Und heute geht es ein Thema, das für viele Tierhalter schwer ist und auch ein Stück weit verdrängt wird. Und gleichzeitig eines der wichtigsten ist, wenn wir mit Tieren leben, der Abschied. Ich habe heute einen ganz besonderen Gast bei mir und ich freue mich sehr auf dieses Gespräch, weil es ein Thema ist, das so viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Bei mir ist Angelika viel. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Sterbebegleitung von Tieren und hat dazu auch einen Online-Kurs entwickelt, in dem sie Tierhalter genau durch diesen Prozess begleitet. Liebe Angelika, schön, dass du da bist. Magst uns einmal mitnehmen? Wie bist du zu diesem Thema gekommen? Gab es einen Moment oder ein Tier, das dich besonders geprägt hat? Und was hat dich dazu bewegt, dich so intensiv mit einem so schweren Thema wie Sterbebegleitung zu beschäftigen?
Angelika :
Vielen Dank erst mal Claudia für diese schöne Anmoderation und so schön, dass ich hier sein darf. Also ich bedanke mich dafür ganz herzlich bei dir. ich habe seit meiner Kindheit Tiere und dadurch habe ich bei vielen eigenen Tieren alle Phasen des Lebens kennengelernt und natürlich auch des Sterbens und dann auch den Tod. und ich habe dabei festgestellt, dass jedes Tier auf seine ganz eigene Art und Weise geht, erstmal lebt, aber dann auch geht, und dass es mich auch jedes Mal anders beschäftigt hat. Ich habe während der Zeit viele Tierärzte kennengelernt von ihnen auch manchen wirklich weisen Hinweis erhalten, worauf ich achten darf und wie sie auch immer die Lage von meinem Tier im jeweiligen Moment einschätzen.
Und jetzt später als Tierhaltpraktikerin habe ich festgestellt, dass viele Tierhalter wirklich ähnliche Gedanken, Sorgen und Nöte haben, wie ich die durchaus ja auch immer wieder gehabt habe. dadurch kam jetzt dieser Wunsch in mir auf, anderen Menschen eine Orientierung während der Zeit zu geben, also oder für diese Zeit.
Claudia:
Ja, ich habe das Gefühl, dass viele Tierhalter sich mit diesem Thema erst sehr, spät beschäftigen. Nämlich dann, wenn es eigentlich schon sehr akut ist. ich weiß nicht, wie erlebst du das in deiner Arbeit und warum ist es vielleicht aus deiner Sicht wichtig, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen?
Angelika:
Ja, das sehe ich auch so. Viele Tierhalter kommen zu mir wirklich erst, weil das Tier schwer krank ist oder sich schon in dieser letzten Phase eigentlich befindet. Und möchten gerne eine Alternative zu den bisher erlebten Therapie Wegen nochmal für ihr Tier finden und erhoffen sich tatsächlich auch eine Heilung nochmal. Und dann gibt es solche, die mehr oder weniger schon selbstverständlich ist, dass das Tier jetzt tatsächlich sterben wird in kürzerer Zeit.
Sie möchten gerne wissen, wie Sie Ihr Tier jetzt optimal unterstützen können.
Claudia:
Okay, und wenn wir jetzt von Sterbebegleitung sprechen, was bedeutet das konkret im Alltag mit dem Tier? Woran erkenne ich überhaupt, dass mein Tier langsam in diese Phase kommt?
Angelika:
Ja, also da ist jetzt eben das Problem, dass man nicht so genau sagen kann, wie lang diese Phase eigentlich ist. es gibt Tiere, die treten in diesen Prozess mehr oder weniger deutlich schon Monate ein, bevor sie tatsächlich sterben. Und bei manchen ist diese Zeitspanne wesentlich kürzer. durch irgendeine akute Erkrankung, durch einen Unfall oder sonst wie, dass auf einmal dieser Sterbeprozess deutlicher wird. Meistens nimmt man das an mehreren Verhaltsveränderungen gleichzeitig wahr. Deutlich ist eigentlich oder am deutlichsten ist es, dass sich das Tier relativ viel und lange aus dem Alltagsleben zurückzieht. Also es nimmt einfach nicht mehr so aktiv am Leben teil und zeigt viele nicht mehr so deutlich. Also Freude wird oft nicht mehr so deutlich gezeigt, Hunger nicht mehr so deutlich und man stellt irgendwie fest, dass das Tier in sich gekehrter ist.
