Folge #9 Achtung Futterfalle – warum du Influencern und (manchmal) Tierärzten nicht blind vertrauen solltest

Heute möchte ich über das Thema Futterempfehlungen sprechen. In meinen Beratungen erlebe ich sehr häufig, dass Futter und Zusätze nicht gut zusammenpassen oder nicht aufeinander abgestimmt sind. Und wenn ich dann frage, wie der eine oder andere Bestandteil auf dem Futterplan gelandet ist, lautet die Antwort häufig: „Das war eine Empfehlung von …“

Frage ich dann, auf welcher Grundlage die Empfehlung erfolgt ist, herrscht meistens Schweigen. Oder ich bekomme die Antwort: „Ja, das hat dem Tier von XY auch geholfen.“ Und wenn die Empfehlung von einem Tierarzt kam, geht man ja ohnehin davon aus, dass es das Beste für das Tier ist.

Die Produkte sind oft gar nicht schlecht – aber passen sie zu deinem Tier?

Ich möchte an dieser Stelle nicht sagen, dass die empfohlenen Produkte schlecht sind – viele davon sind sehr gut! Und trotzdem kann es sein, dass dieses Futtermittel nicht das Richtige für dein Tier in der aktuellen Situation ist.

Auch wenn ein Produkt dem Tier von jemand anderem geholfen hat, heißt das leider nicht, dass es automatisch auch deinem Tier hilft. Dein Tier hat oft ganz andere Voraussetzungen.

Das Grundfutter, die Bewegung, die bisherige Nährstoffversorgung, das Alter, die Haltung, die Rasse, der Gesundheitszustand – all das spielt eine Rolle bei der Auswahl der richtigen Futtermittel. Und all das wird bei einer pauschalen Empfehlung leider gar nicht berücksichtigt.

Ob ein Futter oder Zusatzmittel wirklich zu deinem Tier passt, hängt von mehr als einem Faktor ab. Genau hier liegt oft das Problem bei Empfehlungen: Es wird meistens nur ein Faktor aufgegriffen, hervorgehoben und als Empfehlungsgrundlage verwendet. Auch wenn ein Futter für ein spezielles Problem grundsätzlich geeignet ist, kann es trotzdem sein, dass es nicht zu den weiteren Bedürfnissen deines Tieres passt – oder zu dem übrigen Futter, das dein Tier bekommt.

Influencer-Empfehlungen sind Werbung – raffinierte Werbung

Wenn wir auf die Intention hinter Influencer-Empfehlungen schauen, sollte uns bewusst sein: Es handelt sich schlichtweg um Werbung.

Wir konsumieren täglich den Content vieler Petfluencer, nehmen an ihrem Leben mit den Tieren teil, fiebern mit – und haben immer ein Stück weit das Gefühl, dass wir diese Personen kennen, auch wenn wir sie nur über den Bildschirm sehen. Genau deshalb vertrauen wir ihnen. Und genau deshalb können sie Produkte bei uns platzieren.

Wenn das Mittelchen dann noch ein Problem behebt, das du vermeintlich auch hast, und obendrein zum Schnäppchenpreis mit Rabattcode zu haben ist, landet es ganz schnell im Warenkorb – und ein paar Tage später direkt in deinem Tier, in der empfohlenen Dosis.

Vielleicht schaust du noch kurz auf die Inhaltsstoffe, stellst fest, dass du sie im Grunde gar nicht wirklich beurteilen kannst, und denkst dann: Influencer XY hat ja gesagt, dass es gut ist. Also fütterst du es – mit der besten Absicht, deinem Tier etwas Gutes zu tun.

Und wenn ich dir jetzt sage, dass du deinem Tier mit diesem Vorgehen unter Umständen sogar schaden kannst, hörst du das bestimmt nicht gern. Das meine ich auch überhaupt nicht böse – ich unterstelle dir keinerlei Absicht und stelle deine Liebe zu deiner Fellnase nicht infrage.

Ich kritisiere vielmehr, dass hier die Aufklärung fehlt. Und ich möchte dich einladen, dein Futterwissen zu erweitern. Dass du diesen Podcast hörst, zeigt schon: Du machst dir Gedanken und bist bereit, dich zu informieren. Und das ist großartig.

Es gibt inzwischen gefühlt für sämtliche Themen Kurse, Webinare und Online-Programme. Physiotherapie und Zahnbehandlungen in regelmäßigen Abständen sind längst Standard geworden. Futterberatungen oder Kurse zur Rationsberechnung sind es hingegen noch nicht – hier werden Futtermittel wild gemixt, gekauft, weil die Verpackung schön aussieht, oder aufgrund von Empfehlungen von Laien, ohne zu hinterfragen, ob das Produkt wirklich zum eigenen Tier passt.

