Folge #23 – Heuanalyse: Gefürchtet, falsch verstanden und eigentlich unverzichtbar

Heuanlysen werden  (insbesondere von Stallbetreibern) oftmals gefürchtet und die Intention dahinter völlig falsch verstanden – aus diesem Grund möchte  in der heutigen Podcastfolge aufklären, was wirklich hinter dem Wunsch einer Heuanalyse steckt und warum ich glaube, dass es heutzutage eigentlich fahrlässig ist, keine Heuanalyse machen zu lassen.  Wenn du bisher der Meinung warst, dass du keine Heuanalyse brauchst oder die Intention dahinter ist, das Heu schlecht zu machen, dann hör die Folge unbedingt bis zum Ende an. 

Hi und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Achtsam füttern – ich freue mich sehr, dass du da bist und diese Folge anhörst, weil mir dieses Thema ganz besonders wichtig ist. 

Bevor wir aber in das spannende Thema Heuanalysen reinstarten, noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache – Wenn du dir Klarheit wünscht, ob das Futter, was du fütterst, zu deiner Fellnase passt, dann kann ich dir meine kostenlose fünftägige E-Mailserie  – Achtsam füttern ans Herz legen – in der bekommst du fünf E-mails, die dir helfen herauszufinden, ob das Futter was du fütterst zu deinem Tier passt. Im Futtertypen-Test erfährst du, wonach du Futter auswählst, mit dem PDF-Guide Gutes Futter erkennen bekommst du eine Anleitung, wie du Etiketten besser lesen kannst, in einer Audio Datei erfährst du, wie dein Tier dir zeigt, ob das Futter passt und mit der Checkliste zum Thema Futterumfeld bekommst du eine Hilfestellung, wie du das Futterumfeld vielleicht noch verbessern kannst.  Alles absolut kostenlos – den Link zur Anmeldung findest du in den Shownotes! 

Ein Satz, den  ich oft im Zusammenhang mit Heuanalysen höre, ist: Das brauchen wir nicht – unser Heu ist super – da gab es auch noch nie Probleme! Und genau diese Aussagen zeigen mir, dass das Prinzip Heuanalyse völlig falsch verstanden wird. 

Gerade Stallbetreiber sind oft der Meinung, dass man das Heu mithilfe einer Analyse schlecht machen will – aber dem ist gar nicht so – zumindest nicht im Normalfall im Rahmen einer Futterberatung. 

Um das zu verstehen schauen wir erstmal darauf, was man alles analysieren kann: 

  1. Hygienestatus
  2. Energiegehalt
  3. Nährstoffe

Beim Hygienestatus wird das Futter auf die Tauglichkeit untersucht.

Untersucht werden können hier die im Heu enthaltenen Hefen, Schimmelpilze und Bakterien. Zusätzlich wird auch in der Regel die Trockensubstanz ausgegeben (also wie hoch die Restfeuchte im Heu noch ist – je feuchter desto höher die Gefahr, dass sich Schimmelpilze oder Bakterien bilden). 

Diese Untersuchung wird im Rahmen einer Futterberatung allerdings nur dann empfohlen- wenn das Heu erstmal einen guten und sauberen Eindruck macht, mehrere Pferde aber Symptome von Atemwegsproblemen zeigen, um zu sehen, ob der optische und olfaktorische Eindruck vom Heu täuscht. 

Ist das Heu offensichtlich schlecht und schimmelig erkennt man das in der Regel 

auch ohne Analyse. Da man die Qualtiät grundsätzlich durch Optik, Haptik und Geruch bereits ganz gut beurteilen kann – und man diese Art der Analyse wie gesagt eigentlich nur dann nutzt, wenn unerklärliche gesundheitliche Probleme vorliegen – ist hier die Intention ja schon mal nicht grundsätzlich das Heu schlecht zu machen – sondern nur wenn vorhandene Krankheitszeichen abgeklärt werden sollen. 

Der Energiegehalt im Heu kann sehr stark schwanken. Alleine wenn wir uns die diesjährigen Werte anschauen, kann der Wert zwischen 5,9MJ und 8,1 MJ je kg liegen. Zu wissen wie viel Energie das Heu liefert, kann besonders für leichtfuttrige Pferde entscheidend sein. 

Nehmen wir mal an, wir haben einen Haflinger mit rund 500 kg Körpergewicht  und der hat einen Energiebedarf von rund 45MJ pro Tag. 

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass man pro 100 kg Körpergewicht min. 1,5 kg Heu füttert – dann entprächen das 7,5 kg Heu. Bei einem Energiegehalt von 5,9 MJ erreicht man damit bereits genau den täglichen Energiebedarf. Hat das Heu aber einen Energiegehalt von 8,1 MJ – dann würde der Energiebedarf des Haflingers schon bei 7,5 kg schon mit rund 30% überschritten, da er dann rund 60MJ pro Tag aufnehmen würde – und das macht schon einen gravierenden Unterschied für den Besitzer, der in diesem Fall für deutlich mehr Bewegung sorgen müsste – um die Gesundheit nicht durch Übergewicht zu gefährden. Wenn der Besitzer den Energiegehalt des Heus kennt, dann kann er das entsprechend berücksichtigen, die Bewegungsintensität steigern oder sich ggf. eine Reitbeteiligung für zusätzliche Bewegung suchen oder ggf. die Heuportion mit Stroh strecken. Ohne die Kenntnis merkt man den Energieüberschuss erst dann, wenn der Haflinger deutlich an Gewicht zugelegt hat – und dann kann es bereits gesundheitliche Folgen haben. 

