Folge #28 Giardien – was jetzt wirklich hilft und was nicht

Giardien gehören zu den Diagnosen, bei denen viele Hunde- und Katzenhalter irgendwann müde werden. Nach der Behandlung durch den Tierarzt wird der Kot kurz besser – und dann beginnt alles wieder von vorn.

Oft entsteht dabei das Gefühl, irgendetwas übersehen zu haben oder etwas falsch zu machen.

In dieser Folge möchte ich dir erklären, warum Giardien so hartnäckig wirken können und weshalb die Fütterung dabei eine viel größere Rolle spielt, als man zunächst denkt. Es geht nicht darum, möglichst viel zu ergänzen – sondern darum, gezielt Ruhe in den Darm zu bringen.

Hallo und schön, dass du wieder einschaltest. Heute geht es um das Thema Giardien – ein lästiges und oftmals alles andere als kurzfristig. Aber schauen wir erstmal was sich dahinter wirklich verbirgt. 

Giardien sind einzellige Darmparasiten, die sich im Dünndarm ansiedeln. Sie zerstören den Darm nicht direkt, aber sie stören seine Arbeit. Die Verdauung wird unruhig, Nährstoffe werden schlechter aufgenommen und die Darmflora gerät im Ganzen aus dem Gleichgewicht. Hunde oder Katzen infizieren sich dabei durch Kotkontakt, verunreinigte Wasserstellen, wie Pfützen und Seen, kontaminierte Böden und Spielzeug oder auch direkten Tierkontakt. Das ist der Grund, warum Ausbrüche oft regional vermehrt vorkommen. 

Viele Symptome entstehen aber gar nicht durch den Parasiten selbst, sondern durch den gereizten Darm, der danach zurückbleibt. Typisch sind wechselnde Kotkonsistenzen, Schleim im Kot, Blähungen oder eine insgesamt empfindliche Verdauung sowie Gewichtsverlust. Gerade junge oder sensible Tiere reagieren in der Regel sehr deutlich und sind auch sehr anfällig für Giardien und deren Auswirkungen. 

Die Diagnose erfolgt in der Regel über eine 3-Tage- Sammelkotprobe beim Tierarzt. Die medikamentöse Behandlung durch den Tierarzt ist dabei super wichtig und richtig, denn sie beendet die Infektion. Was sie aber nicht beendet, ist die Empfindlichkeit des Darms.

Genau hier entsteht gerne eine Art Teufels-Kreislauf: Der Parasit verschwindet, der Darm bleibt gereizt – und dadurch wird eine erneute Besiedlung leichter möglich. Deshalb erleben viele Halter Rückfälle, obwohl sie korrekt behandelt haben.

Die Fütterung kann zwar an sich nicht dabei helfen, den Parasiten an sich zu bekämpfen. Aber sie kann helfen, den Darm wieder zu stabilisieren und das Darmmilieu so zu gestalten, dass es den Giardien möglichst wenig Angriffsfläche bietet. 

Bevor du jetzt aber direk neues Futter kaufst oder anfängst aufwändig zu kochen, lohnt sich ein sehr einfacher erster Schritt: Schau dir das aktuelle Futter einmal ganz nüchtern an.

Viele Hunde und Katzen bekommen herkömmliches Fertigfutter – und das ist auch nicht automatisch falsch. Problematisch wird es dann, wenn das Futter sehr komplex aufgebaut ist oder viele leicht verfügbare Kohlenhydrate enthält. Mehrere Getreide- oder Stärkequellen gleichzeitig, stark verarbeitete Rezepturen oder sehr lange Zutatenlisten können die Verdauung grundsätzlich belasten. Zutaten wie Mais, Weizen, Reis, Kartoffeln, Süßkartoffeln oder zuckerhaltiges Obst und sehr stärkehaltige Rezepturen oder stark verarbeitete Kroketten machen das Darmmilieu zu einem guten Nährboden für Giardien – genau  wie zu viele Proteinquellen oder zu viele unterschiedliche Zusätze. 

Ein gereizter Darm profitiert nämlich nicht von Vielfalt. Er profitiert von Einfachheit. Wenn du beim Lesen merkst, dass das Futter, was du deiner Fellnase aktuell fütterst  sehr umfangreich zusammengesetzt ist, dann besteht der erste Schritt nicht darin, irgendwas Zusätzliches zu geben – sondern darin, das ganze vorübergehend zu vereinfachen. Gleiches gilt auch für komplexe Barfrationen mit diversen Proteinquellen und Kohlenhydraten. 

In der akuten Phase geht es darum, die Verdauung zu entlasten. Am einfachsten gelingt das mit einer sehr überschaubaren Ration. 