Und warum sehe ich manche Tierarzt-Empfehlungen kritisch?

Auch Tierarztpraxen kooperieren manchmal mit einem bestimmten Futtermittelhersteller und empfehlen dann ausschließlich dieses Futter. Das mag für manche gesundheitlichen Situationen funktionieren – aber ich habe noch keinen Tierarzt erlebt, der den Bedarf deines Tieres mit dem Inhalt der Futtermittel gegenüberstellt und dann schaut, ob noch etwas in der Ration fehlt.

Natürlich greift man auch auf Erfahrungswerte zurück, und vielen Tieren helfen die Empfehlungen tatsächlich – weil die Ration vorher eben auch nicht gut geeignet war. Aber das heißt ja nicht, dass man mit einer Bilanzierung nicht noch mehr herausholen könnte.

Natürlich gibt es auch Tierärzte, die sich auf das Thema Fütterung spezialisiert haben – das sind leider nur sehr wenige. Und ich möchte das gar nicht als Erwartungshaltung formulieren: Ein Tierarzt muss ohnehin schon genug wissen, und sein Fachgebiet ist nun einmal das Erkennen und Diagnostizieren von Krankheiten. Eine passende Rationsgestaltung ist zwar keine Raketenwissenschaft, aber sie ist aufwändig.

Ich würde es begrüßen, wenn Tierarztpraxen für dieses Thema eine Helferin ausbilden würden – oder einen Futterberater als Kooperationspartner hätten, an den sie Patienten bei Bedarf weiterleiten können.

Auch Blutwerte sind nur eine Momentaufnahme

Ein weiteres Thema, das ich kritisch sehe: Nährstoffe im Blut anzuschauen, um darüber Mängel oder Überversorgungen festzustellen. Das kann man machen – man sollte aber auch darüber aufklären, dass dies nur eine Momentaufnahme ist und schon am nächsten Tag ganz anders aussehen kann. Zudem werden nicht alle Mineralien über das Blut gleichermaßen angezeigt.

Man kann das als Marker ansehen – sollte dann aber immer noch zusätzlich die Ration prüfen, um ein Gesamtbild der Versorgung zu erhalten. Und genau das fehlt mir bei blinden Empfehlungen.

Das gilt übrigens auch für Empfehlungen durch Hufschmiede. Wie oft habe ich schon gehört, dass Schmiede irgendwelche Zusätze empfehlen, ohne die Gesamtration im Blick zu haben. Das kann gut gehen – kann aber auch dazu führen, dass du unnötig Geld ausgibst, weil es bei deinem Pferd nicht anschlägt, oder dass du in Kombination mit einem anderen Futtermittel sogar das Gegenteil bewirkst.

Mein Tipp für dich

Kaufe nicht blind ein empfohlenes Futtermittel.

Hinterfrage immer die Intention hinter der Empfehlung – bekommt derjenige Geld dafür, dass er sie ausspricht? Und prüfe immer, ob das Futtermittel in die Ration deines Tieres passt: entweder über den Futterberater deines Vertrauens, oder indem du dich selbst weiterbildest, damit du das künftig selbst einschätzen kannst.

Und an die lieben Influencer, die das hier hören: Seid so gut und erwähnt das bei euren Empfehlungen ebenfalls – dass die Besitzer immer schauen sollten, ob und in welcher Menge die Futtermittel zu ihren Tieren passen. Aus Liebe zu den Tieren.

Was ist deine Meinung zu dem Thema? Schreib es mir gerne in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht auf Instagram!

Shownotes

Mein kostenloses Angebot für dich:

  • Der kostenlose Check Finde in wenigen Minuten heraus, wie gut du dich mit der Fütterung deines Tieres auskennst – für Hund, Katze und Pferd. Ohne Anmeldung.
  • Kostenloses Kennenlerngespräch Du wünschst dir individuelle Unterstützung? In einem unverbindlichen Gespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich dir helfen kann.
  • Kostenlose E-Mail-Serie Praktische Impulse rund ums achtsame Füttern – Schritt für Schritt direkt in dein Postfach.
  • Kostenlos für dich Alle meine kostenlosen Helfer auf einen Blick – Ratgeber, Checklisten und Tools für Hund, Katze und Pferd.

Folge mir:

  • Instagram Tipps, Einblicke und Impulse rund um die Fütterung – begleite mich und meine Tiere im Alltag.

1 Kommentar zu „Folge #9 Achtung Futterfalle – warum du Influencern und (manchmal) Tierärzten nicht blind vertrauen solltest“

  1. Pingback: Folge #8 Die Frage aller Fragen – Wann ist ein Futter gut? – futterplanschmiede

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen