#43 Futter Klartext: Kalzium -der unterschätzte Baustein: Funktion, Verhältnisse & was bei Über- und Unterversorgung passiert

Futter Klartext – heute: Kalzium.

Kalzium – da denken die meisten sofort an Knochen und Zähne. Und das stimmt natürlich auch. Aber Kalzium kann noch so viel mehr. Und was oft übersehen wird: Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie viel Kalzium im Napf oder Trog landet, sondern in welchem Verhältnis.

Heute wird es ein bisschen nerdig – aber ich verspreche dir, du nimmst am Ende wirklich etwas mit. Denn Kalzium ist ein Paradebeispiel dafür, dass in der Tierernährung selten die einzelne Zahl entscheidend ist.

Ganz oft höre ich Sätze wie „Ich gebe doch schon Kalzium dazu“ oder „Da ist ja genug drin“. Und dann schauen wir gemeinsam drauf – und stellen fest: Die Menge stimmt zwar, aber das Zusammenspiel mit anderen Nährstoffen ist völlig aus dem Gleichgewicht.

Wofür Kalzium überhaupt gebraucht wird

Fangen wir beim Grundlegenden an. Der allergrößte Teil des Kalziums im Körper – rund 99 Prozent – steckt im Skelett. Das ist sozusagen das Lager. Und dieses Lager ist nicht starr: Der Körper holt sich bei Bedarf Kalzium heraus und lagert wieder ein.

Aber das eine Prozent, das nicht im Knochen steckt, ist mindestens genauso wichtig. Denn Kalzium ist an vielem beteiligt:

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Muskelkontraktion

Ohne Kalzium kann sich kein Muskel zusammenziehen – auch nicht der wichtigste: das Herz.

Reizweiterleitung

Die Kommunikation in den Nerven, also die Signalübertragung im Körper.

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Blutgerinnung

Ein zentraler Baustein, damit Wunden überhaupt verschließen können.

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Enzymprozesse

Unzählige Abläufe, die im Hintergrund ständig mitlaufen.

Kalzium ist also nicht nur Baumaterial, sondern ein aktiver Mitspieler in fast jedem lebenswichtigen Prozess. Und weil das so ist, hält der Körper den Kalziumspiegel im Blut extrem konstant – notfalls, indem er sich aus den Knochen bedient. Genau da fangen die Probleme an, wenn die Versorgung langfristig nicht stimmt.

Der wichtigste Gedanke: Kalzium arbeitet nie allein

Wenn du dir heute nur eine Sache merkst, dann diese:

Kalzium arbeitet niemals allein. Selbst wenn rechnerisch „genug“ da ist, funktioniert das System nur, wenn die Partner stimmen.

Die drei wichtigsten Partner sind Phosphor, Magnesium und Vitamin D:

Phosphor der engste Tanzpartner

Beide bilden gemeinsam die Knochensubstanz – konkurrieren aber bei der Aufnahme im Darm. Zu viel Phosphor blockiert die Kalziumaufnahme und umgekehrt. Deshalb ist ihr Verhältnis so entscheidend.

Magnesium der Gegenspieler

In der Muskelzelle sorgt Kalzium für Anspannung, Magnesium für Entspannung. Kippt das Verhältnis, kann sich das in Muskelverspannungen oder Nervosität zeigen.

Vitamin D der Türöffner

Ohne ausreichend Vitamin D kann der Körper Kalzium aus dem Darm gar nicht richtig aufnehmen – egal, wie viel du fütterst.

Du merkst: Kalzium ist Teil eines fein abgestimmten Systems. Deshalb reicht es nicht, einfach „mehr Kalzium“ zu geben. Man muss das ganze Bild sehen.

Warum das Verhältnis zu Phosphor so wichtig ist

Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis – kurz Ca:P – ist eine der wichtigsten Kennzahlen in der Tierernährung überhaupt. Als grobe Orientierung, und das ist wirklich nur eine Orientierung, kein starres Gesetz:

🐴Pferd (Ca:P) ca. 1,5–2,5 : 1
🐕🐈Hund & Katze (Ca:P) ca. 1,1–2 : 1

Die wichtigste Regel: Es sollte nie ins Negative kippen – also nie mehr Phosphor als Kalzium.

Warum ist das so wichtig? Stell dir vor, du fütterst viel Phosphor – zum Beispiel über bestimmte Getreide oder große Mengen Fleisch, das von Natur aus phosphorreich ist – aber wenig Kalzium. Dann kann der Körper das vorhandene Kalzium schlechter aufnehmen. Und er zieht zusätzlich Kalzium aus den Knochen, um den Blutspiegel konstant zu halten. Über lange Zeit kann das die Knochensubstanz schwächen.

