Heute habe ich das Thema Verantwortung mitgebracht. Ich erlebe häufig, dass meine Kunden unter der Last der Verantwortung leiden und fast zusammenbrechen – weil sie einfach alles richtig machen wollen, es dann aber zu aufwändig, zu teuer oder zu umständlich ist, das Tier das Futter ablehnt oder es sich nicht so umsetzen lässt, wie die Norm es vorgibt.
Nicht selten endet das in Verzweiflung. Doch wie weit geht unsere Verantwortung in Sachen Fütterung überhaupt? Sind wir nicht gut beraten, wenn wir einfach ein renommiertes Futter auswählen?
Was sagt eigentlich das Gesetz?
Wenn wir uns ein Tier anschaffen, übernehmen wir die Verantwortung für ein Lebewesen, das nicht selbst für sich sorgen kann. Aber was bedeutet das konkret? Ein Blick ins Tierschutzgesetz:
„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen … und muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“
Richten wir den Fokus auf die Ernährung: Wir sollen unser Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren – und über die erforderlichen Kenntnisse verfügen.
Indem wir ein Futter kaufen, das grundsätzlich für die Tierart geeignet ist, kommen wir dieser Pflicht schon ein gutes Stück nach. Aber reicht das wirklich aus?
In meinen Augen leider nicht. Denn viele vergessen den Part mit den Bedürfnissen. Nur weil ein Futter für eine bestimmte Tierart geeignet ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch zum Bedarf des jeweiligen Tieres passt.
Warum diese Verantwortung so schwer wiegt
Wie man den Bedarf ermittelt und dann das passende Futter findet, ist in der Tat nicht mal eben gemacht. Nicht umsonst habe ich pro Tierart fast ein Jahr in Ausbildungen verbracht, um mir das entsprechende Wissen anzueignen. Das kann man als normaler Tierbesitzer gar nicht bis ins Detail haben.
Aber wenn ich zurückblicke, was ich als Tierbesitzerin damals nicht wusste – und was viele andere schlichtweg nicht wissen –, dann wird mir ganz schwer ums Herz. Denn egal was ich gemacht hätte: Ich hätte mein Tier niemals wirklich bedarfsgerecht gefüttert. Ich habe mich an Werbeversprechen orientiert und Futtermittel wild kombiniert, im Glauben, mein Tier gut zu ernähren.
Erst heute weiß ich, dass dieser Weg nichts mit bedarfsgerechter Fütterung zu tun hat – und dass man es genau andersherum betrachten muss: Erst anschauen, was mein Tier überhaupt braucht. Und dann gezielt das passende Futter dafür auswählen.
Damit meine ich nicht, ein Seniorfutter zu wählen, wenn der Hund älter wird. Den Bedarf zu bestimmen heißt zu schauen: Wie viel Energie, wie viel Protein, welche Mineralien und Vitamine braucht mein Tier?
Jetzt denkst du bestimmt: „Oh Gott, woher soll ich das denn wissen?“ Und genau das ist der Grund, warum diese Verantwortung für viele so schwer wiegt – weil wir wissen, dass wir eigentlich keine Ahnung haben und immer nur ausprobieren.
Wo unsere Verantwortung wirklich anfängt
Ich sehe so häufig viel zu dicke Tiere, bei denen den Besitzern nicht ansatzweise bewusst ist, dass ihr Tier zu dick ist. Oder Tiere, die statt eines passenden Futters etwas vom Tisch bekommen – und damit meine ich nicht ein Stückchen Käse oder Wurst als Snack, sondern ganze Mahlzeiten aus stark gewürzten Resten, geschmierten Broten oder alten Backwaren inklusive Schokobrötchen und Croissants. Und dann oft die Entschuldigung: „Aber das mag er doch so gerne.“
Ja, das mag sein. Aber es ist trotzdem pures Gift für die Fellnase.
Und ich glaube, an dieser Stelle fängt unsere Verantwortung wirklich an:
- Wir sollten wissen, was ein Tier fressen darf – und was es auf keinen Fall (regelmäßig) bekommen sollte.
- Wir sollten beurteilen können, wann unser Tier zu dick ist und wann Handlungsbedarf besteht.
- Wir sollten wissen, was wir füttern – und anhand der Deklaration erkennen können, was drin ist und ob es sich um grundsätzlich gute Inhaltsstoffe handelt.
- Wir sollten uns bewusst sein, dass die Futtermittelindustrie verkaufen möchte und nicht jedes Produkt zu jedem Tier passt.
- Und wir sollten uns bewusst sein, dass unser Wissen zur bedarfsgerechten Fütterung meist nicht so ausgeprägt ist, wie wir glauben.
Und genau das ist gar nicht schlimm
Denn wenn wir uns bewusst sind, dass wir etwas nicht wissen – dann können wir handeln. Wir können uns Hilfe suchen oder anfangen, uns Wissen anzueignen.
Mit dem Eingeständnis, dass wir etwas nicht können, schaffen wir eine neue Situation: eine, in der wir endlich handlungsfähig sind und die verzweifelte Lage von vorher verlassen können.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Wissen aneignen: Es gibt schon viele Anbieter, die Kurse und Schulungen zu Fütterungsthemen anbieten. Mein Tipp: Schau dir vorher an, wer den Kurs gibt, wo derjenige herkommt und was er gelernt hat. Jeder vertritt auf seine Art eine bestimmte Philosophie. Ob sie auch für dich und deine Fellnase passt, kannst du am besten selbst beurteilen.
Manchmal muss man auch erst einen Weg gehen, der nicht zu einem passt, um das herauszufinden. Und weißt du was? Das ist überhaupt nicht schlimm – das ist menschlich. Am Ende zählt nur, dass du nicht in einer Situation stecken bleibst, die dir und deiner Fellnase nicht guttut.
Oder Verantwortung teilen: Wenn du dich selbst nicht tiefer mit der Materie auseinandersetzen möchtest, zieh einen Futterberater zu Rate. Damit lagerst du die Verantwortung ein Stück weit aus. Dich dann an den Plan zu halten und alles wie besprochen umzusetzen – das bleibt aber weiterhin deine Verantwortung.
Das richtige Futter zu finden, ist eine Mammutaufgabe. Ein Futterberater hat gute Hilfsmittel und Erfahrungswerte. Aber auch ich erlebe oft, dass die Theorie nicht immer zur Praxis passt und nicht immer alltagstauglich ist. Und das ist okay – dann gilt es, das Bestmögliche für Fellnase und Besitzer aus der Situation herauszuholen.
Was jeder Tierhalter wissen sollte
Das Tierschutzgesetz sagt, dass wir über entsprechendes Wissen zur Ernährung verfügen sollten. Und hier ist natürlich schwer eine Grenze zu ziehen – wann hat man genug Wissen?
Ich persönlich glaube: Es bedarf keiner Ausbildung zum Experten. Aber diese Grundlagen sollte meiner Meinung nach jeder haben, der ein Tier hält:
- Gewicht und Körperbau – erkennen können, ob das Tier im Idealbereich ist
- Futtermittelkunde – welche Futtermittel gibt es, und wie kann ich ein Futter hinsichtlich der Zusammensetzung beurteilen?
- Was ein Tier auf keinen Fall (regelmäßig oder überhaupt) fressen sollte
Und keine Sorge – auch wenn jeder Tierbesitzer dieses Wissen hätte, wären Experten wie ich noch lange nicht überflüssig. 😉
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