#44 – Villa Hinkefuß – ein Zuhause für die Hunde, die sonst niemand sieht“ -Interview mit Petra Schönle

Eine Herzensfolge – über die Rettung von Hunden, die sonst niemand sieht.

Heute habe ich einen ganz besonderen Gast: Petra Schönle von der Villa Hinkefuß. Und dieses Gespräch ist auch für mich persönlich etwas Besonderes – denn Petra hat uns damals unsere erste Hündin Wicky vermittelt. Sie hat ein ganz besonderes Gespür dafür, welcher Hund zu welchem Menschen passt, und das durfte ich am eigenen Leib erfahren.

Deshalb möchte ich in dieser Folge nicht über Futter im engeren Sinne sprechen, sondern Petra und ihrer Arbeit eine Bühne geben. Denn was sie tut, verdient Aufmerksamkeit – und Unterstützung.

Zu Gast in dieser Folge

Petra Schönle – Villa Hinkefuß

Petra, Baujahr 1971, betreibt am linken Niederrhein die Villa Hinkefuß – eine kleine Oase für Hunde mit Handicap: von dreibeinig bis gelähmt. Seit über 20 Jahren ist sie im Auslandstierschutz aktiv, inzwischen mit einem kleinen, feinen Team und einem neu gegründeten (nicht eingetragenen) Verein. Der Schwerpunkt liegt bewusst auf den Hunden, die sonst kaum eine Chance haben.

Wie bist du überhaupt zum Auslandstierschutz gekommen?

Petra

Das hat vor langer Zeit angefangen, als ich mir in Deutschland einen zweiten Hund suchen wollte. Ich bin durch ganz viele Tierheime quer durch Deutschland gefahren und habe nirgendwo einen Hund bekommen – meist mit der Begründung, ich sei berufstätig und könne mich nicht ausreichend kümmern. Was natürlich Quatsch war.

Über diese Suche bin ich dann auf eine ausländische Organisation gestoßen, damals eine griechische. Ich habe für sie Vorkontrollen gemacht, wurde Pflegestelle und bin immer tiefer hineingerutscht. Später kamen über Facebook die Rumänen dazu. Irgendwann habe ich meinen eigenen Weg gemacht und betreibe den Tierschutz jetzt autark – inzwischen seit über 20 Jahren.

Worauf konzentriert ihr euch heute?

Petra

Wir sind ein wirklich kleines, feines Team und konzentrieren uns hauptsächlich auf die Rettung gehandicapter oder alter Hunde – gerade die, die keine Chance haben und nicht gesehen werden. Gelähmte Hunde haben generell kaum eine Chance, irgendwo unterzukommen. Aber auch verletzte Hunde, die ein Bein verloren haben, tun sich in der Vermittlung schwer. Zumal wir in Deutschland inzwischen mit sehr hohen Tierarztkosten kämpfen – solche Hunde schrecken einfach ab. Genau diesen Hunden wollen wir eine Plattform bieten.

Du bist ein bis zweimal im Jahr in Rumänien. Wie erlebst du die Situation vor Ort?

Petra

Wenn wir aus dem Flieger steigen, ist es eine komplett andere Welt – das kann man mit Deutschland gar nicht vergleichen. Überall streunende Hunde, wie man es auch aus Spanien oder Griechenland kennt. Viele fragen: Warum machst du das in Rumänien? Genau deshalb. Es sind einfach so viele Hunde auf der Straße.

Das Wichtigste überhaupt sind die Kastrationen, um die Welpenflut zu stoppen. Wir sind nur ein ganz kleines Lichtchen dort – es gibt sehr viele und auch große Vereine –, aber in unserem Rahmen machen wir eben auch Kastrationsaktionen. Wir arbeiten drüben mit zwei Damen zusammen, die uns Fälle melden. Und wenn wir selbst da sind, füttern wir Streuner und besuchen die Leute, mit denen wir arbeiten, um ihnen Rückhalt zu geben.

In welchem Zustand kommen die Hunde an – und was haben sie vorher gefressen?

Petra

Viele leben wirklich auf der Straße: unterernährt, mit Haut- und Fellproblemen. Das Schlimmste sind die angefahrenen Tiere, die dann gelähmt sind. Die Menschen dort sind arm, die Schere zwischen Arm und Reich ist groß. Viele können sich kein Futter leisten und füttern von Essensresten. Brot ist drüben ein großes Thema – große Laibe, die der Bäcker am nächsten Tag günstig abgibt, werden in Milch oder Brühe getunkt und verfüttert.

Wenn wir einen Hund aufnehmen, muss er geimpft und kastriert werden – das heißt, er ist mindestens drei Wochen, meist länger, in einer Klinik untergebracht, mit der wir zusammenarbeiten. Da ist das Futter schon besser. Aber in der Rudelhaltung kommt der eine oder andere Hund nicht gut ans Futter, und das wird nicht überwacht. Viele kommen deshalb unterernährt zu uns und müssen erst lernen, dass sie regelmäßig etwas bekommen. Manche kennen nur Trockenfutter und nehmen anfangs gar nichts anderes an.

Bei Handicap-Hunden – worauf achtest du zuerst?

Petra

Im ersten Moment ist nicht der Magen-Darm-Trakt das Wichtigste, sondern Blase und Niere. Viele Vereine sagen, diese Hunde könnten selbstständig Kot und Urin absetzen – das ist schlichtweg gelogen. Es kommt zwar raus, aber nicht bewusst. Gerade das Blasenmanagement ist enorm wichtig. Ich versuche solche Hunde möglichst schnell zu uns zu holen, damit keine Nierenschäden entstehen. Das Essen kann ich korrigieren, wenn der Hund hier ist – aber die Nieren nicht.