Das kann auch bei jeder üblichen Erkrankung, von der sich das Tier innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen wieder vollständig erholt, genauso sein. da ist das dann so, dass das einfach nicht mehr vorkommt. Tier kommt nicht mehr auf Vitalitätslevel, das es vorher hatte.
Also auch nach Wochen nicht. je nachdem muss ich ganz viel dafür tun, dass das Tier nicht jeden Tag im Prinzip sich mehr zurückzieht oder einfach immer weniger am Leben teilnimmt.
Claudia:
Ich verstehe.
Angelika:
Wobei manche auch extrem kuschelig werden, ganz viel Nähe suchen. Aber das sind die, die es vorher meistens so nicht gezeigt haben. Und das fällt den meisten Tierhaltern tatsächlich deutlich auf. Also wo sie sagen, der ist auf einmal so anders. Und gleichzeitig sehe ich, dass der wesentlich weniger am Alltagsleben teilnimmt.
Claudia:
stimmt. Und warum ist es jetzt noch mal noch einen Schritt zurückzugehen, so wichtig, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen und nicht erst, wenn man das quasi bemerkt oder wenn man weiß, es könnte alterstechnisch schon jetzt bald langsam so weit sein.
Angelika:
Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen sich gerne auf solche großen Dinge vorbereiten. Auch wenn das Thema erstmal uns bedrohlich erscheint oder wir es eigentlich vermeiden wollen, so ist es trotzdem für die allermeisten Menschen ein Segen, wenn sie es vorher getan haben. Weil in dem Augenblick wo jetzt diese Phase eintritt, wo ich entweder jetzt deutliche Symptome feststelle oder der Tierarzt eine Diagnose gestellt hat, die darauf hindeutet, dass das Tier wirklich nicht mehr lange leben wird, gibt es erfahrungsgemäß einen unendlichen Gefühlscocktail in den Menschen. Also ganz viele Gedanken gehen gleichzeitig durch den Kopf. Dann gibt es die Gefühle, meinetwegen auch wirklich der Überforderung. Das Tier möchte man im Auge behalten, dazu möchte man aber auch sich noch mit vielen Fragen je nachdem auseinandersetzen, welche Therapien jetzt noch angesagt sind, ob es noch Alternativen gibt und so weiter. Und all das ist oft so belastend, dass man das dann nicht gut entscheiden kann. Und je nachdem einfach nur das nimmt, was gerade am häufigsten vorgeschlagen wird oder was gerade am einfachsten ist.
Aber ich denke, jemand sich vorher ein bisschen, also einfach, ich sage es mal zwei Jahre vorher vielleicht, damit schon mal auseinandergesetzt hätte, welche Bestattungsmöglichkeiten überhaupt in Frage kommen für einen selber, jetzt also was man generell vertreten kann für sich und was man auch, meinetwegen, bezahlen kann, was man leisten kann – das unendlich entlastend, dass man das nicht alles dann innerhalb von ein paar Tagen in sich klären muss.
Claudia:
Ja, verstehe. Viele haben ja auch große Angst grundsätzlich irgendwas falsch zu machen oder einen Zeitpunkt zu verpassen. Was würdest du den Tierhaltern hiermit geben?
