Folge #20 – Interview mit Hundetrainerin Mary Pelz – Wie Futter das Verhalten von Hunden beeinflusst

 

🐕 Hinweis: Diese Folge richtet sich vor allem an Hundebesitzer:innen.

Heute freue ich mich sehr auf ein Gespräch mit Mary Pelz von Hund um prima. Gemeinsam sprechen wir darüber, welche Rolle Futter im Training spielt, wie Ernährung das Verhalten beeinflussen kann – und was wir als Hundehalter im Alltag beachten sollten.

Wer ist Mary? Mary Pelz ist seit über 12 Jahren Hundetrainerin und Expertin für den verlässlichen Alltagsbegleiter. Mit ihrem Team trainiert sie mit Hundehaltern weltweit und zeigt ihnen, wie sie ihre Spaziergänge genießen können – ohne dass der Hund an der Leine zieht oder bei einer Hundebegegnung eskaliert. Ihr Fokus liegt auf den Fällen, bei denen die klassischen Standardmethoden nicht mehr weiterhelfen.

Wie wichtig ist Futter als Belohnung im Training?

Mary findet Futter als Belohnung absolut sinnvoll – aber man muss vorsichtig sein, wo genau man es einsetzt. Denn es gibt Situationen, da macht Futter gar keinen Sinn.

Was sie grundsätzlich immer sinnvoll findet, ist ein duales Feedback: Sag deinem Hund, was er gut macht – das muss nicht immer Futter sein. Aber sag ihm auch, was er weniger gut macht.

Wann Futter im Training kippt

Und jetzt wird es spannend. Mary beschreibt genau, wann der Einsatz von Futter zum Problem wird:

„Es kippt dann, wenn der Hund den Menschen trainiert – nach dem Motto: Okay, so kannst du mal eben überwachsen lassen. Oder wenn der Hund ein Verhalten nur aufgrund des Futters zeigt, und sobald das Futter nicht mehr da ist, kommt das alte Verhalten zurück. Das ist die typische Symptombehandlung.“

Mary Pelz

Der Klassiker ist die Hundebegegnung: „Wenn ich ein Leckerli vor die Nase des Hundes halte, dann flippt er nicht aus, dann zieht er nicht, dann geht er dran vorbei.“ Klar – weil man dem Hund die Möhre vor die Nase hält.

Aber: Möchtest du das ein Hundeleben lang machen? Es wäre doch viel schöner, wenn der Hund wirklich entspannt mit dir als Team dran vorbeigehen kann.

Marys Bild dazu: „Man kann dem Hund ganz einfach erklären: Hey Schatzi, lass uns als Team spazieren gehen. Wenn du was Gutes leistest, dann bezahle ich dich auch dafür. Aber die ganze Zeit das Schnitzel vor der Nase halten – es geht auch einfach entspannter.“

Der Rückruf – das wichtigste Signal

Für Mary ist der Rückruf das allerwichtigste Signal: „Wenn das sitzt, dann haben sich die Hunde ein Hundeleben lang Freiheit erarbeitet.“

Und dabei ist ihr eines wichtig: Wenn wir Menschen von unseren Hunden verlangen, dass sie sofort auf ein Signal zurückkommen – egal was sie gerade sehen, sei es ein anderer Hund, ein Reh oder eine Katze –, dann dürfen unsere Hunde auch die Erwartungshaltung haben, dass sie dafür immer etwas richtig Geiles bekommen.

Das kann Futter sein. Für einen Hund, der nicht so futteraffin ist, aber auch etwas anderes. Denn es gibt Hunde, die können draußen gar nicht fressen – oder sich in dem Moment nicht darauf einlassen, weil der Reiz zu groß ist.

Wichtig: Wenn ein Hund draußen nicht fressen kann, kann er in dem Moment auch nicht lernen. Dann muss man woanders ansetzen – nicht gleich beim Rückruf, sondern erst einmal dafür sorgen, dass draußen überhaupt eine innigere Verbindung da ist, damit der Hund sich auf das Lernen einlassen kann.

Wie stark beeinflusst Futter das Verhalten?

