Folge #31 – Bioresonanz – hilft das wirklich? Ein Interview mit Tierheilpraktikerin Alexandra von Tresckow

⚠️ Eine ehrliche Einordnung vorab

Die Wirksamkeit der Bioresonanz ist wissenschaftlich nicht belegt. Kontrollierte Studien konnten bislang keine Wirkung nachweisen, die über einen Placeboeffekt hinausgeht. Auch die zugrunde liegende Annahme – dass Organe messbare Schwingungen abgeben, die ein Gerät auslesen und korrigieren kann – ist wissenschaftlich nicht bestätigt. Die Bioresonanz zählt zu den alternativmedizinischen Verfahren und ist kein anerkanntes Diagnoseverfahren.

Ich veröffentliche dieses Interview trotzdem – weil viele Tierhalter:innen mit dem Thema in Berührung kommen und es mir wichtig ist, dass ihr euch selbst ein Bild machen könnt. Ich möchte nur, dass ihr das mit dieser Information im Hinterkopf tut.

Ganz besonders wichtig: Eine Bioresonanz-Analyse ersetzt niemals die tierärztliche Diagnostik. Bei akuten Beschwerden, ungeklärten Symptomen oder Verdacht auf Erkrankungen gehört dein Tier zum Tierarzt. Und was auch immer bei einer solchen Analyse herauskommt: Setze bitte keine tierärztlich verordnete Behandlung daraufhin ab.

Fürs Protokoll: Ich arbeite in meiner Futterberatung nicht mit Bioresonanz. Meine Empfehlungen basieren auf Rationsberechnung, Bedarfswerten und – wo möglich – auf Laboranalysen.

Ein Gespräch über Ursachenforschung, Fütterung und Bauchgefühl.

Zu Gast in dieser Folge

Alexandra von Tresckow, Tierheilpraktikerin

Alexandra ist seit Kindertagen mit Tieren aufgewachsen und hat sich immer für die Zusammenhänge im Körper interessiert – vor allem für die Biomechanik. Der Wunsch, tiefer zu verstehen, hat sie schließlich zur Ausbildung als Tierheilpraktikerin geführt. Sie arbeitet hauptsächlich mit Pferden und Hunden. Auf ihrem Hof in Hamm bei Münster bietet sie außerdem einen Reha-Stall an.

Wie erklärst du Bioresonanz jemandem, der zum ersten Mal davon hört?

Alexandra

Es ist eine nichtinvasive Methode, um Disharmonien im Körper festzustellen. Auf energetischer Basis nehme ich Schwingungen auf. Das Gerät hat – so beschreibe ich es immer – gesunde Schwingungen eingespielt, weil jedes Organ und alles, was in unserem Körper ist, eine bestimmte Schwingung hat.

Diese wird mit dem Organismus abgeglichen. Es wird abgefragt, ob der Organismus in derselben Schwingung mitschwingen möchte – oder ob er dagegen schwingt. Daran erkennt man, ob sich dort eine Störung auf energetischer Basis befindet.

Was bekommst du vom Tier, um testen zu können?

Alexandra

Es gibt mehrere Wege. Ich habe das kleine Gerät, weil ich damit auch in den Stall gehen und direkt vor Ort testen kann. Dafür lasse ich mir Haare und Speichel geben.

Es gibt aber auch ein großes Gerät, an das man die Tiere direkt anschließt – da wird quasi eine Art EKG geschrieben. Bei Pferden ist das schwieriger: Weil der Herzschlag so niedrig ist, dauert die Testung deutlich länger. Ein Hund ist damit in etwa 20 Minuten durch.

Der Kunde kann bis zu zehn eigene Proben mitgeben, die ich mit abteste – zum Beispiel Futtermittel, Kauartikel oder auch Waschmittel. Daran denken die wenigsten: Da kommt dann ein Tuch in den Trockner, damit sich nichts statisch auflädt – und darin sind vielleicht Weichspüler oder Duftstoffe, die das Tier nicht verträgt.

Was sollte man verstehen, bevor man so eine Analyse macht?

Alexandra

Dass das nicht mal eben getestet ist. Wenn man wirklich alle Bereiche abtesten will, ist man vier Stunden beschäftigt – je nachdem, wie viele Auffälligkeiten sich zeigen. Danach muss ich mich hinsetzen und die Zusammenhänge zusammenfassen, um zu schauen: Wo kommt das eigentliche Problem her?

Was kann Bioresonanz nicht leisten?

Alexandra

Wunder.

Viele Kunden erwarten, dass chronische Zustände schnell wieder geregelt sind. Aber die meisten Krankheiten haben sich langsam in den Organismus eingeschlichen – und können auch nur langsam wieder ausgeleitet werden. Es ist ein längerfristiger Weg.

Es ist nicht so, dass man sofort ein Ergebnis bekommt, dann wird das und das verordnet, und der Hund ist wieder gesund. Das funktioniert nicht.

Wann Alexandra ausdrücklich zum Tierarzt verweist

„Wenn ich ein Pferd mit akutem Husten dastehen habe, mit einem schlimmen allergischen Schock oder wirklich akuten Notfällen – die würde ich immer sofort an den Tierarzt verweisen. Und dann kann man begleitend arbeiten, aber das muss erst notfallmäßig behandelt werden.“

Welche Rolle spielt die Fütterung?

