Ein Gespräch mit einer sehr bemühten Tierbesitzerin hat mich inspiriert, diese Folge aufzunehmen. Und ich glaube, das Gefühl, um das es heute gehen soll, kennt wahrscheinlich jeder: Verzweiflung bei der Fütterung.
Ich selbst bin schon sehr oft mit diesem Gefühl in Berührung gekommen.
Ich war verzweifelt, weil ich nicht wusste, was ich füttern soll oder kann – weil ich die Deklarationen nicht verstanden habe und auch nicht wusste, woran ich festmachen kann, ob ein Futter gut ist oder ob es gut passt.
Ich war verzweifelt, weil ich fast täglich das Futter entsorgen musste, weil mein Hund es nicht gefressen hat.
Ich war verzweifelt, weil meine zu dicke Katze nichts anderes als Trockenfutter angepackt hat.
Ich war verzweifelt, weil mein Hund sich ständig gejuckt und die Pfoten aufgebissen hat.
Ich war verzweifelt, weil das tägliche Kochen und Zubereiten des Futters so anstrengend und zeitraubend war, dass es mich richtig fertiggemacht hat.
Ich war verzweifelt, weil ich dachte, ich kann mir das Futter, das meine Tiere benötigen, dauerhaft gar nicht leisten.
Ich war verzweifelt, weil ich es manchmal im stressigen Alltag nicht schaffe, meine Pläne zu 100 % umzusetzen.
Die vorhin erwähnte Tierbesitzerin war sehr verzweifelt, weil sie sich bereits ganz viel Mühe gibt, für ihr Tier gute Entscheidungen zu treffen – es aber immer noch Dinge gibt, die nicht optimal sind und die sie nicht beeinflussen kann oder aus anderen Gründen nicht noch weiter verbessern kann.
Warum warst oder bist du verzweifelt beim Thema Futter für dein Tier? Schreib es gerne in die Kommentare oder hinterlasse mir eine Nachricht auf Instagram.
Du bist mit deiner Verzweiflung nicht allein
Zunächst einmal: Du bist mit deiner Verzweiflung nicht alleine. Und es ist absolut legitim, auch mal verzweifelt zu sein. Auch wenn es sich blöd anfühlt – es gehört dazu. Und es ist meistens der Moment, in dem unser Leidensdruck so hoch wird, dass wir beschließen, etwas zu verändern oder eine andere Lösung zu finden.
Und glaub mir: Es gibt für alles eine Lösung. Ob uns diese Lösung immer gut gefällt, kann ich nicht versprechen – aber es gibt immer Möglichkeiten, an der Situation etwas zu verändern. Oder alternativ die eigene Einstellung zu verändern.
So war es bei mir mit dem Podcast: Letztes Jahr war ich noch irgendwie der Überzeugung, ich kann ihn nur dann fortsetzen, wenn ich es schaffe, wöchentliche Folgen zu veröffentlichen. Jetzt habe ich meine Einstellung zu dem Thema geändert – und jetzt, wo dieser Druck raus ist, kann ich ganz anders an das Thema herangehen.
Die Verzweiflung war es auch, die mich 2017 dazu getrieben hat, die Ausbildung zur Pferdeernährungsberaterin zu absolvieren. Heute kann ich mit diesem Wissen nicht nur meinem Pferd, sondern auch vielen weiteren helfen. Und die Verzweiflung war es ebenso, die mich dazu gebracht hat, Alternativen für die Zubereitung zu suchen, die es mir im Alltag leichter machen und meinen Tieren dennoch das geben, was sie brauchen.
Wenn der eigene Perfektionismus kickt
Manchmal ist man auch verzweifelt, weil der eigene Perfektionismus zuschlägt – so wie bei der erwähnten Tierbesitzerin. Ihr durfte ich heute vor Augen führen, was sie schon alles erreicht hat, und dass man mit den letzten paar Prozent, die nicht perfekt laufen, manchmal auch Frieden schließen muss – solange es dem Tier dabei gut geht.