Meine Frage nach dem Zusammenhang zwischen Fütterung und Verhalten beantwortet Mary sehr klar:

„Ich kann ganz, ganz klar sagen, dass das Futter zu 100 Prozent das Verhalten beeinflusst. Das ist so extrem.“

Mary Pelz

Sie erklärt: Wenn man einen rassebedingt schon agilen Hund hat, der ohnehin Reizempfindlichkeit mitbringt, und der bekommt dann auch noch Futter mit Füllstoffen, die er nicht braucht, oder versteckten Zucker – dann muss man sich nicht wundern, dass die Standardmethoden nicht ausreichen. Denn irgendwann muss der Hund das, was er aufnimmt, ja auch wieder loswerden.

„Du bist, was du isst“ – das gilt eben auch für unsere Hunde.

Ein Fall aus der Praxis

Marys Beispiel: ein zwölfjähriger Tierschutzhund, seit über sechs Jahren bei seinen Haltern. Die Spaziergänge waren der pure Horror – der Hund hat gezogen und ist bei jeder Hundebegegnung völlig ausgeflippt. Drinnen war er ein ganz anderer Hund.

Die Halter waren bereits bei über sieben Hundetrainern und sogar bei Verhaltensbiologen. Schütteldose, mit Leckerlis ablenken, Wasserflasche – sie hatten wirklich schon alles probiert.

Als Mary und ihr Team die Ursachen suchten, kontrollierten sie unter anderem das Futter. Und darin war „einfach so viel Quatsch“ – vor allem unglaublich viel versteckter Zucker. Ein Hund mit ohnehin viel Energie, der über das Futter noch zusätzlich Energie bekommt, sagt irgendwann: Boah, jetzt muss es raus. Er wird schnell getriggert und fährt sich rasant hoch.

Das Ergebnis: Sie haben ziemlich zu Beginn das Futter verändert – und allein dadurch schon deutliche Verhaltensveränderungen gesehen. Der Hund war viel ausgeglichener und deutlich weniger reizempfindlich. Danach kam das ganze Feintuning im Training.

Und Mary betont: Das ist kein Einzelfall.

Warum Mary keine Hersteller-Kooperationen macht

Ein Punkt, bei dem wir uns sofort einig waren. Mary erzählt, dass sie pro Woche unzählige Anfragen von Futtermittelherstellern bekommt, ob sie zusammenarbeiten wollen – mit Provision, „richtig Geld verdienen“.

„Wenn wir mit dem Futtermittelhersteller zusammenarbeiten, können wir gar nicht mehr objektiv sein. Das geht ja gar nicht. Deswegen lehnen wir seit Jahren jede Anfrage ab. Nur weil das eine Futter Hund X hilft, heißt es nicht, dass genau das gleiche Futter für Hund Y auch gut ist.“

Mary Pelz

Und auch bei Futtertests ist sie skeptisch: „Da geht es doch nur um Kohle – also wer zahlt da mehr?“

Marys Punkt trifft es genau: „Google kennt nicht deinen Hund. YouTube kennt auch nicht deinen Hund.“ Und: Nur weil ich viel Geld für ein Futter ausgebe, heißt es nicht, dass das das Futter ist, was meinem Hund guttut. Unsere Hunde sind einfach so unterschiedlich.

Welche Leckerlis eignen sich fürs Training?

Marys Antwort ist klar: Das Allerwichtigste ist, dass dein Hund es verträgt. Denn wenn der Magen-Darm-Trakt nicht ordentlich arbeiten kann, tut es dem Hund einfach nicht gut.

Ihr Vergleich: „Das ist wie bei uns Menschen. Wenn wir nur Blödsinn essen, können wir uns auch nicht vernünftig konzentrieren – und genauso ist es bei unseren Hunden.“

Ihre praktischen Tipps:

  • Muss nicht gekauft sein: Manche Hunde sind mit Apfelstücken oder ein paar Bananenstücken total zufrieden.
  • Hauptfutter nutzen: Bei manchen Hunden kannst du draußen auch einfach mit dem normalen Futter belohnen. Bei Feuchtfutter: Einmalhandschuhe anziehen – und los geht’s.
  • Selber machen: Marys Tipp, den ich sehr mag – Fleisch von einer Sorte, die dein Hund verträgt, in kleine Stücke schneiden und im Dörrautomat trocknen (oder aufs Backblech). Auch Bananenchips gehen gut. So hast du eine schmackhafte und vor allem reine Quelle.
  • Nicht zu viel: Stichwort Magendrehung – gib deinem Hund nicht zu viel Futter und lass ihn dann direkt frei rennen. „Gesundheit geht für mich immer vor Training.“

Was tun, wenn der Hund ständig bettelt?

