Folge # 25 – Mehr Bewegung, weniger Ego – warum Teilen fürs Pferdewohl wichtiger ist als Besitzdenken

In dieser Folge spreche ich offen über Besitzdenken, Kontrollbedürfnis und die emotionale Angst, Verantwortung für das eigene Pferd abzugeben. Wenn dich dieses Thema aktuell sehr triggert oder emotional belastet, hör die Folge bitte achtsam oder zu einem späteren Zeitpunkt.

Was bedeutet es wirklich, Verantwortung für ein Pferd zu übernehmen?
Und wo stehen wir uns dabei manchmal selbst im Weg?

In dieser sehr persönlichen Folge spreche ich darüber, warum mehr Bewegung oft wichtiger ist als perfektes Management – und warum Teilen kein Versagen, sondern ein Akt von Fürsorge sein kann.

Ich erkläre:

  • warum viele Freizeitpferde trotz Bewegung durch ihre Besitzer im Energieüberschuss leben
  • wie groß der Unterschied zwischen Energieaufnahme, Erhaltungsbedarf und tatsächlichem Verbrauch wirklich ist
  • weshalb Bewegung ein entscheidender Teil der Fütterung ist – und nicht nur „nice to have“
  • warum ich lange keine Reitbeteiligung wollte – aus Angst, die emotionale Bindung zu verlieren
  • und was sich für mein Pferd (und mich) verändert hat, als ich gelernt habe, bewusst zu teilen

Diese Folge ist eine Einladung zum Hinschauen.
Nicht wertend.
Nicht perfekt.
Aber ehrlich.

Wenn du dein Pferd liebst und bereit bist, Verantwortung nicht nur zu tragen, sondern auch neu zu denken, dann bist du in dieser Folge genau richtig. 

Hello hello und schön, dass du wieder eingeschaltet hast 🤍

Heute möchte ich über ein Thema sprechen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt –
und bei dem ich lange selbst Teil des Problems war:
Mehr Bewegung, weniger Ego.

Es geht um Besitzdenken, um Kontrolle, um Angst –
und darum, warum Teilen manchmal der größte Liebesbeweis für unser Pferd ist.

Dieses Thema ist unbequem,weil es uns zwingt, ehrlich hinzuschauen.

Nicht auf andere. Sondern auf uns selbst.

Denn fast jede*r von uns kennt diesen Gedanken:  „Das ist mein Pferd.“ „Ich bin verantwortlich.“ „Ich möchte nicht, dass jemand anderes Fehler macht.“

Und das ist verständlich.
Aber verständlich heißt leider  nicht automatisch richtig.

Pferde sind Bewegungstiere.  Nicht punktuell. Sondern dauerhaft.

Und hier beginnt das Dilemma vieler Freizeitpferde: Sie bekommen gutes Futter –
aber zu wenig Bewegung, um diese Energie auch wirklich zu verbrauchen.

Lass uns das einmal ganz konkret anschauen.

Ein Pferd mit etwa 500 kg Körpergewicht hat je nach Rasse, Haltung, Gesundheitszustand und Jahreszeit einen Erhaltungsbedarf von ungefähr:

➡️ 45–70 MJ Energie pro Tag

Das ist die Energie, die es braucht, um Körperfunktionen aufrechtzuerhalten – ohne Training, ohne Arbeit.

Jetzt schauen wir auf die Futteraufnahme:

Viele Pferde bekommen heute – völlig unauffällig – 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht.

Das sind bei 500 kg:
➡️ 7,5–10 kg Heu täglich

Je nach Heuqualität liegen wir bei etwa:
➡️ 7–8 MJ Energie pro kg Heu

Das ergibt:

  • bei 7,5 kg Heu → ca. 52–60 MJ
  • bei 10 kg Heu → ca. 70–80 MJ

Und jetzt wird es spannend:

👉 Allein mit dem Heu ist der Erhaltungsbedarf oft bereits gedeckt – oder überschritten.

Alles was das Pferd darüber hinaus zu fressen bekommt ist also bringt das Pferd in eine deutliche Überversorgung.

Ihr könnt euch vorstellen, dass es bei Pferden mit adlibitum manchmal sogar noch stärker ausfällt. 

