#50 – Wieder ein Team – Christinas Geschichte darüber, wie Fütterung eine Beziehung retten kann

Stell dir vor, du suchst dir Hilfe für dein Pferd – und wirst genau dann allein gelassen, wenn alles schwierig wird. Genau das hat Christina erlebt. Aber ihre Geschichte hört da nicht auf.

Christina begleite ich mittlerweile seit über einem Jahr – und ihre Geschichte hat mich von Anfang an berührt. Nicht, weil am Ende alles perfekt ist. Sondern weil sie so genau zeigt, worum es mir bei Achtsam Füttern eigentlich geht: Es geht nie nur um Futter. Es geht darum, sein Tier wieder zu sehen.

In dieser Folge erzählt Christina von Frust, Husten, Kolik und einer Beratung, die sie mit ihren Sorgen allein gelassen hat. Und davon, wie aus alldem am Ende wieder ein Team geworden ist.

Wer hier erzählt: Christina und Chappi

Kurz vorgestellt

  • Christina, 42 – seit 36 Jahren mit Pferden unterwegs, seit Kindheitstagen im Sattel
  • Champion de Muze, genannt Chappi – holländisches Warmblut, 19 Jahre alt
  • Seit 13 Jahren in Christinas Besitz, damals aus den Niederlanden importiert
  • Charakter: mäkelig und sehr eigen im Futter – er lässt liegen, was er nicht mag oder nicht braucht

Der Ausgangspunkt: Husten, Sorge und ein Hamsterrad

Angefangen hat es vor rund zwei Jahren. Chappi hustete – immer wieder. Die Tierärztin war dabei, es wurden verschiedene Therapien probiert, zuletzt ein Cortison-Depot. Christina stellte die Box radikal um, bis hin zu Strohpellets. Und wie so viele Tierbesitzerinnen fing sie an, sich selbst schlau zu lesen: Internet, Social Media, hier ein Mittelchen, da ein Mittelchen.

Nichts davon hat wirklich gegriffen. Was blieb, war ein Kreislauf aus Sorge und Aktionismus.

„Ich bin nur noch mit Panik zum Stall gefahren. Angst, auf dieses Pferd zu steigen – Panik davor, aufzusteigen, und dann fängt es an zu husten. Das war wie so ein Hamsterrad.“

CHRISTINA

Als die Hilfe nicht half

Christina wollte raus aus der Mittelchen-Spirale und entschied sich für eine Futterberatung mit dem Schwerpunkt natürliche Pferdefütterung. Anamnesebogen ausgefüllt, Rückmeldung in zwei Wochen versprochen. Dann: Funkstille. Sie musste hinterherlaufen. Und im ersten Teil der Beratung stand dann ein falscher Pferdename.

Danach ging es so weiter:

  • Antworten dauerten fünf bis sechs Tage, später per WhatsApp immer noch drei bis vier
  • Der Plan umfasste zehn bis zwölf verschiedene Kräuter und Futtermittel
  • Christina stand rund eine Stunde im Stall, um das Futter für fünf Tage vorzubereiten
  • Chappi rührte es nicht an
  • Dazu eine sehr üppige Heuration – mit so viel Energie, dass Christina nicht einmal mehr im Schritt ins Gelände reiten konnte

„Man gibt viel Geld aus für Kräuter, denkt, man tut seinem Pferd was super Gutes – und das Pferd rührt es nicht an. Sonst war es immer so: Ich habe ihn gerufen und er kam. Der hat sich nicht gerührt. Im Gegenteil, er ist noch drei Meter weiter weggegangen.“

CHRISTINA

Der Wendepunkt kam, als Chappi mit einer leichten Kolik auf der Wiese stand. Eine Stallfreundin, die mich auf einem She’s-Mercedes-Event in Aachen kennengelernt hatte, sagte: Schreib doch mal die Claudia an.

Was mir an dieser Stelle wichtig ist

Es geht hier nicht darum, eine einzelne Kollegin an den Pranger zu stellen. Es geht um etwas Grundsätzliches: Ein Fütterungsplan ist kein Produkt, das man abliefert. Er ist der Anfang eines Prozesses. Wenn in diesem Prozess niemand erreichbar ist, bleibt der Mensch mit seiner Sorge allein – und genau dann wird es gefährlich, weil man anfängt, auf eigene Faust zu improvisieren.

Deshalb gibt es meine Beratung nicht ohne anschließende Betreuungszeit. Nicht als Extra, sondern weil sich die entscheidenden Dinge erst im Laufe der Wochen zeigen.

Der Neuanfang – Schritt für Schritt

1

Erst das Heu, dann alles andere

Das Erste, was wir angefasst haben, war nicht ein Zusatzfutter – sondern die Heumenge. Chappi hatte schlicht einen Energieüberschuss, den er nicht loswerden konnte. Das Grundfutter ist immer der größte Hebel, nicht das, was oben drauf kommt.

2

Das Pferd kennenlernen, statt ihm ein Futter überzustülpen

Wir haben viel darüber gesprochen, was Chappi mag und was nicht. Bei einem so eigenen Pferd hat es keinen Sinn, den theoretisch perfekten Plan zu bauen, wenn er im Trog liegen bleibt. Das ist kein Kompromiss – das ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas ankommt.

