#48 – Tierkommunikation – wie soll das funktionieren? Caro von Holtzapfel klärt auf

Mit dem eigenen Tier sprechen – und eine Antwort bekommen?

Ich merke schon, wie manche von euch jetzt die Augenbraue hochziehen. Ging mir ganz genauso. Ich bin ja durch und durch jemand, der gerne mit Fakten arbeitet – Nährwerte, Rationen, das Messbare. Und Tierkommunikation klingt erstmal nach dem genauen Gegenteil.

Aber eine Kundin hat sich schon länger gewünscht, dass ich das Thema mal beleuchte. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto neugieriger bin ich geworden – vor allem, weil meine heutige Gästin einen Zugang hat, der mich angesprochen hat: bodenständig, ehrlich und ganz ohne Hokuspokus. Ich bin mit Skepsis in dieses Gespräch gegangen und deutlich nachdenklicher wieder herausgekommen.

Zu Gast in dieser Folge

Caro von Holtzapfel – Spuren im Herzen

Caro ist Expertin und Ausbilderin für Tierkommunikation und arbeitet seit 2019 damit. Sie war anfangs selbst sehr skeptisch – bis eine Verwandte über ein Foto mit ihrem Hund Sam „sprach“ und Dinge wusste, die sie nicht wissen konnte. Heute bietet Caro Einzelgespräche mit Tieren an und bildet selbst Tierkommunikator:innen aus. Wichtig ist ihr die klare Abgrenzung: bodenständig, für jeden erlernbar, ohne Esoterik.

Warum ist dir die Abgrenzung zur Esoterik so wichtig?

Caro

Weil Esoterik mit Tierkommunikation gar nichts zu tun hat. Wenn man das googelt, liest man von Geheimwissen oder okkulten Praktiken, die nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich sind. Weder das eine noch das andere trifft zu. Es ist für jeden zugänglich – jeder kann das wirklich lernen. Es ist keine göttliche Gabe und kein Geheimwissen. Spiritualität kann eine Rolle spielen, wenn das etwas für dich ist – aber sie muss es nicht. Ich unterrichte es genau so, wie es ist: etwas Bodenständiges, Klares.

Was ist Tierkommunikation – und wie muss ich mir das vorstellen?

Caro

Letztendlich ist es eine telepathische Verbindung zwischen Tier und Mensch – ein Gedankenaustausch, ein Gespräch. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn ich mit deinem Hund sprechen möchte, schickst du mir ein Foto, auf dem man die Augen gut erkennen kann. Die Augen kannst du dir vorstellen wie eine Telefonnummer: einzigartig, gibt es nur einmal auf der Welt. Darüber stelle ich den Kontakt zum Tier her.

Dabei werden alle Sinne angesprochen – es kann sich wie ein kleiner Tagtraum anfühlen: Du siehst Bilder, hast einen Geruch in der Nase, einen Geschmack, nimmst Emotionen und Worte wahr. Und dann kannst du einfach Fragen stellen, und das Tier antwortet. Kinder können das übrigens noch ganz selbstverständlich – bis es ihnen nach und nach abtrainiert wird.

Wo die Grenzen liegen – ganz klar benannt

Das war mir im Gespräch besonders wichtig, und Caro war da erfrischend deutlich:

Was Tierkommunikation ausdrücklich NICHT ist

  • Keine Wunderheilung. Kein „Ich sage es dem Hund, und morgen ist das Problem weg.“ So funktioniert es nicht.
  • Kein Verhaltens-Ausschalter. Es geht nicht darum, ein Verhalten von jetzt auf gleich abzustellen – sondern die Sichtweise des Tieres zu verstehen: Was ist die Motivation dahinter? Wie nimmt es die Situation wahr?
  • Kein Ersatz für Fachleute. Nicht für den Tierarzt, nicht für Physiotherapie, Heilpraktik oder Ernährungsberatung.

Caro sagt es unmissverständlich: „Wenn es deinem Tier schlecht geht, ist nie und in keinem Fall die Tierkommunikatorin die erste Anlaufstelle. Es ist immer der Tierarzt.“ Tierkommunikation ist ein Gespräch – und wir alle wissen, wie viel ein gutes Gespräch bewirken kann. Aber es bleibt ein Gespräch, keine Behandlung.

Womit kommen Menschen typischerweise zu dir?

Caro

Das reicht vom einfachen „Check-in“ – einmal reinhören, was das Tier gerade beschäftigt – bis zu ernsteren Themen. Oft geht es um Verhalten, das sich plötzlich ändert oder untypisch ist: Hundebegegnungen, ein Pferd, das den Sattel nicht mehr rauflässt, Alleinbleiben. Oder der Klassiker aus dem Hundesport: Im Training bombastische Leistung, beim Turnier nur noch zehn Prozent – und niemand weiß, warum.

Wie läuft so ein Gespräch konkret ab?

Caro

Komplett aus der Ferne – bequem für alle, jeder bleibt in seiner gewohnten Umgebung.

  1. 1

    Du buchst einen Termin und bekommst eine Bestätigung mit allen Infos. Die Fragen überlegst du dir bis dahin selbst – vorher brauche ich sie gar nicht.

  2. 2

    Zum Termin rufe ich dich an, wir besprechen kurz deine Fragen.

  3. 3

    Dann lege ich das Telefon zur Seite und spreche mit dem Tier – so viele Fragen, wie es gerade mag und an Raum braucht.