Das Verhältnis zu Magnesium

Kurz noch zum Magnesium, weil es oft zu wenig Beachtung bekommt. Kalzium und Magnesium sind im Muskel ein Gegensatzpaar: Das eine spannt an, das andere entspannt. Ist im Verhältnis zu viel Kalzium und zu wenig Magnesium da, kann sich das in erhöhter Muskelspannung, Nervosität oder – gerade beim Pferd oft beschrieben – in einer gewissen Schreckhaftigkeit äußern.

🐴Pferd (Ca:Mg) ca. 2–3 : 1

Gerade wenn Menschen bei nervösen oder verspannten Pferden über eine Magnesium-Zufütterung nachdenken, lohnt sich immer der Blick aufs Gesamtbild. Denn oft ist nicht zu wenig Magnesium das Problem, sondern ein Ungleichgewicht im Verhältnis.

Über- und Unterversorgung – Tierart für Tierart

🐴

Das Pferd

Unterversorgung

Entsteht selten durch zu wenig Kalzium allein, sondern meist durch ein schlechtes Ca:P-Verhältnis – etwa bei sehr getreidelastiger Fütterung mit wenig Raufutter. Langfristige Folge können Knochenprobleme und geschwächte Knochensubstanz sein. Bei jungen, wachsenden Pferden ist das besonders kritisch.

Überversorgung

Seltener ein Problem, weil ein gesundes Pferd überschüssiges Kalzium relativ gut über die Nieren ausscheidet. Trotzdem: Dauerhaft massiv überhöhte Gaben können die Aufnahme anderer Mineralstoffe wie Magnesium oder Spurenelemente stören.

Pferde-Besonderheit

Heu und Raufutter sind die Hauptkalziumquelle. Deshalb ist eine Heuanalyse Gold wert – denn der Kalziumgehalt schwankt je nach Standort und Ernte erheblich.

🐕

Der Hund

Unterversorgung

Bei ausgewogener Fütterung eher selten. Kritisch wird es bei selbst zusammengestellten Rationen – etwa beim Barfen –, wenn die Kalziumquelle fehlt oder zu knapp ist. Reines Muskelfleisch ist sehr phosphorreich und kalziumarm. Wer viel Fleisch füttert, ohne Kalzium gezielt zu ergänzen, produziert schnell ein deutliches Ungleichgewicht.

Überversorgung

Besonders bei Welpen großer und schnell wachsender Rassen ein echtes Thema. Anders als erwachsene Hunde können Welpen überschüssiges Kalzium noch nicht gut regulieren. Zu viel Kalzium im Wachstum kann zu Skelettentwicklungsstörungen führen.

Diesen Punkt möchte ich wirklich betonen: Bei Welpen ist mehr Kalzium nicht besser – im Gegenteil. Gerade bei Welpenfutter für große Rassen sind die genaue Menge und das Verhältnis entscheidend.

🐈

Die Katze

Unterversorgung

Auch hier vor allem bei unausgewogenen selbstgemachten Rationen ohne ausreichende Kalziumquelle. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Hund: viel Fleisch, viel Phosphor, zu wenig Kalzium.

Katzen-Besonderheit: Phosphor & Nieren

Katzen neigen im Alter überdurchschnittlich häufig zu Nierenerkrankungen. Bei einer bestehenden Nierenerkrankung wird die Steuerung von Phosphor und Kalzium besonders heikel – eine zu hohe Phosphorzufuhr ist dann problematisch.

⚠️ Gerade das Phosphor-Nieren-Thema bei der Katze ist ein Bereich, in dem man wirklich individuell und idealerweise in Abstimmung mit dem Tierarzt vorgehen sollte.

Das große Ganze

Wenn wir einen Schritt zurücktreten, siehst du das Muster, das sich durch alle Tierarten zieht:

Es geht fast nie um die reine Menge an Kalzium.

Es geht um das Verhältnis – zu Phosphor, zu Magnesium – und darum, dass Vitamin D die Aufnahme überhaupt ermöglicht.

Die häufigste Ursache für Ungleichgewichte ist einseitige oder selbst zusammengestellte Fütterung ohne den Blick aufs Gesamtbild.

Ein kommerzielles Alleinfutter hat diese Verhältnisse in der Regel schon ausbalanciert. Sobald man aber selbst mischt, barft oder stark ergänzt, muss man das aktiv im Blick behalten.

Und die vielleicht wichtigste Botschaft: Mehr ist nicht automatisch besser. Gerade bei Kalzium kann ein Zuviel genauso Probleme machen wie ein Zuwenig.

Wenn du selbst fütterst – barfst, kochst oder Rationen zusammenstellst – und dir unsicher bist, ob deine Kalziumversorgung wirklich ausgewogen ist, dann lohnt sich ein genauer Blick. Genau dabei unterstütze ich dich in einer individuellen Futterberatung.

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