Angelika:
Ja, also mit dem Falschmachen, ist halt so eine Einschätzung. Also ich würde sagen, man macht es ja nicht falsch. Jeder, der sich jetzt überhaupt mit dem Thema beschäftigt, macht sich sehr viele Gedanken. schätzt sich selber wahrscheinlich manchmal schon auch sehr gut ein. aber hat vor allen Dingen das Augenmerk auf das Tier. ich denke, man oft Entscheidungen, die man früher mal getroffen hat, zum Beispiel ein Tier einschläfern zu lassen oder wie man es beerdigt hat, dass man diese Fragen immer wieder durchaus in Frage stellt, je nachdem, mit wem man dann später mal darüber spricht. Aber ich glaube, man darf immer wieder im Auge behalten, dass man zu dem Zeitpunkt, wo man diese Entscheidung getroffen hat, es einfach nicht besser wusste oder nicht besser konnte. vielleicht weil man einfach nicht mehr Geld hatte. Man hat so gewohnt, wie man gewohnt hat. Und da war einfach nichts anderes möglich. Das darf man sich, glaube ich, immer wieder sagen und dann auch Frieden damit finden, dass es damals so gewesen ist. die Sorge, jetzt zum Beispiel im Augenblick wieder etwas falsch zu machen, dazu gehören eigentlich Aspekte von dieser Frage. Auf der einen Seite vielleicht ob jetzt in dem Augenblick mich dafür entscheide oder mein Tier zu einer neuen Therapeutin oder zu einem neuen Tierarzt mitnehme, damit es eine neue Behandlung bekommen kann, wodurch es vielleicht ja auch tatsächlich wieder gesund wird. Das ist ja eine Entscheidung, die ja auch oft im Raum steht, mehr oder weniger, ob ich immer wieder neue Wege suche, das Tier zu heilen und oder ob ich irgendwann ja auch sage, das tut meinem Tier nicht mehr gut oder ich kann das einfach nicht mehr emotional oder finanziell leisten. Und deswegen behandle ich jetzt nur noch. Also ich sorge dafür, dass das Tier so gut wie möglich den Rest seines Lebens jetzt noch erleben kann. Aber ich werde nicht mehr alles dran setzen, dass es noch verschiedene Behandlungsformen mitmacht .Dann ist auf der anderen Seite immer auch die Frage, wie viel fordere ich jetzt von dem Tier eigentlich noch? Also wenn ein Tier sehr krank da liegt, aber es kann sich ab und zu bewegen, kann ich mich immer wieder fragen, will ich es jetzt tatsächlich direkt an, ich gehe jetzt mal von einem Hund oder von einer Katze aus, gehe ich da mit dem Futternapf direkt hin, damit es nicht aufstehen muss? ganz bequem fressen zu können oder sage ich nein ich möchte dass es so viel Eigeninitiative tatsächlich so lang wie möglich beibehält oder sich ein bisschen auch abbringt indem ich den Napf genau da stehen lasse wo er immer steht das ist auch eine Sache die vielen Leuten
ja schon viel abverlangt, dass in einer Phase, wo ein Tier schwer krank ist, dass man sich das ja durchaus jeden Tag neu fragt. Also wie viel darf und sollte ich dem Tier jetzt noch zumuten? Und dann kommt natürlich die die dritte und die natürlich endgültigste Frage nach der Euthanasie. Ob ich der ob ich jetzt also der Meinung bin, also ob ich das innerlich wirklich vertreten kann, wenn mein Tier jetzt eingeschlefert wird. auch da kann man das leider nicht allgemein sagen, wann der richtige Zeitpunkt ist. Das muss einfach passen. Also der Tierarzt macht das ja sowieso von sich aus gar nicht immer. Also er muss ja für sich einen nachvollziehbaren Grund auch darin sehen. Er muss ja das Tier aus seiner ethischen Auffassung her alleine schon immer so lange begleiten, bis er der festen Überzeugung ist, dass dem Tier mehr Leiden zugefügt wird, als dass es jetzt noch eine Linderung bekommt, wenn es weiter behandelt wird. Und nur dann stimmt ja Also ein Tierarzt normalerweise dem einschliefern zu. Aber das Fragen, die die Menschen schwer beschäftigen und auch den Tierarzt manchmal vor große Fragestellungen stellen. Vor allen Dingen, wenn jetzt zum Beispiel ein Tierhalter einfach eine weitere Behandlung vom Tier nicht bezahlen kann.
Aber ich glaube, ich bin jetzt etwas abgeschweift.
Claudia
Ja, das waren ganz schön viele Punkte auf einmal. Vielleicht sortieren wir es nochmal so bisschen nacheinander, weil da echt viel drin war. Vielleicht nochmal zurück. Also gibt es Anzeichen oder Orientierungspunkte, die vielleicht auch helfen können, so eine Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt besser greifen zu können? Was würdest du da als Tipp geben? eher aufs Bauchgefühl hören oder das versuchen, irgendwie rational mit dem Tierarzt zu klären oder irgendwie eine Kombination aus beidem.
