Diesmal reden wir nicht über den Napf oder den Trog – sondern über den Kopf.
Wir sprechen hier normalerweise über Futter, Nährstoffe und das, was im Napf oder Trog landet. Aber was ist eigentlich mit dem, was in unserem Kopf passiert? Mit den Sorgen, den Zweifeln und dem Druck, den wir uns selbst machen?
Ich habe vor einiger Zeit selbst einen Tageskurs bei Regina gemacht – und ehrlich gesagt hat mich das mehr mitgenommen, als ich erwartet hatte. Nicht, weil es dramatisch war, sondern weil mir aufgefallen ist, wie viel wir als Tierbesitzer eigentlich mit uns herumtragen: Mach ich genug? Mach ich es richtig? Übersehe ich etwas? Bin ich gut genug? Genau das begegnet mir in meiner Arbeit ständig – hinter vielen Futterfragen steckt in Wahrheit eine ganze Menge Sorge.
Zu Gast in dieser Folge
Regina Horn-Karla – Mentalreiter
Regina ist Kommunikationstrainerin und Mentalcoach und begleitet seit über 20 Jahren Unternehmen und Einzelpersonen durch Entwicklungs- und Veränderungsprozesse. Sie ist selbst Reiterin – und hat gemerkt, dass es im Pferdebereich zwar unglaublich viel Wissen über Training und Gesundheit gibt, der Kopf des Menschen aber viel zu oft vergessen wird. 2014 hat sie ihr erstes Angebot für die Reiterwelt ins Leben gerufen.
Was macht man eigentlich im Mentaltraining? Ist das „einfach positiv denken“?
Ich nutze lieber das Wort Mentalcoaching – „Training“ klingt so techniklastig. Und mit positivem Denken hat es erstaunlich wenig zu tun, das ist nur ein winziger Teilaspekt. Unser Gehirn interessiert sich unter Stress nämlich nicht fürs Positivdenken, sondern vor allem für unsere Sicherheit – ein altes Steinzeitprogramm. Wenn wir verstehen, wie unser Gehirn funktioniert, können wir beeinflussen, wie wir gerade in schwierigen Situationen denken, fühlen und handeln.
Dir begegnet sicher auch diese große Sorge, dem Tier nicht gerecht zu werden. Wann wird aus gesunder Sorge zu viel?
Ständig. Gerade Menschen, die ihre Tiere sehr lieben, wollen bloß keinen Fehler machen. Das ist erstmal schön – problematisch wird es, wenn aus Verantwortung eine dauerhafte Unsicherheit wird.
✓ Gesunde Sorge
Hilft uns, gute Entscheidungen zu treffen – und zwar möglichst faktenbasiert.
! Ungesunde Sorge
Hält uns im Grübeln fest und nimmt uns das Vertrauen in die eigene Entscheidung. Oft gepaart mit Handeln aus Angst.
Das kennst du bestimmt aus deiner Futterberatung: Kunden, die eine ganze Apotheke mit Pulvern und Mitteln haben – einfach aus Angst, zu wenig zu tun. Wir wollen es richtig machen und die Kontrolle haben. Aber diese absolute Kontrolle gibt es beim Faktor Pferd nun mal nicht.
Das erlebe ich beim Futter genauso. Sehr häufig sind tausend Pülverchen und Zusätze vorhanden, die am Ende – wenn wir das vernünftig angehen – gar nicht nötig sind. Und da kommt oft noch die Ungeduld dazu.
Manche Dinge brauchen Zeit. Ein Futterplan muss erst im System des Pferdes ankommen – genauso wie neues Wissen erst im Kopf ankommen muss. Beides lässt sich nicht beschleunigen.
Was passiert mit dem Tier, wenn ich als Mensch ständig unter Anspannung stehe?