Der Wunsch, den Energiegehalt des Heus zu kennen – dient also nicht dazu, das Heu schlecht zu machen, sondern vielmehr dazu zu schauen, wie viel Energie das Pferd über das Heu aufnimmt und wie viel Heu das Pferd überhaupt bekommen kann. Und ja natürlich kann hier mal Verzweiflung aufkommen, wenn der Energiegehalt hoch ist – aber ich glaube es dürfte jedem bewusst sein, dass auch der Stallbetreiber nicht unbedingt Einfluss auf den Energiegehalt hat. Trotzdem ist es ja eine Tatsache, dass sehr hohe Energiegehalte natürlich Mehraufwand für den Pferdebesitzer bedeuten – schließlich muss man schauen, wie man die überschüssige Energie durch Bewegung wieder wegbekommt. Das Wissen, dass überschüssige Energie vorhanden ist – bedeutet aber auch die Möglichkeit, dass man reagieren kann und somit die Gesundheit von leichtfuttrigen Pferden in diesem Fall schützen kann, weil man gesundheitlichen Problemen vor dem Eintreten entgegenwirken kann. 

Es geht hier also nicht darum, Vorwürfe zu machen – sondern vielmehr darum, Wissen über die Futtersituation zu erlangen. 

Gleiches gilt im Übrigen auch für die Nährstoffanalyse – damit erhält man einfach nur eine Übersicht, welche Mineralien und Spurenelemente in welcher Höhe im Heu enthalten sind und da gibt es im übrigen  kein – richtig oder falsch – wir sprechen ja nunmal von einem Naturprodukt und die Inhaltsstoffe sind unter anderem auch abhängig vom Wetter, dem Schnittzeitpunkt und den Bodenverhältnissen – und das ist auch der Grund, warum ein Urteil über das Heu in diesem Bereich meines Erachtens gar nicht möglich ist. Es gibt nicht das perfekte Heu, mit dem man die Werte jetzt vergleichen könnte. Dementsprechend ist ein Urteil faktisch gar nicht möglich. In der Futterberatung geht es einzig und alleine darum zu schauen, welche Nährstoffe das Pferd bereits über das Heu aufnimmt um darauf die weitere Fütterung abzustimmen und z.B. ein Mineralfutter auszuwählen was die Defizite oder Überschüsse an Nährstoffen im Heu in Bezug auf den individuellen Bedarf des Pferdes ausgleicht. 

Der individuelle Bedarf eines Pferdes wiederum ist abhängig vom Alter, der Rasse, dem Gewichts- und Gesundheitszustand, der haltungsform und auch der Bewegungsintensität – das wiederum bedeutet – ein HEU kann niemals für jedes Pferd passen – das sollte auch gar nicht der Anspruch sein. Der Anspruch, den wir als Futterberater mit einer Heuanalyse verfolgen ist vielmehr herauszufinden – wie viel von dem Heu ein Pferd aufnehmen kann und welches Futter man ergänzen sollte, damit der individuelle Bedarf des Pferdes gedeckt wird und bei weitem nicht das Heu schlecht zu machen. 

Ich fasse das jetzt noch einmal  kurz zusammen: 

Heu ist vor allem im Winter das Grundfutter unserer Pferde und mit dem Heu nehmen unsere Pferde bereits eine gewisse Menge Energie und verschiedene Nährstoffe auf. 

Darauf sollte die weitere Fütterung abgestimmt werden, um Über- oder Unterversorgungen zu vermeiden. 

Eine bedarfsgerechte Fütterung trägt zur Gesunderhaltung maßgeblich bei, weil der Körper nur dann gut funktionieren kann, wenn alle Nährstoffe in ausreichender Form vorhanden sind und keine Überschüsse aufwändig abgebaut werden müssen. Der Abbau von Überschüssen belastet nämlich Leber und Nieren.  

Mit der Heuanalyse ist man in der Lage, die Fütterung individuell auf das Pferd abzustimmen – dadurch kann man die Gesundheit aktiv beeinflussen.

Eine bedarfsdeckende Fütterung trägt maßgeblich zu einem vitalen, leistungsstarken und mental ausgeglichenem Pferd, mit gesunden Hufen, glänzendem Fell und guten Abwehrkräften bei. 