Angelika:
Also ich glaube, eine Kombination aus beiden ist für die allermeisten Menschen das damit sie auch hinterher sich selber immer wieder erklären können, warum sie es gemacht haben. Diejenigen, die aus dem Bauch heraus ganz klar dass für ihr Tier jetzt der Zeitpunkt da ist, jetzt meinetwegen nur noch palliativ behandelt zu werden, also wo Sie genau wissen, dass das Tier keine weiteren Alternativen haben möchte, sondern einfach in Ruhe sterben Für die ist das Folgen aus diesem Bauchgefühl genau richtig und genauso auch, wenn Sie dann
entscheiden, würden ihr Tier einschläfern lassen, weil es eben einen Unfall hatte da keine, ja, also so gut wie keine Chancen besteht, dass das Tier sich je wieder erholt und auch ein mehr oder weniger artgerechtes Leben danach wieder führen Aber diejenigen, sehr
verunsichert sind und je nachdem auch ein sehr kritisches Umfeld haben, für die ist es wahrscheinlich schon sehr sehr wichtig, sich mit dem Tierarzt oder anderen Vertrauenspersonen auszutauschen und sich da beraten zu lassen, wie diese anderen die Situation gerade einschätzen.
Claudia:
Ich denke auch, dass es sehr an der Situation selber hängt. Ich glaube, wenn du das Tier schon eine ganze Zeit begleitest und siehst, dass es leidet und du willst es irgendwie erlösen, dann hast du vielleicht irgendwann den Punkt, an dem dein Bauchgefühl sagt, ja. Aber es gibt ja natürlich auch die, wo es wirklich plötzlich akut wird, die gar keine Chance haben, vorher irgendwie mit dem Gedanken auseinanderzusetzen. Und dann …da aufs Bauchgefühl zu hören, was ist dann natürlich schwierig, wenn man die Situation so akut, so schlimm erlebt.
Angelika:
Genau. Genau. Und deswegen überhaupt meine mich mit diesem Thema so ausführlich zu beschäftigen. Also ich habe das ja erst mal für meine eigenen Tiere angefangen und auch für mich selbst und habe dabei festgestellt, dass es so wichtig sein kann, auch für andere Menschen, sich dem Thema vorher schon mal zu nähern, damit man eben nicht so völlig überfordert ist, wenn das Sterben auf einmal viel schneller kommt, also viel früher und auch viel schneller als man das erwartet hat, dass man vielleicht nur Tage oder Stunden hat, Abschied zu nehmen oder es vorzubereiten.
Claudia:
Ein ganz großes Thema, was du ja auch schon angesprochen hast, ist ja auch dann das Thema Schuldgefühle, was da eine große Rolle spielt. Egal in welche Richtung da Entscheidungen gehen. Hast du da einen Tipp, wie man damit umgehen kann?
Angelika:
Mh.
Ja, das hatte ich vorhin ja glaube ich schon mal angedeutet. ist darum geht sich immer wieder vorzustellen, dass man die Entscheidung, die man jetzt trifft, die trifft man auf der Grundlage von dem, was jetzt gerade da ist. So wie ich es jetzt beurteile, so wie ich jetzt
Energien zur Verfügung habe, wie gesund ich zum Beispiel selber auch gerade bin. Wenn ich einen Hexenschuss habe und mich nicht bewegen kann, kann ich ganz schlecht einen 30 Kilo Hund tragen. Also kann ich auch so schlecht, dann geht das noch schlechter. dann kommen einfach manche Dinge nicht in Frage, je nachdem auch in welcher Verfassung ich selber gerade bin, körperlich oder mental oder auch finanziell. Und das kann ja nach zwei oder drei Jahren anders sein, dann sind vielleicht auch die Therapien für die Tiere ganz andere, da wäre manches möglich, aber das kann man ja nicht verändern. Man ist ja immer jetzt im Augenblick mit dem Tier da, wo man gerade ist und man kann Entscheidungen immer nur aus dem Moment treffen. Und ich bin überzeugt davon, dass jeder der sich also mit dem Thema jetzt hier beschäftigt auch ansonsten mit seinem Tier eng verbunden immer die bestmögliche Möglichkeit sowieso schon für sein Tier sucht und dann aus dem Herzen heraus eine Entscheidung trifft. Und schöner kann man keine Entscheidung treffen.
Claudia:
Stimmt. Hast du einen Tipp, was hilft, genau in so einer Zeit bei sich zu bleiben und gleichzeitig für das Tier auch da sein zu können?