3

Ausprobieren dürfen – und Vertrauen aufbauen

Christina hat zwischendurch ein gestrichenes Müsli trotzdem gekauft. Und es mir dann ganz kleinlaut gebeichtet. Meine Frage war nicht „Warum hältst du dich nicht dran?“, sondern „Warum hast du es gekauft?“ – weil dahinter ja ein echtes Bedürfnis steckte: Sie brauchte etwas, um die anderen Komponenten überhaupt ins Pferd zu bekommen. Vertrauen entsteht nicht durch Ansagen. Es entsteht durch Gespräche.

4

Dranbleiben, wenn es doch nicht passt

Das erste Mineralfutter hat Chappi zunächst gefressen – und irgendwann nicht mehr. Also ging das Testen von vorne los. Genau dafür ist die Betreuungszeit da. Ein Pferd sagt manchmal erst nach vier Wochen, was es wirklich denkt.

Den Trog lesen lernen

Das Spannendste an Christinas Weg ist für mich, was sie über ihr Pferd gelernt hat. Chappi frisst Dinge oft teilweise – nicht gar nicht. Das ist ein Unterschied. Es spricht dafür, dass er ein ziemlich gutes Gespür dafür hat, was er gerade braucht. Wenn er etwas liegen lässt, ist das keine Verweigerung, sondern eine Rückmeldung: Du kannst reduzieren.

„Ich musste ihm im Thema Fütterung wieder zu hundert Prozent vertrauen. Ich habe ihn wieder lesen lernen müssen.“

CHRISTINA

Dasselbe gilt für das Heu. Christina wiegt inzwischen – mit Kofferwaage und Gartensack. Dafür wurde sie am Stall erst belächelt. Heute kommen dieselben Leute und fragen, wie sie das macht.

Was sich verändert hat

Vorher

  • Wiederkehrender Husten über Monate
  • 10–12 Komponenten, die liegen blieben
  • Eine Stunde Futtervorbereitung für fünf Tage
  • Zu viel Energie über das Heu – kein entspannter Ausritt möglich
  • Im Fellwechsel die Letzten am Stall, viele Schuppen
  • Chappi ging weg, wenn Christina ihn rief

Heute

  • Husten deutlich im Griff – im letzten Jahr nur noch vereinzelt
  • Wenige, gezielt abgestimmte Komponenten
  • Heumenge wird bewusst angepasst und gewogen
  • Im Fellwechsel mit den Ersten am Stall
  • Christina ruft – Kopf hoch, Ohren hoch, er kommt
  • Wieder ein Team

„Es hat sich einfach um 180 Grad gedreht. Er vertraut mir wieder mehr, er liest mich wieder besser und ich kann ihn wieder besser lesen.“

CHRISTINA

Warum es am Ende nicht „rein natürlich“ wurde

Christina war ursprünglich mit dem Wunsch gestartet, komplett auf natürliche Fütterung umzustellen. Verständlich – wenn man das Gefühl hat, in jedem Fertigfutter sei irgendetwas drin, was das Tier nicht braucht.

Ich bin da ehrlich: Rein natürlich zu füttern ist oft schwierig, wenn man die Nährstoffgehalte wirklich decken will. Man braucht deutlich größere Mengen und deutlich mehr Komponenten. Bei einem Pferd, das ohnehin mäkelig ist, wird das schnell zum Problem – und aufwendig ist es obendrein.

Unsere Lösung ist deshalb kein reines Naturkonzept. Sie ist gezielt zusammengestellt, sie berücksichtigt das Heu, und sie besteht aus Dingen, die Chappi tatsächlich frisst. Sein Mash durfte übrigens bleiben – als Belohnung, sinnvoll in die Ration eingerechnet.

Manchmal ist weniger mehr.

Christinas Botschaft

„Holt euch Hilfe. Bleibt da nicht alleine stehen. Vertraut auf euer Bauchgefühl – und wenn ihr merkt, ihr kommt nicht weiter, dann traut euch, egal was andere sagen.“

CHRISTINA

Und was sie rückblickend anders machen würde? Sie hätte sich nicht so verunsichern lassen. Und sie wäre früher gekommen.

Ich kenne dieses Gefühl übrigens selbst. Als mein Pferd 2016 Hufrehe hatte, war ich genauso hilflos. Erst durch die Ausbildung habe ich verstanden, wie komplex das Thema wirklich ist – und wie viel man als ganz normaler Pferdebesitzer eben nicht wissen kann. Bei der Physiotherapie holen wir uns ganz selbstverständlich Fachleute dazu. Beim Füttern steckt vielen noch das „Das haben wir noch nie gebraucht“ in den Knochen. Dabei verändern sich allein die Heuwerte jedes Jahr.

Wichtiger Hinweis

Husten, Kolik und andere Krankheitszeichen gehören immer zuerst in tierärztliche Hände. Eine Futterberatung ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung – sie kann die tierärztliche Betreuung sinnvoll ergänzen, indem sie die Ration an das Tier und seine Situation anpasst. Bitte setze bestehende Medikamente oder Therapien nie eigenmächtig ab.

Du steckst gerade selbst fest?

Dann lass uns in Ruhe darüber sprechen – kostenlos und völlig unverbindlich. Wir schauen gemeinsam, wo dein Tier steht und ob eine Begleitung für euch überhaupt Sinn ergibt.

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Danke, Christina, dass du deine Geschichte so offen geteilt hast. Und Grüße an den Chappi.

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