Für einige Wochen kann da eine selbstgekochte Fütterung oder eine Reinfleischdose kombiniert mit gut verträglichem, weich gegartem Gemüse sinnvoll sein.

Geeignet sind beispielsweise eine Sorte mageres Muskelfleisch und leicht verdauliche Gemüse wie Zucchini, Möhren, Fenchel oder Kürbis.  Rohes Futter sollten nur Tiere bekommen, die ohnehin daran gewöhnt sind, roh zu fressen, weil der Darm  keine zusätzlichen Herausforderungen braucht, sondern eben Ruhe. 

Wenn man die Fütterung vereinfacht, fehlen automatisch Mineralstoffe. Gerade für die Regeneration der Darmschleimhaut sind sie jedoch wichtig. Deshalb sollte in dieser Phase immer eine passende Mineraleränzung gegeben werden. Abgerundet werden, kann diese vorübergehende Ration durch ein bisschen Kokosöl, weil dies Laurinsäure enthält, was antiparasitär wirkt und das Immunsystem sträkt -und das Darmmilieu für Giardien zusätzlich unangenehm macht. 

Was dagegen selten hilfreich ist, sind viele einzelne Präparate gleichzeitig. Der Darm profitiert mehr von Struktur als von Menge. 

Viele greifen dann auch schnell zu Pro- oder Präbiotika. Nach der Behandlung kann es sinnvoll sein, die Darmflora gezielt zu unterstützen. Probiotika können dabei helfen, die bakterielle Balance wieder aufzubauen. Präbiotika sollten aber eher vorsichtig und langsam eingesetzt werden, denn zu große Mengen können die Verdauung erneut reizen. Grundsätzlich würde ich dazu aber auch erst Raten, wenn sich die Situation etwas beruhigt hat. 

Der wichtigste und gleichzeitig schwierigste Teil ist die Ruhephase. Für mehrere Wochen sollte die Fütterung möglichst konstant bleiben. Keine ständigen Futterwechsel, keine neuen Zutaten oder Zusätze und keine Leckerchen mit anderen Zutaten als denen aus der Ration und keine Experimente. Der Darm heilt insgesamt langsamer als die Infektion verschwindet. Genau deshalb wirken viele Rückfälle so plötzlich – tatsächlich war der Darm in vielen Fällen einfach noch nicht stabil genug.

Erst wenn sich die Verdauung wirklich stabil anfühlt, können neue Komponenten, wie weitere Porteinquellen oder auch wieder Kohlenhydratquellen  vorsichtig eingeführt werden. Immer einzeln und mit etwas Abstand, damit du gezielt beobachten kannst, wie dein Tier reagiert.

Wenn Giardien  wiederkehren, dein Tier immer weiter an Gewicht verliert oder du unsicher bist, welche Ration auch nach überstandener Infektion wirklich passt, lohnt sich eine individuelle Futterberatung. Sie ersetzt natürlich nicht die Behandlung durch den Tierarzt kann aber helfen, den Kreislauf dauerhaft zu durchbrechen.

Wenn wir das ganze jetzt noch einmal kurz zusammenfassen: 

Die Giardien verschwinden durch Medikamente – die Stabilität entsteht durch den Darm und dieser braucht Zeit, Ruhe und eine klare und vor allem einfache Fütterung – keine Perfektion, kein schnick schnack und vor allem keine Zutaten, die einen Nährboden für die Giardien bilden. 

Wenn du Schritt für Schritt vorgehst, wird aus einem hartnäckigen und wiederkehrenden Problem oft ein gut lösbarer Weg, den auch du als Laie händeln kannst. 

Ich bin mir sicher, dass du es schaffen wirst, aus dem Giardien-Teufelskreis auszusteigen – ohne Panik – mit ganz viel Achtsamkeit. 

Wenn Du den Weg nicht alleine gehen möchtest und auch im Nachgang einen individuell auf deine Fellnase abgestimmten Futterplan wünscht, der die Darmgesundheit unterstützt und damit auch ein gutes Immunsystem fördert und trotzdem in deinen Alltag passt, dann melde dich gerne bei mir. Du kannst dir auch zunächst ganz unverbindlich ein kostenloses Kennenlerngespräch bei mir buchen und in diesem Gespräch finden wir dann gemeinsam heraus ob eine Futterberatung das Richtige für dich und deine Fellnase ist. Den Link zur Terminvereinbarung findest du in den Shownotes. 

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende der heutigen Folge angelangt. Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann nimm dir kurz Zeit und bewerte den Podcast oder schick diese Folge jemanden, von dem du weißt, dass er gerade mit Giardien zu kämpfen hat. Darüber würde ich mich wirklich sehr freuen. Jetzt wünsche ich dir und deiner Fellnase eine gute Zeit und bleibt Achtsam 🙂

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