Angelika:
Ja, das mag sich vielleicht jetzt erstmal paradox anhören, aber das Wichtige ist wirklich auch immer wieder für sich selbst gut zu Wirklich die Gespräche mit Freunden zu suchen, ein Sport, den man bisher gemacht hat, tatsächlich auch nicht einfach liegen zu lassen für die Zeit. Also ich gehe jetzt mal davon aus, man hat ungefähr ein Vierteljahr, in dem das Tier jetzt sehr krank ist. Und ich sehe das immer wieder, dass die Menschen dann oft die Dinge zu tun, die ihnen selbst gut tun würden, weil sie immer für das Tier da sein wollen. Aber dafür ist auch ein Vierteljahr eine im Prinzip zu lange Zeitspanne schon.
Wir selbst brauchen, vor allen Dingen wenn wir die Tiere emotional und körperlich so viel begleiten, ganz viel gute Energie in uns, diese Kraft auch zu haben. es ist enorm wichtig, für sich selbst da zu sein und für sich selbst zu sorgen.
Ich bin der festen Überzeugung und ich sehe es auch immer wieder. Die Tiere glücklich und dankbar, wenn wir uns auch uns selber kümmern. Also je ausgeruhter, je zufriedener wir in uns sind, desto mehr können wir für unser Tier tatsächlich auch überhaupt da sein.
Claudia:
Und Ressource haben wir natürlich auch, diese trotzdem schwere Zeit dann zu überstehen. Also es bringt ja keinem was, wenn ich von vornherein keine Ressourcen habe, auf alles was dann danach kommt zu gehen.
Angelika:
Ja genau.
Claudia:
Was können wir konkret tun, unser Tier in so einer Phase gut zu begleiten? empfiehlst du da?
Angelika:
Ja, also ich denke mal, die Menschen, die jetzt also hier mit ihrem Tier so eng verbunden sind, dass sie viele Sachen an ihm wahrnehmen und zum Beispiel auch, ob das Tier mehr Nähe oder mehr Abstand eigentlich haben möchte und dem sollte man dann auch entsprechen, also ein Tier, was sich viel zurückzieht sollte man tatsächlich auch an diesem Ort nach Möglichkeit lassen oder es ihm immer wieder zugestehen, dass es dahin geht, wenn es vielleicht, auch wenn man selber dann etwas anders durch das Zimmer laufen muss. Einfach weil das Tier sich diesen Ort mit Sicherheit ganz bewusst ausgesucht hat. Wahrscheinlich ist es da leiser oder nicht so hell oder vielleicht geht da der Wind nicht zu. Also wir selber merken manchmal nicht, wo es in der Wohnung zieht, also oder in einem Zimmer. Aber die Tiere werden in dieser Phase immer empfänglicher dafür. dass die Sinneseindrücke sind oft deutlicher für die Tiere. Und deswegen ist es unheimlich wertvoll für die Tiere, wenn wir das respektieren, soweit das eben möglich ist. dass sie jetzt da liegen und nicht da, wo sie sonst eigentlich immer gelegen haben. Manche Tiere gehen dann auch nach draußen. Also zum Beispiel Freigängerkatzen, die kommen dann kaum noch rein für eine gewisse Zeit. Das wird manchmal etwas irritierend aufgefasst, weil man denkt, mag mich nicht mehr, aber damit hat es nichts zu tun. Das Tier zieht sich wirklich zurück, weil für seinen Körper, für die Prozesse, die da jetzt ablaufen, zum Beispiel mehr Luft braucht oder es einfach kühler haben will. Und deswegen geht es dann nach draußen. Das hat mit der Beziehung absolut nichts zu tun, es ist halt einfach damit zu tun, dass das Tier diesen natürlichen Prozess einfach folgt. meiner Meinung nach ist das alleine schon etwas, was das Tier sehr unterstützt, wenn man es dann nicht immer versucht. wieder genauso zu formen, wie es früher gelebt hat. Und auf der anderen Seite kann es sein, dass wenn ich also merke, dass mein Tier aber jetzt zum Beispiel viel unsicherer läuft, dass ich dann eben auch das Futter oder das Wasser wirklich in die Nähe von der Stelle bringe, wo das Tier sich jetzt hauptsächlich aufhält, damit es ich sage jetzt mal, unnötig lange oder überhaupt unnötige Wege gehen muss.
