Es ist so weit: Der Fellwechsel ist in vollem Gange, und mich erreichen wieder vermehrt Anfragen, wie man die geliebten Fellnasen in dieser „schweren Zeit“ am besten unterstützen kann.
Und das aus gutem Grund: Die Influencer und Futtermittelanbieter geben zu dieser Zeit wieder alles, um das ein oder andere Wundermittel an den Mann zu bringen. Mit jeder Werbung wird die Aussage, dass eine Unterstützung im Fellwechsel so wahnsinnig wichtig sei, weiter in die Köpfe der Menschen gepflanzt. Die Pferdewelt ist davon deutlich heftiger betroffen als die Hundewelt – wobei das Folgende im Grunde auch auf Hunde bezogen werden kann.
Du merkst schon: Ich halte nicht besonders viel von diesem Trend. Und ich möchte dir in dieser Folge auch erklären, warum.
Der Fellwechsel ist nur der letzte Schritt
Zunächst einmal: Der Fellwechsel, den wir jetzt bei den Tieren erleben, ist der letzte Schritt eines langen Prozesses. Denn die Produktion der Haare läuft bereits seit einigen Monaten im Körperinneren ab. Was wir als Fellwechsel bezeichnen, ist im Grunde nur der Moment, in dem die alten Haare abgestoßen werden und die bereits neu erzeugten Haare nachrücken.
Zudem ist dieser Prozess nichts Außergewöhnliches, sondern ein ganz natürlicher Vorgang im Körper, den es bereits seit Hunderten von Jahren gibt.
Um die Haarbildung zu unterstützen, sind wir jetzt also schon viel zu spät dran – denn die läuft bereits seit 3 bis 7 Monaten. Da hätten wir wesentlich früher anfangen müssen, sofern denn überhaupt eine Unterstützung nötig wäre.
Warum die Werbeversprechen nicht halten, was sie sagen
Da wird dann gesagt, man müsse mehr füttern, den Stoffwechsel entgiften oder Zink ergänzen. Dafür gibt es hier eine Saftkur, dort ein Pülverchen oder noch ein Bundle, das natürlich zufällig auch gerade im Angebot ist.
Aber mal im Ernst: Der Fellwechsel soll der Grund sein – aber warum genau man dann die Leber entgiften oder den Stoffwechsel unterstützen soll, das erzählt uns am Ende keiner. Und warum nicht? Weil es keinen plausiblen Grund dafür gibt.
In der Fachliteratur findet man allerhand Gründe, wann sich der Nährstoffbedarf von Tieren ändert – der Fellwechsel wird dort in diesem Zusammenhang jedoch nicht erwähnt. Diese Aussagen zum Thema Fellwechsel finden sich immer nur in der Werbung.
Und mal ganz ehrlich: Wenn das Tier bereits 3 bis 7 Monate vor dem Fellwechsel mit der Bildung neuer Haarfollikel beginnt, dann macht es doch viel mehr Sinn, das Tier dauerhaft bedarfsgerecht zu ernähren. Dann ist dieser angeblich so schwere Prozess nämlich überhaupt nicht schwer für dein Tier, sondern ganz natürlich.
Die Leber hat im Übrigen nichts mit der Bildung neuer Haarfollikel zu tun und muss deshalb auch nicht entgiftet werden. Wenn man allerdings das x-te Wundermittel verwendet und das Tier damit zeitweise mit einigen Mineralien und Spurenelementen deutlich überversorgt, dann könnte das im Nachgang eventuell schon Sinn machen …
Was mich an der ganzen Geschichte am meisten ärgert: Keiner dieser Hersteller klärt darüber auf, dass wildes Kombinieren unterschiedlicher Futtermittel auch nach hinten losgehen kann und diese immer aufeinander abgestimmt werden sollten. Im Alltag ist das an vielen Stellen gar nicht umsetzbar, weil den meisten das Wissen fehlt, so eine Beurteilung vorzunehmen. Ich kann dir nur raten, dir das entsprechende Grundwissen für die Rationsberechnung anzueignen oder dir einen Futterberater zu suchen, der dich bei der Rationsgestaltung unterstützt. Die Angaben der Hersteller geben leider oft nicht genug Aufschluss, um als Laie eine abschließende Beurteilung durchzuführen.