Und damit sind wir bei meinem eigentlichen Schwerpunkt. Denn hier deckten sich Alexandras Beobachtungen ziemlich genau mit dem, was ich in meiner Futterberatung ständig sehe.

Alexandra

Eine große Rolle. Man hat heutzutage wirklich mit sehr vielen Unverträglichkeiten zu tun. Bei den Pferden sehe ich sehr viele Störungen im Säure-Basen-Haushalt.

Und das kommt daher, dass nicht richtig gefüttert wird. Wenn ich an die ganzen langen Fresspausen denke – dass die Pferde dann übersäuert sind, bleibt nicht aus. Häufig wird das Kraftfutter einfach Pi mal Daumen reingeschmissen, ohne dass jemand weiß: Was füttere ich da überhaupt? Braucht mein Pferd das?

Claudia

Das spiegelt exakt meine Erfahrung. Wenn ich eine Ration auf den Tisch bekomme und überprüfe, was aktuell gefüttert wird, sehe ich immer wieder: Werbeversprechen sind ein ganz großes Thema. Die Leute machen hier eine Kur und da eine Kur, weil sich das alles gut angehört hat und die Werbung gesagt hat, das braucht mein Pferd jetzt.

Genau wie beim Fellwechsel: „Da braucht es Doppel- und Dreifachunterstützung.“ Und ich denke: Der Fellwechsel ist doch schon vorbei. Die Haare haben sich vor sieben Monaten gebildet. Jetzt zu unterstützen ist rausgeschmissenes Geld. Und wenn du dein Pferd das ganze Jahr über vernünftig füttern würdest, bräuchtest du das erst recht nicht.

Selen ist ein gutes Beispiel: Man kann sein Pferd damit auch schnell vergiften. Da denkt kaum jemand drüber nach.

Alexandra

Genau. Bei uns hat die Heuanalyse dieses Jahr ergeben, dass wahnsinnig viel Selen im Heu war. Sämtliche Zusatz- oder Mineralfutter mit Selen wären dann fast schon Richtung Vergiftung gegangen. Ich war sehr froh, dass wir es mitgetestet hatten und entsprechend gegensteuern konnten.

Eine Vergiftung merkst du ja nicht sofort – die ist schleichend, die Symptome kommen erst später.

Worüber wir uns beide einig waren

  • Lange Fresspausen führen zu Übersäuerung – das ist beim Pferd hausgemacht.
  • Kuren „auf Verdacht“ – Zink, Selen, Fellwechselunterstützung – ohne zu wissen, ob überhaupt ein Mangel besteht: rausgeschmissenes Geld. Und im Fall von Selen sogar riskant.
  • Die Heuanalyse ist das Werkzeug, um das zu vermeiden. Nur wer weiß, was schon im Heu steckt, kann sinnvoll ergänzen.
  • Konservierungs- und Farbstoffe in flüssigen Ergänzungen (Säfte, Tinkturen) können selbst Unverträglichkeiten auslösen. Alexandras Empfehlung: lieber ein paar vernünftige Kräuter geben. Natürlicher, und oft mit besserem Effekt.
  • Bei Unverträglichkeiten: bei einer Eiweißquelle bleiben. Dann hat man das Problem nicht.

Was wünschst du dir von Tierhalter:innen?

Alexandra

Mehr Bauchgefühl. Und dass sie einfach mal genauer hinschauen.

Das typische Beispiel: Du trabst ein Pferd an, es hustet – und der Reiter sagt: „Das ist normal, das macht es immer.“ Ich wünsche mir, dass sie eben nicht sagen: Das ist normal. Sondern: Das ist komisch, das hat es noch nie gezeigt. Ich beobachte das und schaue nochmal genauer hin.

Claudia

Das ist ein absolut toller Wunsch, und ich sage das auch immer: Hört auf euer Bauchgefühl. Wenn euch etwas komisch vorkommt, stellt es ruhig mal infrage. Der Besitzer kennt sein Tier am besten – und wir haben die Verantwortung, hinzuschauen: Was ist normal, was ist es nicht?

Und lasst euch von außen nicht verunsichern, sondern hört wirklich auf euer eigenes Gefühl.

Bauchgefühl ist immer der beste Ratgeber.

Eine Kundin von mir hatte genau das erlebt: Ihr Pferd wurde an den Zähnen untersucht, der Tierarzt sagte, alles passe und sei überhaupt nicht schlimm. Ein paar Tage später hatte sie immer noch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt – und rief einen zweiten Tierarzt. Der stellte tatsächlich eine Diagnose und zog einen Zahn, weil es gar nicht anders ging.

Genau darum geht es: nicht darauf zu verlassen, was einer gesagt hat, wenn das eigene Gefühl etwas anderes sagt.

Shownotes

Mein Gast:

  • Alexandra von Tresckow auf Instagram Tierheilpraktikerin und Westerntrainerin auf dem Pink Pony Hof in Hamm (bei Münster). Dort gibt es auch einen Reha-Stall mit tierheilpraktischer und physiotherapeutischer Betreuung.

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