Pferde sind Meister darin, Körpersprache und feinste Veränderungen zu lesen – echte Emotionsleser. Sie nehmen sogar über den Geruch wahr, ob wir in negativem Stress sind. Interessant: Mit Sorge oder Mitleid können Pferde gar nichts anfangen. Es gibt Studien dazu, dass sensible Pferde dadurch eher verunsichert werden, weil sie diese Emotionen nicht eins zu eins übersetzen können. Deshalb ist es so wichtig, mit der eigenen Sorge gut umzugehen – und nicht jedes Gefühl mit ans Pferd zu tragen.
Wir übertragen sonst sehr viel Verantwortung aufs Tier – dass es uns mitreguliert.
Viele trauen ihren eigenen Entscheidungen nicht mehr – tausend Meinungen, jeder sagt was anderes. Wie kommt man da raus?
Unser Gehirn liebt Klarheit und arbeitet gern nach einem klaren Plan. Aber wir sammeln ständig Informationen – über Social Media geht das rasend schnell, jetzt kommt noch KI dazu. Wenn wir versuchen, jede Meinung zu berücksichtigen, entsteht irgendwann keine Sicherheit mehr, sondern Überforderung. Sicherheit entsteht nicht durch noch mehr Informationen, sondern dadurch, dass wir lernen, Informationen sinnvoll zu bewerten – und wieder Vertrauen in die eigene Entscheidung zu entwickeln.
Kann man in so einer meinungsstarken Welt überhaupt bei sich bleiben?
Ja – und das ist eine Fähigkeit, die man trainieren kann. Es bedeutet nicht, andere Meinungen komplett auszublenden. Es geht darum, sich Dinge anzuhören und trotzdem die Verantwortung für die eigene Entscheidung zu übernehmen. Ein gutes Fundament aus Wissen und innerer Stärke – damit ich mich traue, auch mal eine Meinung dankend liegen zu lassen.
Ein Wort zu Social Media und „Experten“
Social Media triggert einen natürlichen Mechanismus: den sozialen Vergleich. Wir vergleichen unseren Alltag mit den Highlight-Momenten anderer – das verzerrt die Wahrnehmung und lässt uns glauben, wir seien nicht genug. Und man muss aufpassen: Reichweite ist nicht dasselbe wie Fachkompetenz. Wer sehr viele Follower hat, ist oft vor allem ein Profi darin, Social Media einzusetzen – das heißt nicht automatisch, dass die fachliche Expertise im Thema genauso groß ist. Schau also zweimal hin, wem du folgst: Hat diese Person wirklich am Tier gearbeitet und Erfahrung gesammelt?
Das sehe ich auch immer wieder. Ich kenne so viele tolle Kolleginnen und Kollegen, die fachlich absolut fundiert sind, aber keine riesige Reichweite haben – mühsam aufgebaute ein paar Tausend oder sogar unter tausend Follower, aber fachlich tipptopp. Und dann gibt es die Großen, die zum Teil fachlich Fragwürdiges erzählen. Das ist wirklich schade.
Ich bin da oldschool: Mund-zu-Mund-Empfehlung ist die beste Werbung. Frag jemanden, der es gut im Griff hat: Wo hast du das gelernt, wo hast du dein Wissen her? Du wirst dich wundern, wie selten die Antwort „von Influencer XY“ lautet.
Woher kommt eigentlich dieser Perfektionsanspruch?
Meist spielt beides eine Rolle – Erwartungen von außen und das, was unser Gehirn daraus macht. Perfektionismus ist selten das eigentliche Problem. Dahinter steckt oft der Wunsch nach Kontrolle oder die Angst, Fehler zu machen. Das Gehirn glaubt: Wenn wir alles perfekt machen, sind wir sicher. Aber das funktioniert nicht – und der Preis ist fast immer zu hoch.
Mein Spruch ist immer: Nutzen vor Perfektion.
