Futter Klartext – heute: Energie.
Heute geht es um ein Thema, das oft total unterschätzt wird – und gleichzeitig die Grundlage für alles ist: Energie. Also die Frage: Wie viel Energie braucht dein Tier eigentlich wirklich?
In der Beratung erlebe ich ganz oft, dass entweder zu viel oder zu wenig gefüttert wird – und das gar nicht bewusst. Sondern einfach, weil man sich an Empfehlungen orientiert, die nicht individuell sind.
Was ist mit „Energie“ überhaupt gemeint?
Wenn wir von Energie sprechen, meinen wir das, was dein Tier täglich zur Verfügung hat, um seinen Körper zu versorgen – für Bewegung, Stoffwechsel, Verdauung und alle körperlichen Funktionen.
Angegeben wird sie im Futter meist als Kilokalorien (kcal) oder Megajoule (MJ). Und diese Zahl entscheidet am Ende darüber, ob dein Tier sein Gewicht hält, zunimmt oder abnimmt.
Und jetzt wird es spannend: Nicht jedes Futtermittel gibt den Energiegehalt überhaupt an.
Den Energiegehalt selbst berechnen
Wenn der Energiegehalt nicht auf der Verpackung steht, kannst du ihn näherungsweise selbst berechnen. Die Grundlage dafür sind die analytischen Bestandteile: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit.
🐾 Beispiel
Rohprotein: 10 %
Rohfett: 5 %
Rohfaser: 1 %
Rohasche: 2 %
Feuchtigkeit: 80 %
Kohlenhydrate = 100 − (10 + 5 + 1 + 2 + 80) = 2 %
Energie = (10 × 3,5) + (5 × 8,5) + (2 × 3,5)
Energie = 35 + 42,5 + 7 = 84,5 kcal / 100 g
💧 Wenn die Feuchtigkeit nicht angegeben ist – Richtwerte
⚠️ Diese Berechnung ist eine Näherung – aber sie reicht völlig aus, um Futtermittel im Alltag zu vergleichen und besser einschätzen zu können. Es gibt auch andere Berechnungsmethoden, und manche Hersteller rechnen mit leicht abweichenden Faktoren. Deine selbst berechnete Zahl kann also etwas von einer angegebenen Hersteller-Angabe abweichen – das ist normal. Wichtig ist nicht die Zahl auf die Kommastelle genau, sondern dass du zwei Futter mit derselben Methode vergleichst.
Wie viel Energie braucht dein Tier?
Der Grundbedarf wird zunächst grob über Gewicht und Alter ermittelt. Ein junges Tier im Wachstum hat einen ganz anderen Bedarf als ein erwachsenes oder ein älteres. Auf diesen Grundbedarf kommen dann weitere Faktoren obendrauf: Gesundheitszustand, Kastration – und vor allem Bewegung.
Bewegung ist der größte Hebel, wenn es um Energie geht.
Beim Pferd besonders anschaulich
Der zusätzliche Energieverbrauch durch Bewegung unterscheidet sich enorm je nach Gangart:
Reitest du also zum Beispiel 30 Minuten Schritt, 20 Minuten Trab und 10 Minuten Galopp, liegt dein Pferd insgesamt etwa 25 bis 50 Prozent über dem Erhaltungsbedarf.
Es reicht nicht zu sagen: „Mein Pferd wird bewegt.“ Entscheidend ist: Wie wird es bewegt?
Haltung und Umgebung nicht vergessen
Bewegung ist nicht alles. Auch Haltung und Umgebung spielen eine große Rolle – und werden oft unterschätzt:
Zwei Pferde mit dem gleichen Training können einen komplett unterschiedlichen Bedarf haben.
Und bei Hund und Katze?
Dasselbe Prinzip gilt genauso. Hier arbeitet man mit einem Faktor, der auf den Grundbedarf multipliziert wird:
- ruhig× 1,2–1,4
- normal aktiv× 1,4–1,8
- sehr aktivdeutlich darüber
- Wohnungskatzegeringer
- aktive Freigängerin+20–50 %
Der praktische Ansatz
Aus all dem ergibt sich ein einfacher, praktischer Weg:
- → Schau dir an, wie viel Energie dein Tier aktuell bekommt.
- → Und dann schau dir dein Tier an: Wie ist der Körperzustand? Passt das Gewicht? Verändert sich etwas?
Genau daraus kannst du deine Rückschlüsse ziehen. Beim Pferd ist das besonders spannend, weil ein großer Teil der Energie oft schon über das Heu kommt. Liegt die Zufuhr über dem Bedarf, kannst du gezielt gegensteuern – zum Beispiel über die Bewegung. Du musst also nicht immer sofort am Futter drehen.
Das Wichtigste: Dein Tier soll satt werden
Ein ganz wichtiger Punkt, den man nie vergessen darf: Das Tier soll auch satt werden. Nicht nur „berechnet“ gefüttert, sondern wirklich zufrieden sein – und gleichzeitig mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt.
Und genau da wird es spannend. Ist dein Tier satt, bekommt aber zu viel Energie, dann ist Bewegung oft der sinnvollste Hebel. Ist es andersherum zu dünn, obwohl die Futtermenge eigentlich sättigt, kannst du über die Futtermittel nachsteuern – oder schauen, ob die Bewegung gerade zu hoch ist.
Die Menge sorgt für Sättigung.
Die Zusammensetzung und die Bewegung steuern die Energie.
Zwischen diesen Punkten bewegt sich Fütterung die ganze Zeit. Du kannst über das Futter steuern – oder über die Bewegung. Und oft ist es eine Kombination aus beidem.
Ein gutes Futter ist wichtig – aber entscheidend ist, ob es zu deinem Tier und seinem Bedarf passt.
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Passend zu dieser Folge:
- → Folge #25 – Mehr Bewegung, weniger Ego Warum ein Pferd oft allein über das Heu schon im Energieüberschuss ist – mit einer konkreten Beispielrechnung.
- → Folge #32 – Deklaration und Inhaltsstoffe Woher die analytischen Bestandteile kommen, die du für die Energieberechnung brauchst.
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