Und daneben kann man auch Farblicht arbeiten und zum Beispiel zweimal am Tag, das sein sollte, das Tier mit orangenem Licht bestrahlen, wenn es sehr viel in sich ruht, also wenn es sehr viel Abstand aufsucht. kann ich aus einer sicheren Entfernung das Tier zum Beispiel zweimal für 20 Minuten mit diesem orangenen Licht bestrahlen, was ihm ein Gefühl von Heimat vermittelt, einfach insgesamt ein schöneres Gefühl gibt. Oder mit blauem Licht bestrahlen, wenn ich merke, dass es Schmerzen hat und sehr verkrampft wirkt.
Aber dazu gibt es, also zu dieser Farblichttherapie gibt es demnächst auch auf meiner Homepage nochmal einen kleinen Hinweis.
Claudia:
Okay, sehr gut. Du hast ein Thema angesprochen, was ja auch gut grundsätzlich zu meinem Thema hier im Podcast passt, nämlich das Thema Futter. Das spielt ja oft auch eine große Rolle. Wie gehst du damit wenn Tiere weniger oder anders fressen? Was ist hier aus deiner Sicht wichtig?
Angelika:
Mhm.
Ja, wenn ich jetzt davon ausgehe und ich das jetzt auf den Sterbeprozess beziehe, dann ist es wichtig, dass am Anfang wirklich so ist, dass das Futter Welten verändern kann. Also je früher
Ich jetzt zum Beispiel vielleicht nochmal das Futter umstelle auf ein Futter, was wirklich für das Tier passt, dann kann das alles verändern, kann auch wirklich zur Heilung führen. Aber wenn ein Tier schon sehr weit fortgeschritten ist in dem Prozess, dann kommt es ja auch an den Punkt, wo es mit das Futter nicht mehr verarbeiten kann. wo der Körper mit dem Futter tatsächlich nichts mehr anfangen kann. dann hören sie meistens auf, in dem normalen Rhythmus zu fressen. Sie werden extrem häkelig dann oft dabei. die Mengen sind deutlich reduziert. Und oft werden auch Mahlzeiten ausgelassen.
Das kann jetzt natürlich auch immer bei schwereren Erkrankungen der Fall sein, aber es ist schon auch typisch für diese letzte Lebensphase. da ist das dann mit dem Futter nicht mehr so wichtig, weil es ja leider sowieso nicht mehr wirklich richtig umgesetzt wird vom Körper.
Da hat man auch oft den Eindruck, dass es eher ein Ritual geht, dass das Tier einfach noch seine Verbundenheit in seinem Maße, was ihm jetzt gerade möglich ist, zum Ausdruck bringt, indem es zum Napf geht, aber es frisst dann da gar nicht.
Claudia:
Ich sage auch, ich bin ja ein großer Verfechter dafür, bedarfsorientiert zu füttern und ich glaube auch, dass man, wenn man dem Körper viele Nährstoffe gibt, die der Körper braucht, auch in dem passenden dass das in der Gesunderhaltung weitestgehend beiträgt. Aber wenn es natürlich irgendwann in einer Phase ist, in der es die Nährstoffe nicht mehr umsetzen kann, dann bringt das nichts und dann sag ich auch ganz ehrlich
gibt deinem Tier das, was es gerne haben möchte und was es noch annehmen kann, es für euch, also noch eine gute Zeit zu haben einfach. Und da muss man gucken, dass man das Xte Pülverchen noch in das Tier reinbekommt, was am Ende, wie du schon sagst, wahrscheinlich gar nicht mehr verwertet werden kann.
Angelika:
Mhm, genau.
Ja, so sehe ich das auch.
Claudia:
Ja, über diesen richtigen Zeitpunkt finden, wir ja vorhin schon gesprochen. Das ist sehr individuell. Vielleicht magst du noch mal sagen, wie kann man sich dieser Entscheidung annähern, ohne sich komplett zu verlieren?
