Sommer, Sonne, Stallalltag – und irgendwo im Stall hängt der Salzleckstein. Aber reicht der eigentlich aus? Gerade im Sommer, wenn die Temperaturen steigen und die Belastung zunimmt, lohnt es sich, da mal genauer hinzuschauen.
Denn ein Thema wird meiner Meinung nach oft zu schnell abgehakt: Salz. Der Leckstein hängt im Stall, das Pferd leckt ab und zu dran – passt. Und ja, das ist schon mal eine gute Grundlage. Aber es lohnt sich zu verstehen, warum das im Sommer manchmal eben nicht die ganze Geschichte ist.
Warum Salz im Sommer so wichtig ist
Wenn dein Pferd schwitzt – und das tut es im Sommer deutlich mehr als im Winter, bei der Arbeit, aber auch einfach auf der Weide, wenn es richtig heiß ist – dann verliert es nicht nur Wasser. Es verliert gleichzeitig Elektrolyte. Und der wichtigste Elektrolyt ist Natrium. Also Salz.
Natrium übernimmt im Körper des Pferdes ziemlich grundlegende Aufgaben:
- Es ist wichtig für die Muskelarbeit.
- Es ist wichtig für die Nervenfunktion.
- Es sorgt dafür, dass der gesamte Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht bleibt.
Kurz gesagt: Ohne ausreichend Natrium läuft der Organismus nicht rund. Im Sommer steigt dieser Verlust deutlich an – durch höhere Temperaturen, intensivere Arbeit, einfach mehr Schwitzen insgesamt.
Deshalb gilt: Dein Pferd sollte jederzeit Zugang zu einem Salzleckstein haben. Nicht nur im Winter, nicht nur wenn es gerade viel arbeitet – sondern grundsätzlich, das ganze Jahr, und im Sommer ganz besonders.
Der Leckstein gibt deinem Pferd die Möglichkeit, seinen Grundbedarf selbst zu regulieren. Das ist ein einfaches und bewährtes Prinzip – und ein guter Startpunkt.
Wann der Leckstein allein nicht mehr ausreicht
Und jetzt kommt der Teil, den ich dir wirklich mitgeben möchte. Denn der Leckstein ist eine gute Basis – in bestimmten Situationen aber eben nur das: eine Basis.
Das hat mit der Art und Weise zu tun, wie Pferde einen Leckstein nutzen. Dein Pferd entscheidet selbst, wann und wie viel es leckt. Das klingt erst mal sinnvoll. Aber:
- Die Aufnahme ist nicht steuerbar und nicht planbar. Das Pferd leckt nach Appetit – und der orientiert sich nicht immer genau am tatsächlichen Bedarf in diesem Moment.
- Pferde nehmen sehr unterschiedlich viel auf. Manche reiben den Leckstein in wenigen Wochen runter, andere lecken kaum dran. Das sagt wenig über ihren tatsächlichen Bedarf aus.
- Der Bedarf schwankt stark. An einem ruhigen Weidetag bei angenehmen Temperaturen braucht dein Pferd deutlich weniger als nach einem langen Turniertag bei 30 Grad und mehreren Starts.
Genau in solchen Situationen – Turnier, intensive Trainingsphase, anhaltende Hitze – solltest du aktiv werden und Salz gezielt ergänzen. Nicht warten, bis vielleicht etwas nicht stimmt, sondern vorausschauend handeln.
Wie du Salz gezielt ergänzt
Zum Glück ist das gar nicht kompliziert. Die einfachste Möglichkeit: Speisesalz direkt übers Futter geben. Ja, ganz normales Speisesalz – das reicht für den Anfang vollkommen aus.
Als grobe Orientierung kannst du mit 10 bis 30 Gramm täglich starten, je nach Größe deines Pferdes und der aktuellen Belastung. Das ist kein fester Wert, sondern ein Ausgangspunkt – der individuelle Bedarf kann abweichen.
Gerade vor und während intensiver Phasen oder bei hohen Temperaturen macht das Sinn. Du kannst auch schon ein paar Tage vor einem Turnier anfangen, damit der Körper gut versorgt in die Belastung geht.
Und noch ein wichtiger Punkt: Schau auch auf die Wasseraufnahme. Natrium und Wasser hängen eng zusammen – ein Pferd, das gut mit Salz versorgt ist, trinkt in der Regel auch ausreichend. Das ist im Sommer und bei Belastung besonders wichtig.
Und dann: Elektrolyte
Speisesalz liefert vor allem Natrium. Bei sehr hoher Belastung, langen Turniertagen oder extremer Hitze kann es sinnvoll sein, auf ein spezielles Elektrolytpräparat zurückzugreifen – denn da sind noch weitere Mineralstoffe enthalten, die beim Schwitzen ebenfalls verloren gehen, zum Beispiel Kalium.
Das ist aber wirklich für spezifische Situationen gedacht. Als allgemeine Sommerergänzung ist Speisesalz erst mal der richtige und unkomplizierte Einstieg. Elektrolytpräparate kommen dann ins Spiel, wenn die Anforderungen wirklich hoch sind.
Und auch hier gilt: Der Bedarf ist individuell. Was für das eine Pferd passt, muss für ein anderes nicht stimmen. Trainingszustand, Stoffwechsel, Temperatur, Intensität – das spielt alles eine Rolle.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Salzleckstein immer zur Verfügung stellen – das ist die Grundlage, das ganze Jahr über.
- Im Sommer, bei Turnier oder intensiver Arbeit und hohen Temperaturen: aktiv werden und Salz gezielt ergänzen (10–30 g Speisesalz als Orientierung).
- Bei sehr hoher Belastung können Elektrolytpräparate eine sinnvolle Ergänzung sein.
- Wasseraufnahme im Blick behalten – Natrium und Wasser hängen eng zusammen.
Das Schöne daran: Es ist kein großer Aufwand. Ein bisschen Speisesalz übers Futter – und du tust damit im Sommer schon eine ganze Menge für dein Pferd.
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