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    Ich nehme das Telefon wieder auf und erzähle dir alles. Du kannst direkt nachfragen: Was meint er damit? Wie lösen wir das? Was ist der nächste Ansatz?

Und dann kam mein Lieblingsthema: das Futter

Als Ernährungsberaterin wurde ich natürlich neugierig, ob Caro das Thema Fütterung in ihren Gesprächen begegnet. Und hier wurde es für mich richtig spannend – weil sich unsere beiden Welten plötzlich berührten.

Caro

Relativ häufig, gerade bei Hunden und Pferden. Manchmal sind es simple Dinge – ein Wunsch nach einem Lieblingsleckerli, das es früher mal gab. Aber es kann auch tiefer gehen: Man kann das Tier fragen, was es braucht, um sich gesund zu fühlen. Auch die Häufigkeit der Mahlzeiten – ist das ein Tier, dem ein Fastentag guttut, oder eines, das mehrere kleine Mahlzeiten bevorzugt? Das ist wie bei uns Menschen: Der eine kann morgens nichts frühstücken, der andere braucht ein großes Frühstück, damit der Kopf funktioniert.

Und was immer wieder kommt: das Napfmaterial – Plastiknäpfe sind spannenderweise nicht wirklich beliebt. Oder sogar der Standort des Napfes.

Claudia

Das fand ich fast schon lustig – weil ich genau damit arbeite! Ich mache den Leuten verschiedene Vorschläge zum Ausprobieren, und Napfmaterial und Napfstandort sind dabei ganz häufig ein Thema. Nur: Ich muss es durchprobieren lassen. Wenn man einfach fragen könnte, würde das eine Menge Zeit sparen.

Caro

Genau. Ich hatte mal einen Hund, dessen Napf direkt an der Terrassentür stand – und Frauchen ging beim Fressen ständig raus. Das hat ihn so gestört, dass er aufgehört hat zu fressen. Napf umgestellt – und er frisst wieder wie ein Scheunendrescher.

Wie ergänzen sich eure so unterschiedlichen Zugänge – faktenbasierte Fütterung und Beziehungsebene?

Caro

Es ist wirklich ein Hand-in-Hand-Gehen. Weder ersetzt das eine das andere, aber sie ergänzen sich wunderbar. Ernährung ist eine so wichtige Säule in der Versorgung – „du bist, was du isst“ trifft auch aufs Tier zu. Man kann den Hund fragen, was er gerne fressen würde. Sagt er „Kartoffeln und Zucchini“, kann man sagen: okay, machen wir – aber wir brauchen das und das dazu, damit der Nährstoffbedarf gedeckt ist. Denn das kann das Tier nicht beurteilen. Genau da kommst dann du ins Spiel.

Das Tier kann sagen, was es mag. Ob die Ration ausgewogen ist, kann es nicht wissen. Genau da ergänzen sich Beziehung und Fakten.

Wir haben dann noch festgestellt, dass wir beide Tiere kennen, die erstaunlich gut wissen, was sie brauchen. Caro hat über sieben Jahre eine Hündin begleitet, die sie liebevoll „Dr. Tess“ nannte – sie schien genau zu wissen, welche Kräuter und Ergänzungen ihr guttun. Und ich habe von einem Pferd erzählt, das einen Teil seines Mineralfutters liegen lässt, sobald sein Bedarf gedeckt ist – was seine Besitzerin anfangs total verunsichert hat, bis wir durch viel Beobachten gemerkt haben: Es hat einfach ein sehr gutes Gespür. Wobei – und das ist mir als Faktenmensch wichtig – so etwas kann individuell von den rechnerischen Werten abweichen, und man sollte gut hinschauen, ob es wirklich Bedarf oder nur Zufall ist.

Eine Geschichte, die im Gespräch hängen blieb

„Auch das ist ein Triumph“

Caro erzählte von einem sehr geräuschempfindlichen Hund, dessen Halterin nicht mehr weiterwusste. Gemeinsam fanden sie Ansätze – und der Hund sagte etwas, das sie sehr berührt hat: Es werde Tage geben, an denen die beiden es schaffen, die Situation auszuhalten – und Tage, an denen es nicht klappt. Und beides sei ein Triumph. Denn an den schweren Tagen sei man ehrlich zueinander und gehe gemeinsam aus der Situation. „Das sind halt keine Maschinen“, sagte Caro. Nein – es sind Lebewesen wie wir. Manche Tage funktionieren, andere nicht. Und trotzdem ist es ein Sieg.

Am Ende verbindet uns alle derselbe Wunsch: unser Tier wirklich zu verstehen.

Mein Fazit

Ich gebe es ehrlich zu: Ich bin mit einer gewissen Skepsis in dieses Gespräch gegangen – und deutlich nachdenklicher und neugieriger wieder heraus. Was ich besonders schätze, ist Caros ehrliche, bodenständige Art: kein Versprechen von Wundern, sondern der Wunsch, das Tier besser zu verstehen. Ob über den Napf, über den Trog, über das Gespräch – oder über alles zusammen: Es geht immer darum, unserem Tier ein gutes Leben zu ermöglichen.

Ob Tierkommunikation etwas für dich ist, darfst du ganz für dich entscheiden. Caros Einladung fand ich schön: erst selbst ausprobieren, dann urteilen. Genauso halte ich es beim Futter – ausprobieren, beobachten, und schauen, was zu deinem Tier passt.

Shownotes

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