Natürlich kommt jetzt auch wieder häufig das Argument, dass ja oftmals unterschiedliche Heuchargen vorhanden sind und man daher ja zig Analysen machen müsste. Aber da  kann man wiederum pragmatisch sein und sich behelfen indem man eine Mischananlyse machen lässt. Natürlich bekommt man dann nur einen Mittelwert aus den Heusorten, aber das Pferd bekommt ja in der Regel auch den Durchschnitt der gefütterten Heu Chargen und ein Mittelwert von 2-3 Chargen ist immer noch deutlich besser als gar kein Wert und den Mittelwert der Lufa, der von mehreren Hundert Proben gezogen ist… 

Zum Schluss möchte ich jetzt noch erklären, warum ich glaube, dass es heutzutage einfach unverzichtbar ist eine Heuanalyse zu machen: 

Die Artenvielfalt der Wiesen ist durch den hohen Vertritt der Wiesen und die klimatischen Veränderungen einfach nicht mehr so gegeben wie früher, dies hat zur Folge, dass die Nährstoff-, Protein- und Energiegehalte sehr schwankend sind. 

Außerdem haben sich die Bedürfnisse unserer Pferde auch sehr gewandelt – unsere Pferde haben heutzutage einen deutlich geringeren Energieverbrauch als früher, als sie noch den ganzen Tag in die landwirtschaftliche Arbeit oder den Kutschdienst eingesetzt wurden und zudem im Winter z.B. auch nicht eingedeckt wurden. Viele Freizeitpferde kommen mit der Bewegung aus den Haltungsformen und  durch den Menschen nicht oder kaum über den Erhaltungsbedarf hinaus. Nährstoff- und Proteinmangel und gleichzeitiger Energieüberversorung sind daher inzwischen keine Seltenheit und können zu enormen gesundheitlichen Problemen führen. Mit einer Heuanalyse kann man dem vorbeugen und die Ration art- und bedarfsgerecht gestalten und damit auch gesundheitlichen Problemen vorbeugen. 

Wenn wir das ganze jetzt unter diesem Aspekt betrachten, dann geht es bei der Heuanalyse in keinster Weise darum das Produkt schlecht zu reden oder jemanden für fehlende oder überschüssige Inhaltsstoffe verantwortlich zu machen – sondern einfach nur den Status Quo des jeweiligen Heus zu kennen, um das wiederum mit den individuellen Bedarfswerten des Pferdes abzugleichen. Die Heunanalyse dient also lediglich der Rationsoptimierung und Gestaltung und der Gesunderhaltung eines Pferdes und nicht dazu irgendwem Vorwürfe zu machen. Ich will natürlich nicht immer rausnehmen, dass es mit dem Wissen der Inhaltsstoffe leicht wird – auch das kann natürlich an der ein oder anderen Stelle zu Herausforderungen führen, die im Futtermanagement berücksichtigt werden müssen und das ist leider für alle Parteien anstrengend. Aber nicht hinzuschauen und das Problem nicht zu kennen löst es ja auch nicht – denn dann ist am Ende das Pferd der Leidtragende und somit indirekt der Besitzer. 

Ich möchte daher vor allem an alle Stallbesitzer appellieren – macht eine Heuanalyse und legt die Kosten dafür ggf. auf alle Einsteller um, aber dann ist es für alle nur ein kleiner Betrag, von dem alle profitieren können. Sucht euch ggf. einen Futterberater aus der Nähe, der an euren Stall kommt und mit Euch und den Einstallern das Ergebnis bespricht – und gemeinsam mit euch gangbare Lösungen und passende Ergänzungen zum Heu findet – der Gesundheit der Pferde zu Liebe. 

Eine Heuanalyse macht nicht angreifbar, sondern bietet Transparenz und Gesundheitsprävention – und das Wohlbefinden unserer geliebten Pferde ist doch unser aller Wunsch. 

Ich würde sogar so weit gehen, dass eine Analyse Pflicht sein müsste, wenn das Heu als Futtermittel  verkauft oder eingesetzt wird – genau wie bei anderen Futtermitteln auch eine Deklaration, was drin steckt. Aber davon kann ich erstmal nur träumen. Aber du da draußen, du kannst die Pferdewelt ein Stückchen besser machen, wenn du die Heuanalyse nicht mehr verteufelt, sondern die wahre Intention dahinter erkennst und in die Welt trägst. Und wenn du noch Kritiker kennst – dann leite diese Folge gerne einmal weiter  – für den Perspektivwechsel und für unsere Pferde. 

Und das jetzt einmal alles hier geordnet und geballt einmal runterzusprechen ist wie eine kleine emotionale Befreiung gerade, weil das Thema so oft mit Kampf und Unverständnis verbunden ist in meinem Alltag als Futterberater. 

ich hoffe auch du konntest einmal die Perspektive wechseln und kannst verstehen, dass es mit der Analyse nicht darum geht, jemandem Vorwürfe zu machen – sondern einzig und allein den schwankenden Werten mit Wissen zu begegnen. 

Wenn du jetzt noch mehr Infos zu Thema haben möchtest oder vielleicht einen kleinen Vortrag zum Thema am eigenen Stall organisieren möchtest (auch online möglich), dann melde dich gerne bei mir und buch dir einfach ein kostenloses Kennenlerngespräch – den Link dazu findest du in den Shownotes. 

Und jetzt wünsche ich dir und deiner Fellnase eine wundervolle und entspannte Weihnachtszeit und wir hören uns hoffentlich in zwei Wochen wieder, wenn die nächste Folge Achtsam Füttern hier erscheint.

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