Adventskalender für Tiere – das Angebot ist mittlerweile riesig. Für Hunde, Katzen, Pferde, Kleintiere, sogar für Hühner gibt es fertige Kalender zu kaufen. Aber hinter dem zugegeben süßen Gedanken steckt eine ehrliche Frage: Freut sich das Tier wirklich – oder freuen wir uns über die vermeintliche Freude am meisten?
Vermenschlichung – ehrlich betrachtet
Vor einigen Jahren haben meine Hunde selbst einen Adventskalender bekommen. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Hälfte der Leckerchen wurde schlicht nicht angerührt und landete im Müll. Die Freude meiner Hündin hielt sich sehr in Grenzen – die Enttäuschung war ganz meine eigene.
Rückblickend war das einfach zu menschlich gedacht. Tiere verstehen keinen Advent und auch keine damit verbundene Tradition. Für sie entsteht Freude durch Situationen, Sinneserfahrungen oder konkrete Interaktionen – nicht durch das Konzept Weihnachten. Das Tier weiß nicht, dass es der 1. Dezember ist, und denkt nicht: Oh schön, jetzt bekomme ich täglich ein Geschenk bis zum 24.
Das ist kein Vorwurf – Vermenschlichung ist zutiefst menschlich. Wir sollten uns nur ehrlich eingestehen: Einen Adventskalender kaufen wir in erster Linie für uns selbst. Und das ist völlig in Ordnung, solange es dem Tier nicht schadet.
Was spricht für einen Adventskalender?
Wenn ein Kalender durchdacht gestaltet ist, kann er tatsächlich Mehrwert bieten:
- → Beschäftigung und mentale Stimulation: Statt 24 Leckerchen können hinter den Türchen Suchspiele, kleine Denksportaufgaben oder neues Spielzeug stecken.
- → Bewusste Zeit zu zweit: In der hektischen Vorweihnachtszeit ist ein tägliches Mini-Ritual – Streicheln, kurzes Training, ein gemeinsames Spiel – eine schöne Erinnerung daran, auch für die Fellnase präsent zu bleiben.
- → Positive Interaktion: Wenn unsere Geste mit echter Aufmerksamkeit verbunden ist, profitiert das Tier davon – unabhängig davon, ob es Weihnachten versteht oder nicht.
Was spricht dagegen?
Fertigprodukte aus dem Handel sind leider häufig das, was man als Konsumfalle bezeichnen kann. Ein paar Punkte, die ich hier nicht verschweigen möchte:
- → Qualität der Snacks: Viele Kalender-Leckerchen enthalten Zucker, Getreide und minderwertige Zutaten. Wer Etiketten lesen kann, erkennt das schnell – wer das noch nicht gelernt hat, kauft meist im Blindflug.
- → 24 Extrakalorien: Jeder täglich zusätzliche Snack summiert sich. Bei Tieren, die ohnehin schon mit Übergewicht kämpfen, ist das keine Kleinigkeit.
- → Stress statt Spaß: Nicht jedes Tier verträgt täglich neue Überraschungen, Geräusche oder unbekannte Gerüche. Manche Fellnasen sind durch zu viel Abwechslung schlicht überfordert.
- → Sicherheit und Passform: Viele Spielzeuge aus Fertigkalendern sind nicht für jede Tierart und jede Körpergröße geeignet.
5 Tipps für einen tierfreundlichen Adventskalender
Wenn du das Konzept trotzdem ausprobieren möchtest – hier kommt, wie es sinnvoll gelingt:
- 1 Selber machen statt kaufen. Ein Eierkarton, Klopapierrollen oder kleine Papiertüten reichen vollkommen aus. Du weißt, was drin steckt – und das ist der entscheidende Vorteil.
- 2 Keine 24 Kalorienbomben. Nutze Leckerchen nur 2–3 Mal pro Woche und fülle die restlichen Türchen mit Beschäftigungen. Was als Snack eingesetzt wird, rechnest du auf die Tagesfutterration an – nicht zusätzlich obendrauf.
- 3 Spielideen statt Snacks. Mini-Schnüffelspiele, 2-Minuten-Trainings, neue Gerüche oder Texturen zum Erkunden – oder ganz einfach eine ruhige Streicheleinheit als Türchen.
- 4 Dein Tier beobachten. Wie reagiert die Verdauung? Verträgt die Fellnase Abwechslung gut, oder läuft Routine besser? Wenn du merkst, dass Überraschungen eher Stress als Spaß bringen, passe das Programm an.
- 5 Stress aktiv vermeiden. Keine lauten Verpackungen, nichts, was verschluckt werden kann – und kein Pflichtprogramm, wenn das Tier dir signalisiert, dass es keinen Spaß macht.
Mein Fazit
Fertigprodukte sind oft mehr Konsumfalle als echter Mehrwert für das Tier. Wenn wir uns aber bewusst Gedanken machen, wie wir in der Adventszeit wirklich Zeit mit unserer Fellnase verbringen können – tiergerecht, ohne Übergewichtsrisiko und ohne Stress – dann spricht absolut nichts gegen einen selbst zusammengestellten Kalender.
Dein Tier braucht keinen Adventskalender. Es braucht dich – Zeit, Aufmerksamkeit, Sicherheit, eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung und artgerechte Beschäftigung. Wenn ein Kalender dabei hilft, ist das wunderbar. Wenn nicht, ist das auch völlig okay – solange wir dem Tier damit nicht schaden.
Shownotes
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