Jetzt sagen viele: „Aber ich bewege mein Pferd doch!“

Schauen wir auch das realistisch an:

  • 30–45 Minuten Reiten im Schritt und Trab
    → ca. 8–12 MJ Energieverbrauch
  • 60 Minuten Spazierengehen
    → ca. 5–7 MJ

Selbst mit einer aktiven Einheit am Tag liegen wir häufig bei max. 10–15 MJ zusätzlichem Verbrauch.

Das Problem:
👉 Es bleibt trotzdem oft ein  Energieüberschuss. 

Denn:

  • der Grundbedarf ist bereits gedeckt
  • Bewegung durch den Besitzer reicht oft nicht aus
  • der Rest des Tages besteht aus Stehen

Das ist kein Versagen.
Das ist ein Systemproblem.

Unsere Freizeitpferde leben heute oft so:

  • hochwertiges Heu
  • wenig natürliche Wege
  • wenig Eigenbewegung
  • kurze Trainingsreize

Und genau deshalb sehen wir gerade im Freizeitbereich auch sehr häufig:

  • Übergewicht
  • EMS
  • Hufrehe
  • Trägheit
  • Muskelabbau trotz „Training“

Nicht, weil zu viel gefüttert wird.
Sondern weil Energieaufnahme und -verbrauch nicht mehr zusammenpassen.

Und hier kommt der Punkt, der weh tut: Mehr Bewegung entsteht selten dadurch,
dass wir selbst noch mehr leisten. Sondern dadurch,dass wir teilen.

Ich möchte hier ganz offen sein: Ich wollte nie eine Reitbeteiligung für mein Pferd.

Nicht, weil ich niemandem vertraut habe. Sondern aus Angst.

Angst davor, dass jemand anderes eine emotionale Bindung zu meinem Pferd aufbaut. Angst, etwas zu verlieren. Angst, nicht mehr „die Einzige“ zu sein.

Und ich musste mir irgendwann eingestehen:
Ich werde seinen Bedürfnissen allein nicht gerecht.

Ich habe mir nicht „irgendwen“ gesucht. Ich habe gewartet. Und gesucht – Bis es gepasst hat.

Und ich habe klare Voraussetzungen gehabt:

  • dass Unterricht genommen wird
  • dass der Trainer weiß, wie wir arbeiten
    dass an das angeknüpft wird, was wir aufgebaut haben

Und ja – ich muss manchmal aushalten, dass Dinge anders gemacht werden, als ich sie machen würde. Das ist nicht immer einfach und gleichzeitig weiss ich, dass es meinem Pferd gut tutl 

Es hat sich übrigens auch nichts an unserer Bindung geändert. Gar nichts.

Mein Pferd hat:

  • mehr Bewegung
  • mehr Abwechslung
  • mehr mentale Ausgeglichenheit

Und ich habe:

  • mehr Ruhe
  • weniger Druck
  • das gute Gefühl, dass seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen

Teilen fordert uns heraus. Unser Kontrollbedürfnis. Unser Ego.

Aber Pferde brauchen keine Kontrolle.Sie brauchen Bedürfnisse, die erfüllt werden.

Und hier schließt sich wieder der Kreis:

Die beste Ration hilft nichts, wenn der Stoffwechsel nicht arbeiten darf.

Manchmal ist der wichtigste Schritt nicht das nächste Futter –sondern der nächste Spaziergang, den wir nicht leisten können. 

Frag dich heute ganz ehrlich:

  • Wo könnte mein Pferd mehr Bewegung bekommen?
  • Wo halte ich fest aus Angst – nicht aus Notwendigkeit?
  • Was dient gerade wirklich meinem Pferd?

Mehr Bewegung. Weniger Ego. Mehr Vertrauen.

Für gesündere Pferde. Und für uns.

Und wenn du konkret wissen möchtest, ob eure Energiebilanz auch nicht richtig passt – dann buche dir ein kostenloses Kennenlerngespräch bei mir, dann schaue ich mir das gerne für dich und dein Pferd einmal genauer an. 

Den Link dazu findest du in den Shownotes. 

Wenn dir diese Folge gefallen hat, teile sie gern mit anderen Pferdebesitzer*innen oder lass mir eine Bewertung da – denn genau diese Gedanken und Gerspräche brauchen Raum.

Ich wünsche dir und deiner Fellnase einen schönen Tag – wir hören uns hoffentlich auch in der nächsten Folge Achtsam Füttern schon wieder. 🤍

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