Angelika:
das jetzt allgemein ganz schlecht zu sagen. Also ich es ist wirklich wichtig, dass man versucht, nicht aus Angst zu entscheiden. Also nicht versucht, etwas zu vermeiden. Mir fällt jetzt dazu ein, zum Beispiel das Tier einschläfern zu lassen, bevor es irgendwelche Symptome mal bekommen wird. Also das wäre jetzt noch so eine Vermeidungsstrategie. Da würde ich sagen, ja, dazu ist man manchmal versucht in manchen Situationen, je nachdem welches Gespräch man gerade geführt hat, aber da ist es wichtig, wieder erstmal Abstand zu gewinnen. Solange das Tier jetzt da nicht ist, immer wieder Abstand nehmen und zu gucken, was man in sich selber gerade fühlt, also wie man das Tier wahrnimmt, wenn man es jetzt so sieht, wie viel Lebenswillen es nach außen hin jetzt zeigt und was ich auch in mir wahrnehme. wie das Tier jetzt sich selber sieht. Also was ihm wichtig ist und was ihm jetzt eigentlich gar nicht mehr wichtig ist. dass man auch tatsächlich zur Not jeden Tag aufs Neue entscheidet, wie man einfach heute den Tag mit dem Tier verleben will. Immer wieder aufs Neue. Und je mehr man, je häufiger man das trainiert, desto einfacher wird das, glaube ich.
Claudia:
wenn man Zeit hat jeden Tag zu entscheiden. Auch das ist ja einfach sehr individuell.
Angelika:
Ja, Aber wenn jetzt ein Tier einen schweren Unfall hatte und die Zeit rennt, dann ist das natürlich nicht der Fall. Das ist schon so. Ja, also… Da wäre es dann eben wahrscheinlich wirklich sehr, sehr wichtig, sich immer wieder mit diesem Thema grundsätzlich zu beschäftigen. Also noch bevor es tatsächlich akut ist.
Claudia:
Es läuft immer wieder darauf hinaus, es ein Thema ist, womit man sich quasi schon im jungen Alter des Tieres beschäftigen sollte, egal zu welchem Zeitpunkt es so weit ist, einfach ein bisschen gewappnet zu sein. Aber jetzt ist der Fall eingetreten. Das Tier ist dann gestorben. Was passiert danach für den Menschen?
Vor allem empfiehlst du den Tierhaltern, mit dem Verlust umzugehen.
Angelika:
Ja, also ich erlebe es ganz häufig, dass Menschen nachdem das Tier gestorben ist,
ihr Tier irgendein Trauerritual gerne durchführen. Also manch eine möchten gerne einen Brief schreiben und
Ja, schreiben einen Brief an ihr Tier, in dem sie nochmal auflisten, an welche schönen Momente sie mit dem Tier zurückdenken, vielleicht auch welche schwierigen Momente es gegeben hat und ganz oft auch, wie oft sie an das Tier denken und wie sehr sie es vermissen oder… was sie ihm jetzt wünschen in der anderen Welt. Und dann gibt es welche, die möchten überhaupt gar nicht mehr darüber reden, die kaufen sich direkt ein neues Tier und nicht unbedingt über den Schmerz nicht zuzulassen, sondern weil tatsächlich mit dem Tod des ersten Tieres eine ganze Geschichte zu Ende gegangen ist und sie fangen direkt ein neues Leben an. alles ist richtig, so wie es gerade ist. Also das ist glaube ich etwas, wir immer wieder, wenn man in einem großen Thema Sterben und Trauer ist, wieder sich angucken darf, dass es ganz wichtig ist, dem umzugehen, was gerade da ist. und nicht davon ausgehen, dass es irgendwie anders sein müsste, als es tatsächlich ist. Ich denke, dass die meisten Menschen durch diese Phase wesentlich besser durchkämen, wenn es da nicht manchmal Erwartungshaltung gäbe von außen, wie die Menschen sich jetzt zu verhalten hätten. wenn, ja, also dass es einem wirklich frei ist, ob man direkt ein neues Tier
sich ins Haus holt oder ob man nie mehr mit einem Tier oder mit dieser Tierart ein Leben teilen möchte. Das sind hochindividuelle Entscheidungen, die jeder wirklich für sich treffen darf und auch muss. Und die sind alle richtig, weil sie entsprechen ja dem eigenen Gefühl.
Claudia:
Ja.