Mary differenziert hier schön:

  • Forderndes Betteln (der Hund springt an, stupst, bellt vielleicht sogar): Da macht es Sinn, ganz schnell von den Leckerlis wegzukommen oder nur noch punktuell zu belohnen.
  • Charmantes „Betteln“ (der Hund läuft neben dir her und guckt hoch): Das findet Mary nicht schlimm. Erst recht nicht, wenn ihr vorher ein echtes Thema hattet.

Ihr Beispiel: Ein Hund, der früher bei jeder Hundebegegnung ausgeflippt ist, läuft jetzt an lockerer Leine dran vorbei – auch wenn der andere Hund bellt. Und dann guckt er hoch zu seinem Menschen: „Hey, das habe ich doch toll gemacht, oder?“

Dann darf er dafür auch einen Keks bekommen. Denn nichts ist selbstverständlich – erst recht nicht, wenn ein Hund vorher ausgeflippt ist. „Wenn unsere Hunde eine tolle Leistung zeigen, dann dürfen wir sie auch dafür bezahlen. Wir arbeiten schließlich auch nicht kostenlos.“

Marys Herzenstipp

„Jeder Hund kann lernen. Jeder. Egal in welchem Alter. Und wenn du merkst, dass Gruppenstunden und Einzelstunden nichts bringen: Bitte, das muss so kein Hundeleben lang bleiben. Dass ihr bisher nicht das Ziel erreicht habt, liegt nicht an dir und es liegt auch nicht an deinem Hund – sondern daran, dass ihr bisher noch nicht die Unterstützung bekommen habt, die ihr eigentlich braucht.“

Mary Pelz

Was bedeutet für Mary „achtsam füttern“?

Ihre Antwort hat mich sehr berührt:

„Wenn wir uns von unseren Hunden Ruhe und Gelassenheit wünschen – was ja auch etwas mit Achtsamkeit zu tun hat –, dann müssen wir Menschen erst mal selbst achtsamer sein. Wir können von unseren Hunden nichts verlangen, was wir Menschen nicht mal vorleben können.“

Und achtsam füttern heißt für Mary: nicht einfach jeden Tag Dose auf oder Trockenfutter rein und los. Sondern weg von der Gewohnheit – erst recht, wenn du merkst, dass irgendwas mit deinem Hund nicht stimmt. Er ist unruhig, hat einen komischen Output, ihr erreicht das Ziel nicht.

Einmal bewusst wahrnehmen: Ist das überhaupt gut für meinen Hund? Oder macht es Sinn, etwas zu verändern – oder wenigstens mit jemandem darüber zu sprechen?

Vielen Dank, liebe Mary, für dieses spannende Gespräch!

Shownotes

Mein kostenloses Angebot für dich:

  • Gratis E-Mail-Serie „Achtsam Füttern“ In fünf Tagen erkennst du, ob dein Tier das richtige Futter bekommt: wie du Futter bisher ausgewählt hast, woran du ein gutes Futter erkennst und was dein Tier dir zeigt.
  • Der kostenlose Check Finde in wenigen Minuten heraus, wie gut du dich mit der Fütterung deines Tieres auskennst – für Hund, Katze und Pferd. Ohne Anmeldung.
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  • Kostenlos für dich Alle meine kostenlosen Helfer auf einen Blick – Ratgeber, Checklisten und Tools für Hund, Katze und Pferd.

Mein Gast in dieser Folge:

  • Mary Pelz – Hund um prima Hundetraining für Halter, bei denen Standardmethoden nicht mehr weiterhelfen. Für ein kostenloses Erstgespräch kannst du dich unverbindlich anmelden.

Folge mir:

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1 Kommentar zu „Folge #20 – Interview mit Hundetrainerin Mary Pelz – Wie Futter das Verhalten von Hunden beeinflusst“

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