Den kenne ich gut – den durfte ich in meinem Business-Alltag auch lernen. Man hat so viele Ideen und kann sie nicht sofort perfekt umsetzen. Aber dann ist es besser, man setzt sie überhaupt um als gar nicht. Beim Füttern ist es genauso: Manchmal ist es besser, den ersten Schritt zu gehen, als vor lauter Perfektionsanspruch gar nicht anzufangen.
Verantwortung heißt eben nicht, es perfekt zu machen – sondern mit dem Wissen, das wir heute haben, die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Und da hilft der Austausch mit einem Experten, der emotional nicht mit drinsteckt. Viele sagen: „Ich rede mit meiner besten Freundin.“ Aber die sieht es oft genauso wie du – und sagt dir gern, was ein besseres Gefühl gibt, nicht immer die objektiven Fakten. Geh raus aus deiner Bubble.
Reginas konkrete Werkzeuge
Was ich an dem Gespräch besonders mochte: Regina bleibt nicht abstrakt, sondern gibt handfeste Werkzeuge mit. Drei davon, die du sofort ausprobieren kannst:
WERKZEUG 1
Stift und Papier – Kopf sortieren
Wenn sich alles im Kreis dreht: wirklich Stift und Papier zur Hand nehmen (nicht Handy, nicht Tablet). Aufschreiben: Was sind für mich Fakten, die mir Sicherheit geben? Was sind meine konkreten Unsicherheitsfaktoren? Welche Ideen habe ich – und wen könnte ich konkret ansprechen? Diese Schriftlichkeit bringt Ruhe ins System und sortiert das Durcheinander im Kopf.
WERKZEUG 2
Zeitetappen setzen statt endlos grübeln
Unser Kopf gerät in Stress, wenn wir „in die Unendlichkeit“ denken – dann werden wir ungeduldig und wollen es sofort gelöst haben. Besser: dem Thema einen festen Termin geben.
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1
Frag den Experten: Wie lange darf ich warten, bis ich mit ersten Effekten rechnen kann? (Bei einer Futterberatung oft realistisch: vier bis sechs Wochen.)
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2
Trag dir genau dieses Zeitfenster fest in den Kalender ein. Das gibt dem Thema einen klaren Rahmen, damit es nicht ständig im Kopf querschießt.
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3
Bis dahin nur beobachten – möglichst objektiv und gerne schriftlich. Zum Beispiel eine Energieskala von 0 bis 10, oder simpel: Futter gefressen / nicht gefressen / nur mit Tricks gefressen. Ohne zu interpretieren.
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4
Am eingetragenen Termin alle Beobachtungen zusammen anschauen – jetzt darf auch das Bauchgefühl mit rein – und dann wieder in den Austausch gehen.
Warum das so wichtig ist: Habe ich einen schlechten Tag, bewerte ich alles an meinem Tier negativer – an einem guten Tag optimistischer. Das ist die selektive Wahrnehmung, ein neurowissenschaftlich belegter Filter im Gehirn. Wenn ich jeden Tag neu bewerte, mache ich mich selbst unsicher und fange an, aus Angst und Ungeduld Pläne umzuwerfen – und dann gibt es keinen Erfolg.
Das ist so spannend – und war gar nicht abgesprochen! Genau das mache ich in der Beratung auch: Ich leite die Leute an, was sie beobachten sollen, und wir machen daraus das Feintuning fürs Tier. Diese klaren Anzeichen geben den Menschen die Sicherheit zu erkennen, ob es in die richtige Richtung geht.
WERKZEUG 3
Die drei Fragen: Tatsache oder Geschichte?
Wenn sich im Kopf alles im Kreis dreht, stell dir schriftlich diese drei Fragen:
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1
Was weiß ich aktuell sicher? Was funktioniert, was funktioniert nicht?
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2
Was vermute ich nur? Was ist Interpretation, Unterstellung, Spekulation?
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3
Was brauche ich jetzt wirklich, um für mich Sicherheit zu haben und den Weg weiterzugehen?