💛 Was „Rolli-Hunde“ wirklich sind

Ein Herzensanliegen von Petra: Rollstuhl-Hunde sind nicht die „armen Hunde“. Im Gegenteil – sie stecken voller Lebenslust. Aktuell leben acht Rolli-Hunde bei ihr. Sie brauchen regelmäßige Physiotherapie, tierärztliche Kontrollen und mindestens einmal jährlich eine Überprüfung der Nierenwerte. Wer es nicht glaubt, darf sich das ausdrücklich gerne vor Ort ansehen.

Wenn ihr die Hunde hier hochwertiger füttert – gibt es Verdauungs- oder Gewichtsprobleme?

Petra

Die Hunde kommen oft ausgehungert an und hauen erstmal rein. Eine Verbesserung sieht man auf jeden Fall. Weil sie drüben aber alles Mögliche gefressen haben, hat man schon mal eine Zeit lang mit Durchfall zu kämpfen. Das legt sich aber meistens. Es ist von Hund zu Hund verschieden – je nachdem, wo sie herkamen und wie lange sie auf der Straße waren.

Claudia

In meinen Beratungen habe ich sehr häufig mit genau solchen Hunden zu tun. Oft bestehen Unverträglichkeiten, und dann ist es schwierig herauszufinden, was sie bisher überhaupt noch nicht gefressen haben – was für eine Ausschlussdiät ja wichtig ist. Deshalb empfehle ich: erst einmal das geben, was der Hund auf der Pflegestelle bekommen hat, über einen längeren Zeitraum, bis er sich gut eingewöhnt hat. Und dann Schritt für Schritt langsam umstellen.

Der erste Schritt ist nie das perfekte Futter – der erste Schritt ist, dass das Tier ankommt.

Was gibst du neuen Besitzern mit auf den Weg?

Petra

Ich habe zu 98 Prozent wirklich tolle Leute, da kann man kaum etwas falsch machen. Hund und Mensch müssen sich eingrooven, die Fütterung muss sich eingrooven. Wichtig ist: Wenn ich weiß, ein Hund ist futterneidisch, sage ich das den Leuten – damit es nicht gleich in den ersten Tagen Stress gibt, weil alle Näpfe nebeneinanderstehen. Gerade Hunde, die lange entbehrt haben, brauchen oft lange, bis sie verstehen: Wir werden immer satt.

Und mein Tipp beim Futter: nicht direkt den 50-Kilo-Sack kaufen, sondern erst kleine Mengen ausprobieren, wie der Hund darauf reagiert.

Claudia

Was ich manchmal erlebe, ist ein bisschen Ungeduld – gerade, wenn die Hunde noch nicht viel können oder erlebt haben. Dann kommt Frust auf, wenn nicht alles sofort klappt. Dabei brauchen sie einfach Zeit. Meine haben mir alle gezeigt: mit möglichst wenig Druck funktioniert es am besten. Beim Thema ins Auto einsteigen zum Beispiel – je mehr Druck ich rausgenommen habe und je mehr ich schon kleine Schritte gefeiert habe, desto eher haben sie mir das Einsteigen irgendwann von ganz allein geschenkt.

Weniger Druck, mehr Zeit – dann schenken sie es dir von allein.

Gibt es eine Geschichte, die dich besonders berührt hat?

Petra

Ja. Letztes Jahr kam ein Hund von der Straße, angefahren. Ich bin hart im Nehmen und kann viel ertragen – aber als ich die Fotos sah, bin ich fast umgefallen. Dass dieser Hund überhaupt noch lebte, war ein Wunder. Ich habe ihn sofort in eine andere Klinik verlegen lassen und dachte, es würde Jahre dauern, bis man ihn überhaupt ansehen kann. Aber die Klinik hat großartige Arbeit geleistet – nach drei Monaten konnten wir ihn in einem sehr guten Zustand ausreisen lassen.

Eine Followerin, die schon mehrere Hunde von uns hat, kam zu Besuch, sah ihn und sagte: „Der ist meiner, ich nehme ihn mit.“ Er hat bei dem Unfall ein Bein verloren, ist jetzt Dreibeiner – wird im Buggy gefahren, getragen und geliebt. Einfach schön.

🐾 So kannst du die Villa Hinkefuß unterstützen

Der Verein ist rein privat organisiert und wird nicht öffentlich gefördert. OPs in Rumänien, Unterbringung, Transporte, Impfungen und die laufende Versorgung der acht Rolli-Hunde (Physiotherapie, Nierenkontrollen) werden ausschließlich über Spenden finanziert.

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Und Unterstützung ist nicht nur finanziell möglich:

🖐️

Tatkräftig helfen: Wer in der Nähe von Kevelaer wohnt, kann mitmachen – vom Gassigehen bis zum Einstieg ins Team. Helfende Hände sind immer willkommen.

👀

Vorbeikommen & überzeugen: Im Tierschutz wird viel Vertrauen gebraucht. Petra hat kein Problem damit, wenn Leute sich vorab ansehen möchten, wohin ihre Unterstützung geht – und dabei erleben, wie viel Lebenslust Rolli-Hunde haben.

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Teilen & folgen: Schon das Weitererzählen hilft. Das Team ist klein und kommt kaum zum Posten – jede geteilte Geschichte bringt einen Hund seinem Zuhause näher.

Liebe Petra, danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Ich drücke dir und deinen Hunden ganz fest die Daumen – und hoffe, dass meine Reichweite euch ein bisschen Unterstützung bringen kann.

Shownotes

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