Mit der Anschaffung haben wir die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen, das nur mit unserer Hilfe überleben kann. Das ist schon eine krasse Verantwortung, und die wiegt manchmal schwer – vor allem, wenn wir nicht wissen, wie wir eine Situation verändern können, in der es unserem geliebten Tier nicht gut geht.
Was mir hilft, wenn ich nicht weiterweiß
Mir hilft es dann immer, erst einmal kurz Abstand von der Situation zu nehmen und sie von außen zu betrachten. Ich frage mich dann: Was würde ich einem Freund oder einer Freundin in der gleichen Situation raten?
Das hilft mir, einen klaren Blick auf das Problem zu bekommen. Und dann kann ich in der Regel auch einschätzen, wie schlimm es wirklich ist – oder ob ich mich nur ein bisschen im eigenen Perfektionismus verrannt habe.
Und manchmal hilft es einfach, sich mit einem Experten auf dem Gebiet auszutauschen, der objektiv einschätzen kann, ob und wie schlimm eine Situation wirklich ist. Dort kann man sich auch direkt den ein oder anderen Tipp für akute Situationen abholen. Scheu dich also nicht, einen Ernährungs- oder Futterberater anzusprechen, wenn du nicht weißt, was du machen sollst.
80 % Verbesserung sind kein Scheitern
In meinem Fall von heute war das Ergebnis: Die Situation hatte sich seit zwei Jahren schon deutlich verbessert. Sicher war sie noch nicht perfekt – aber im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten der Besitzerin schon weitgehend optimiert.
Und anstatt zu sehen, dass sie in den letzten zwei Jahren bereits 80 % Verbesserung erreichen konnte, haderte sie damit, dass es keine 100 % waren. Diese 100 % werden in der bestehenden Konstellation aber auch niemals möglich sein. Das Tier ist in einem deutlich besseren Zustand als noch vor zwei Jahren – und das zeigt: Der Weg ist absolut richtig.
Beim Thema Futter solltest du ohnehin immer davon ausgehen, dass es sich um einen Weg handelt, der immer mal angepasst und verändert werden muss. Ein klares, endgültiges Ziel gibt es hier nicht. Der Bedarf eines Lebewesens verändert sich nun einmal – mit dem Alter, mit der Gesundheit, mit der Jahreszeit, mit der Bewegung.
Neues darf sich erst mal anstrengend anfühlen
Manchmal entsteht die Verzweiflung auch, weil uns etwas Neues nicht gut von der Hand geht. Wir Menschen sind schließlich Gewohnheitstiere, und alles, was nicht wie gewohnt abläuft, ist erst einmal anstrengend – und wird erst mit der Zeit und einer Routine leichter.
Was wiederum nicht bedeutet, dass du dich mit einer Situation, die dauerhaft anstrengend ist, abfinden musst. Nur beurteile das nicht direkt nach einem Tag. Nimm dir Zeit zu schauen, ob und wie es eine neue Routine werden kann. Und wenn du dann merkst: Nee, das ist dauerhaft zu aufwändig – dann schau, wie du es verbessern kannst. Schritt für Schritt.
Es geht nicht darum, von heute auf morgen das perfekte Ergebnis zu erzielen. Es geht darum, die Situation für dein Tier zu verbessern. Jeden Tag ein bisschen mehr – das bringt am Ende mehr, als wenn du immer alles zu 100 % richtig machen möchtest und dann so an deine Grenzen stößt, dass du es gar nicht umsetzen kannst.
Damit ist übrigens nicht gemeint, dass du dir eine wirklich schlechte Situation schönreden sollst. Trotzdem darfst du auch immer wieder schauen, was bereits gut läuft und was du schon geschafft hast.
Du bist nicht alleine. Und wenn du dir nicht sicher bist, dann wende dich auf jeden Fall an einen Experten oder eine Expertin in deiner Nähe – oder online jederzeit gerne an mich.
Shownotes
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