Als Futter- und Ernährungsberaterin werde ich sehr häufig angesprochen: „Ich füttere das Futter von der Marke XY – das ist doch gut, oder?“
Abgesehen davon, dass ich bei der Vielzahl von Futtermitteln auf dem Markt nicht für jedes Futter die Inhaltsstoffe auswendig kenne und eine spontane Antwort daher überhaupt nicht möglich ist – ist die Frage in meinen Augen auch gar nicht wirklich zielführend.
Woran macht man überhaupt fest, ob ein Futter „gut“ ist?
Da gibt es einige Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt:
- Qualität – in der Regel gesetzlich geregelt und hierzulande recht hoch
- Art – Allein-, Einzel- oder Ergänzungsfuttermittel, Nass- oder Trockenfutter, Kraft- oder Mineralfutter, Öl
- Deklaration – ebenfalls gesetzlich geregelt, aber hier gibt es durchaus Lücken, die dazu führen, dass man das Futtermittel nicht gut beurteilen kann
- Inhaltsstoffe – werden alle genannt, oder sind da auch noch welche im Verborgenen?
- Verhältnis – wie ist das Verhältnis zwischen den einzelnen Bestandteilen?
- Benötigte Menge – welche Menge wird benötigt?
- Preis – wie teuer ist das Produkt?
Einen wichtigen Part haben dabei natürlich die Inhaltsstoffe. Diese sollten am besten alle inklusive ihres prozentualen Anteils benannt sein. Welche Inhaltsstoffe gut sind, ist wiederum eine schwierige und vor allem individuelle Sache. Wichtig ist: Du kannst mit den Inhaltsstoffen etwas anfangen. Nach Möglichkeit sollten keine Farb- und Konservierungsstoffe enthalten sein.
Der Rest ist zum einen Geschmackssache und zum anderen eine Frage der Verträglichkeit. Man kann zum Beispiel nicht sagen, dass Rindfleisch besser ist als Hühnchen, dass ein Futter mit Kräutern besser ist als eines ohne, oder dass nur Futter gut sind, die Leinsamen enthalten. Wenn dein Tier eine Allergie gegen Leinsamen hat, nutzt dir eine solche Aussage äußerst wenig.
Der allerwichtigste Faktor fehlt noch
Selbst wenn all diese Faktoren passen und du das Futter für dich als „gut“ einstufen würdest – das heißt leider noch lange nicht, dass es auch in die Ration deines Tieres passt.
Ich mache dazu je ein Beispiel für Hund und Pferd:
🐕 Beispiel Hund
Du bist auf der Suche nach einem guten Futter und wählst eines mit hohem Fleischanteil. Es enthält auch ein bisschen Gemüse und kein Getreide – dafür sind Mineralien, Spurenelemente und Vitamin E enthalten. So weit, so gut.
Du hältst dich an die empfohlene Menge auf der Verpackung und stellst nach einigen Wochen fest, dass dein Hund Gewicht verliert. Du fütterst einfach etwas mehr. Nach einiger Zeit wirkt dein Hund trotz erhöhter Futtermenge schlapper. Die Diagnose vom Tierarzt: schlechte Leberwerte und Vitaminmangel.
Was steckt dahinter? Du führst zu viel Protein (Fleisch) zu. Dein Hund muss das überschüssige Protein in Energie umwandeln – dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die die Leber belasten. Das Futter an sich kann von den Inhaltsstoffen durchaus als gut bezeichnet werden. Trotzdem fehlt für deinen Hund eine zusätzliche Energiequelle – und das Futter ist, so gut es auch sein mag, als Alleinfutter für deinen Hund ungeeignet. Mit einer sinnvollen Energie- und Vitaminergänzung kann es schon wieder ganz anders aussehen.