Warum manche Tiere trotzdem angeschlagen wirken
Vielleicht fragst du dich jetzt, warum manche Tiere genau in dieser Zeit einen abgeschlagenen Eindruck machen, warum die Haut schuppiger ist als sonst und das Stresslevel steigt.
Die klimatischen Schwankungen: Passend zum Abwurf des Fells haben es die Tiere mit den beiden gravierendsten klimatischen Veränderungen im Jahr zu tun. Im Frühling Schwankungen von kalt zu plötzlich warm und wieder zurück – im Herbst dasselbe andersherum. Natürlich geht so etwas nicht unbemerkt an den Tieren vorbei, vor allem, wenn sich das Haarkleid noch nicht auf die neuen Temperaturen eingestellt hat.
Die Futterumstellung im Frühjahr: Hier kommt hinzu, dass das Gras wächst und die Pferde schon danach gieren, ihren Nährstoffbedarf über frisches Futter zu decken. Das Heu aus dem Vorjahr verliert im Laufe der Lagerung an Nährstoffen und ist nicht mehr so gehaltvoll wie am Anfang. Bis das Pferd seinen Bedarf über Frischfutter decken kann, vergehen aber einige Wochen – das Gras muss schließlich erst wachsen und die Pferde müssen wieder daran gewöhnt werden. Die Futterumstellung ist für den Körper – im Gegensatz zum Fellwechsel – tatsächlich eine Herausforderung und sollte deshalb so schonend wie möglich gestaltet werden. Das Warten kann Stress auslösen, was wiederum oft dem Fellwechsel zugeschrieben wird.
Die schuppige Haut: Auch beliebt ist, schuppige Haut auf „Fellwechselprobleme“ zurückzuführen. Dabei ist auch das ganz normal: Im Zuge des Haarwechsels löst sich vermehrt der Talg, den das Tier als Schutz vor Regen und Wind gebildet hat.
Es handelt sich also oft um zufällig zeitgleich auftretende andere Themen, die dem Fellwechsel zugeschrieben werden – natürlich immer mit dem Hintergedanken, dem ahnungslosen Besitzer, der sein Tier bestmöglich unterstützen möchte, etwas zu verkaufen.
Mein Tipp
Spar dir das Geld für das x-te Pülverchen, das gerade günstige Fellwechsel-Bundle oder das Wundermittel – und investiere lieber langfristig in eine auf dein Tier abgestimmte Fütterung.
Als Pferdebesitzer empfehle ich dir dafür auf jeden Fall, eine Heuanalyse machen zu lassen, einen Rationsberechnungskurs zu belegen oder einen Futterberater zu Rate zu ziehen.
Ich wünsche dir und deinem Tier alles Gute für die Fellwechselzeit. Und denk daran: Am anstrengendsten ist das Ganze eigentlich für dich – denn du darfst dich schließlich tagtäglich abmühen, das Fell auszubürsten.
Aber halte durch, es ist bald geschafft. Und dein Tier beginnt bereits mit der Entwicklung der neuen Haarfollikel für die nächste Fellwechselrunde …
Shownotes
Mein kostenloses Angebot für dich:
- → Der kostenlose Check Finde in wenigen Minuten heraus, wie gut du dich mit der Fütterung deines Tieres auskennst – für Hund, Katze und Pferd. Ohne Anmeldung.
- → Kostenloses Kennenlerngespräch Du wünschst dir individuelle Unterstützung? In einem unverbindlichen Gespräch schauen wir gemeinsam, ob und wie ich dir helfen kann.
- → Kostenlose E-Mail-Serie Praktische Impulse rund ums achtsame Füttern – Schritt für Schritt direkt in dein Postfach.
- → Kostenlos für dich Alle meine kostenlosen Helfer auf einen Blick – Ratgeber, Checklisten und Tools für Hund, Katze und Pferd.
Folge mir:
- → Instagram Tipps, Einblicke und Impulse rund um die Fütterung – begleite mich und meine Tiere im Alltag.

Pingback: Folge #4 – Verzweiflung in der Fütterung – futterplanschmiede