Der Kern dieser Übung: trennen, ob gerade eine Tatsache vorliegt – oder ob mein Gehirn mir eine Geschichte erzählt.
Was ist der häufigste Denkfehler, den du bei Reitern und Tierbesitzern siehst?
Der Glaube, absolute Sicherheit und Kontrolle haben zu müssen. Die gibt es im Leben nicht – und im Zusammenhang mit Pferd oder Hund schon gar nicht. Der erste Schritt ist, dem eigenen Gedanken „ich brauche die absolute Kontrolle“ nicht sofort zu glauben. Unser Gehirn produziert ständig Bewertungen und Vorhersagen, die zu Unsicherheit oder Angst führen – aber das sind keine Fakten.
Angst ist erstmal nur ein Vorschlag deines Gehirns. Nichts weiter. Und du entscheidest, ob du da eintauchst oder nicht.
Reginas Angebot: der Kurs „Angstfrei reiten“
Der Kurs ist aus meiner täglichen Arbeit mit Reiterinnen und Reitern entstanden – rund um Ängste, Selbstzweifel und Unsicherheiten. Er ist sehr strukturiert und geht die Ursachen an, statt nur die Symptome zu bekämpfen. In der ersten Woche verstehen wir, was bei Angst und Stress im Kopf und Körper passiert. In der zweiten geht es um konkrete mentale Techniken – Atmung, Visualisierung, Selbstvertrauen im Sattel. Die dritte wird ganz praktisch (Grusel-Ecken, Schreckmomente, Unsicherheit im Gelände), und die vierte widmet sich dem Reiterkopf und dem eigenen Selbstbild. Begleitet wird das Ganze von Expertinnen aus Pferdehaltung, Sitzschulung und Körperarbeit.
Ehrlich gesagt ist der Kurs nichts für Menschen, die eine schnelle Lösung ohne eigenes Mitmachen suchen. Veränderung braucht Übung – ich gebe Wissen und Werkzeuge, aber den Weg musst du selbst gehen. Allein bist du dabei nicht: Bei jedem Kurs bin ich persönliche Ansprechpartnerin, weil mir das Ergebnis wichtig ist. Oft reichen 20 Minuten am Tag, und nicht mal täglich.
Mein Fazit
Was mich an diesem Gespräch so berührt hat: Wir reden hier normalerweise über Nährstoffe, Rationen, das Messbare. Und trotzdem hängt so viel davon ab, wie wir uns selbst dabei fühlen – wie viel Druck wir uns machen und wie sehr wir uns selbst vertrauen. Vielleicht ist das ja auch eine Art Fütterung, nur eben für den Kopf.
Nicht noch mehr Meinungen – sondern ein Plan, der zu dir passt.
Wenn du bei der Fütterung genau das suchst – Klarheit und Unterstützung statt noch mehr Verunsicherung –, dann schau gerne bei mir vorbei. Ein kostenloses Kennenlerngespräch ist ganz unverbindlich.
Shownotes
Mein Gast – Regina Horn-Karla (Mentalreiter):
- → mentalreiter.de – Website Live-Seminare, Online-Kurse (u. a. „Angstfrei reiten“, „Entspannt ans Pferd“) und Einzelcoachings. Tipp von Regina: für den kostenlosen Newsletter registrieren – alle 6–8 Wochen Impulse rund um mentale Stärke.
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- → Mehr zu Regina & ihrem Mentaltraining
Wenn du bei der Fütterung Klarheit suchst:
- → Kostenloses Kennenlerngespräch Kein „noch mehr Meinungen“, sondern ein Plan, der zu dir und deinem Tier passt. Ganz unverbindlich.
- → Kostenlose E-Mail-Serie „Achtsam Füttern“ In 5 Tagen herausfinden, ob das Futter zu deinem Tier passt.
- → Alle kostenlosen Helfer auf einen Blick
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