🐴 Beispiel Pferd
Dein Pferd bekommt neben dem Heu noch ein Müsli und ein Mineralfutter. Beides renommierte Marken mit guten Inhaltsstoffen – in beiden sind Mineralien und Spurenelemente enthalten. Alles wird gut gefressen, das Fell glänzt, das Pferd ist gut drauf. Aber der Zustand der Hufe verschlechtert sich immer mehr, und dein Pferd schwitzt ab und zu, ohne etwas getan zu haben. Wegen der schlechten Hufqualität ergänzt du noch ein Futtermittel fürs Hufwachstum – gefühlt tut sich aber trotzdem nichts.
Was steckt dahinter? Bei einer Blutuntersuchung kommt heraus, dass der Selengehalt sehr hoch ist. Sowohl im Müsli als auch im Mineralfutter ist Selen enthalten – ebenso im Heu. Die Futtermittel für sich sind alle gut. Aber die Kombination führt zu einer Überversorgung und einer schleichenden Selenvergiftung, welche unter anderem die Hufprobleme verursacht. Und ohne das abzustellen, kannst du noch so viele Zusatzmittel für die Hufe füttern – es wird nicht den gewünschten Effekt erzielen.
Die bessere Frage
Das Futtermittel kann noch so gut sein – wenn es nicht in die Ration oder zum Bedarf deines Tieres passt, dann ist das beste Futter nichts wert.
Die zielführendere Frage lautet also nicht „Ist dieses Futter gut?“, sondern: „Passt dieses Futter zu meinem Tier?“
Und wie findet man das heraus?
Indem man eine Rationsberechnung macht oder machen lässt. Dabei schaut man sich zunächst den theoretischen Bedarf des Tieres an – dieser hängt von verschiedenen Faktoren ab: Rasse, Alter, Gewichtszustand, Größe, Haltung, tägliche Auslastung durch Bewegung und natürlich der Gesundheitszustand.
Wenn der theoretische Bedarf geklärt ist, wird das Futtermittel gegenübergestellt und geschaut, inwieweit es diesen Bedarf deckt:
- Werden keine Grenzwerte überschritten? Dann hast du ein erstes Indiz dafür, dass das Futtermittel gut in die Ration passen könnte. Dann gilt es nur noch, die passenden Ergänzungen zu finden, die ausgleichen, was noch nicht ausreichend enthalten ist.
- Werden mehrere Grenzwerte überschritten oder passen bestimmte Werte nicht zum Gesundheitszustand deines Tieres? Dann ist das Futtermittel eher ungeeignet.
Danach kommt das Feintuning
Wenn ein Futtermittel für geeignet befunden wurde, folgt noch das sogenannte Feintuning – denn die theoretischen Zahlen sind auch nur Annäherungswerte beziehungsweise Richtlinien.
Beim Feintuning wird dann individuell für dein Tier geschaut, wie sich die entsprechenden Mengen einpendeln lassen, um das optimale Ergebnis zu erzielen. Man prüft zum Beispiel, ob die ausgerechnete Menge passt, indem man das Gewicht beobachtet, und passt die Menge gegebenenfalls noch einmal an.
Wenn mehr von dem Futter benötigt wird, um das Gewicht zu halten, schaut man auch noch einmal, ob dieses Mehr innerhalb der Toleranzgrenzen liegt – oder ob dann, wie in den Beispielen, bereits Grenzwerte überschritten werden. In dem Fall ist es sinnvoll, nach einer Alternative zu suchen oder die Kombination noch einmal zu überdenken.
Rationen zu berechnen kannst du übrigens auch als Laie lernen. Auch wenn es sich komplex anhört – es ist keine Raketenwissenschaft.
Ich hoffe, die Folge war aufschlussreich für dich. Und vielleicht fragst du dich ab jetzt eher, ob ein Futtermittel zu deinem Tier passt, anstatt ob das Futtermittel „gut“ ist.
Schreib mir gerne in die Kommentare oder per Instagram, ob du dich auch schon mal gefragt hast, ob ein Futtermittel gut ist – und woran du das bisher festgemacht hast.
Shownotes
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