilanz eines Pferdes mit 500 kg Körpergewicht
Körperfunktionen ohne Training – je nach Rasse, Haltung, Jahreszeit 45–70 MJ / Tag
7,5–10 kg Heu (1,5–2 kg pro 100 kg KG) bei ca. 7–8 MJ pro kg 52–80 MJ / Tag
30–45 Min. Schritt und Trab ca. 8–12 MJ
60 Minuten ca. 5–7 MJ
Allein mit dem Heu ist der Erhaltungsbedarf oft schon gedeckt – oder überschritten. Alles darüber hinaus führt in eine deutliche Überversorgung.
Jetzt sagen viele: „Aber ich bewege mein Pferd doch!“ Auch das schauen wir uns realistisch an: Selbst mit einer aktiven Einheit pro Tag kommen wir meist auf maximal 10–15 MJ zusätzlichen Verbrauch. Der Grundbedarf ist da bereits gedeckt. Der Rest des Tages besteht aus Stehen.
Bei Pferden mit Heu ad libitum fällt das oft noch deutlicher aus.
Das ist kein Versagen – das ist ein Systemproblem
Unsere Freizeitpferde leben heute oft so: hochwertiges Heu, wenig natürliche Wege, wenig Eigenbewegung, kurze Trainingsreize. Und genau deshalb sehen wir im Freizeitbereich so häufig Übergewicht, EMS, Hufrehe, Trägheit – und Muskelabbau trotz „Training“.
Nicht, weil zu viel gefüttert wird. Sondern weil Energieaufnahme und Energieverbrauch nicht mehr zusammenpassen.
Der Punkt, der weh tut
Mehr Bewegung entsteht selten dadurch, dass wir selbst noch mehr leisten. Sondern dadurch, dass wir teilen.
Ich möchte hier ganz offen sein: Ich wollte nie eine Reitbeteiligung für mein Pferd. Nicht, weil ich niemandem vertraut hätte – sondern aus Angst. Angst davor, dass jemand anderes eine emotionale Bindung zu meinem Pferd aufbaut. Angst, etwas zu verlieren. Angst, nicht mehr „die Einzige“ zu sein.
Irgendwann musste ich mir eingestehen: Ich werde seinen Bedürfnissen allein nicht gerecht.
Ich habe mir dann nicht „irgendwen“ gesucht. Ich habe gewartet und gesucht, bis es wirklich gepasst hat – mit klaren Voraussetzungen: dass Unterricht genommen wird, dass die Trainerin weiß, wie wir arbeiten, und dass an das angeknüpft wird, was wir gemeinsam aufgebaut haben.
Und ja – ich muss manchmal aushalten, dass Dinge anders gemacht werden, als ich sie machen würde. Das ist nicht immer leicht. Gleichzeitig weiß ich: Es tut meinem Pferd gut.
An unserer Bindung hat sich übrigens nichts geändert. Gar nichts.
Mein Pferd hat heute mehr Bewegung, mehr Abwechslung und mehr mentale Ausgeglichenheit. Und ich habe mehr Ruhe, weniger Druck – und das gute Gefühl, dass seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.
Was das mit Fütterung zu tun hat
Teilen fordert uns heraus: unser Kontrollbedürfnis, unser Ego. Aber Pferde brauchen keine Kontrolle. Sie brauchen Bedürfnisse, die erfüllt werden.
Und damit schließt sich der Kreis zur Fütterung: Die beste Ration hilft nichts, wenn der Stoffwechsel nicht arbeiten darf. Manchmal ist der wichtigste Schritt nicht das nächste Futter – sondern der nächste Spaziergang, den wir selbst nicht leisten können.
Drei Fragen zum ehrlichen Hinschauen
- ? Wo könnte mein Pferd mehr Bewegung bekommen?
- ? Wo halte ich fest – aus Angst, nicht aus Notwendigkeit?
- ? Was dient gerade wirklich meinem Pferd?
Diese Folge ist eine Einladung zum Hinschauen. Nicht wertend. Nicht perfekt. Aber ehrlich. Für gesündere Pferde – und für uns.
Shownotes
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- → Kostenloses Kennenlerngespräch Du möchtest wissen, ob die Energiebilanz bei deinem Pferd wirklich passt? In einem unverbindlichen Gespräch schaue ich mir das gerne gemeinsam mit dir an.
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