Angelika:
Und dabei gibt es nie ein richtig oder falsch. Wichtig ist ja eben, dass man irgendwie aus einem doch recht vielleicht sehr, also auf jeden Fall sehr berührenden, vielleicht auch sehr deprimierenden Zustand selber wieder zurückkommt ins Leben.
Claudia:
Ja, Trauer ist sehr individuell und am Ende des Tages bricht ein Familienmitglied weg, was uns im Zweifel sehr lange und auch sehr intensiv begleitet hat. ja, ich habe das ja gerade vor kurzem erst erleben müssen und stecke auch quasi immer noch in dieser Trauerphase drin. Und mir hat aber mein Ein bereits vorhandener Zweithund hilft mir jeden Tag sehr, dadurch dass er an meiner Seite ist. Ich glaube, kein anderes Tier da gewesen, wäre es für mich noch deutlich schwerer geworden.
Deshalb möchte ich mir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn der jetzt gerade auch noch weg wäre. Oder ich dann gar keins mätte. Also ich hätte auf jeden Fall Verständnis auch für jeden, der sagt, ich brauche wieder ein Tier an meiner Seite und das hat nichts mit Ersatz zu tun, sondern es hat was mit …
Angelika:
Nein.
Claudia:
sein Leben auf diese Art und Weise zu teilen und die Liebe weiterzugeben zu tun. Du veröffentlichst ja gerade zu diesem sehr großen und auch wirklich sehr individuellen Thema einen Online-Kurs. Vielleicht magst du uns mal erzählen, was die Menschen dort erwartet und für wen der Kurs gedacht ist.
Angelika:
Genau.
Ja.
Also in dem Kurs werde ich im Prinzip alle Fragen beantworten, die ich mir mal selbst gestellt habe und auch die Fragen, die ich in meiner Praxis immer wieder gestellt bekomme. Der Kurs soll Orientierung geben in einer Zeit, in der wir emotional sehr herausgefordert werden und dazu gehören dann eben Informationen über die Sterbephasen. auch das Thema Euthanasie wird behandelt werden. Dann wird Wertig Bestattungsmöglichkeiten vorgehe. Und auch Trauerrituale. Und daneben wird es immer Meditation auch geben, damit man immer wieder zu sich selbst zurückfinden kann, beziehungsweise besten seine Mitte erst gar nicht verliert. Und gedacht ist dieser Kurs sowohl für diejenigen, die jetzt aktuell betroffen sind, weil das Tier gerade in Phase ist. aber auch diejenigen, die sich vorab schon mal informieren wollen, einfach manches gedacht zu haben.
Claudia:
Ich werde natürlich alle oder deine unter der Folge hier auch verlinken.
Da kann man sich wahrscheinlich für dein Newsletter anmelden und bekommt alle Infos, wann der Kurs startet, richtig? Oder auf deiner Homepage findet sich dann auch wahrscheinlich alle Infos zum Kurs. Ja. Okay, wenn du den Hörern jetzt eine letzte Sache mitgeben könntest, einen Gedanken, der vielleicht etwas Druck rausnimmt oder Sicherheit gibt, was wäre das, was du da noch loswerden möchtest?
Angelika:
dass es nicht darum geht, irgendetwas wirklich richtig zu machen, sondern dass es wirklich ausreicht, immer im augenblicklichen Moment das zu tun oder zu lassen, was sich stimmig anfühlt. Wirklich immer im Hier und Jetzt. Und dabei nicht nur das Tier gut zu versorgen, sondern auch immer wieder für sich selbst gut zu sorgen. Denn damit machen wir unser Tier auch glücklich. Wenn wir glücklich sind, geht es unserem Tier wirklich gut. Und umgekehrt.
Claudia:
Ach, was für schöne Worte. Vielen Dank, liebe Angelika, für dieses offene und so wichtige Gespräch zu diesem doch so schwermütigen Thema.
Dann alle meine Zuhörer, wenn du jetzt merkst, dich dieses Thema auch betrifft und du dich irgendwie auf irgendeine Weise vorbereiten möchtest, dann verlinke ich wie gesagt alle Infos zu Angelika und ihrem Kurs hier in den Show Notes. Und wie immer gilt, du musst diesen Weg eben gar nicht alleine gehen. Und deshalb sage ich jetzt bis zur nächsten Folge, bleib achtsam und denkt daran, Gesundheit beginnt beim Futter und hört nicht beim Abschied auf.
