Folge #5 - Was füttern im Fellwechsel?

Es ist soweit, der Fellwechsel ist in vollem Gang und mich erreichen wieder vermehrt Anfragen, wie man die geliebten Fellnasen am besten unterstützen kann in dieser schweren Zeit.  Und das aus gutem Grund - die Influencer und Futtermittelanbieter geben zu dieser Zeit wieder alles, um das ein oder andere Wundermittel an den Mann zu bringen. Mit jeder Werbung wird die Aussage, dass eine Unterstützung im Fellwechsel so wahnsinnig wichtig ist, weiter in die Köpfe der Menschen gepflanzt… Die Pferdewelt ist da deutlich heftiger betroffen als die Hundewelt - wobei das folgende im Grunde auch auf Hunde bezogen werden kann.  Du merkst schon, ich halte nicht besonders viel von diesem Trend und möchte dir in dieser Folge auch erklären warum. 

 

Zunächst einmal - der Fellwechsel, den wir jetzt bei den Tieren erleben, ist der letzte Schritt… denn die Produktion der Haare läuft bereits seit einigen Monaten im Körperinneren ab - was wir als Fellwechsel bezeichnen, ist im Grunde nur der letzte Schritt im körperlichen Prozess, nämlich der, an dem die alten Haar abgestoßen werden und die bereits neu erzeugten Haare nachrücken. 

Zudem ist dieser Prozess nichts außergewöhnliches - sondern ein ganz natürlicher Prozess im Körper, den es bereits seit hunderten von Jahren gibt.

 

Um die Haarbildung zu unterstützen sind wir jetzt also schon viel zu spät dran - denn dies ist bereits seit 3- 7 Monaten im Gange - da hätten wir also wesentlich früher anfangen müssen mit der Unterstützung, sofern denn eine nötig wäre…. denn wie bereits gesagt, es handelt sich dabei um einen absolut natürlichen Prozess und nicht um eine harte Belastung, wie es in der Werbung so oft propagiert wird. 

Da wird dann gesagt, man müsse mehr füttern, oder den Stoffwechsel entgiften oder Zink ergänzen… Dafür gibt es dann hier eine Saftkur, dort ein Pülverchen oder noch ein Bundle, was natürlich zufällig auch gerade im Angebot ist. 

 

Nein, mal im Ernst - Grund soll der Fellwechsel sein, aber warum genau man dann die Leber entgiften oder den Stoffwechsel unterstützen soll, das erzählt uns am Ende keiner- und warum nicht? Weil es keinen plausiblen Grund dafür gibt. 

 

In der Fachliteratur findet man allerhand Gründe, wann der Nährstoffbedarf von Tieren sich ändert - der Fellwechsel wird dort jedoch nicht in diesem Zusammenhang erwähnt. Diese Aussagen zum Thema Fellwechsel finden sich immer nur in der Werbung…. 

 

Und jetzt mal ganz ehrlich, wenn das Tier bereits 3-7 Monate vor dem Fellwechsel mit der Bildung von neuen Haarfolikeln beginnt, dann macht es doch viel mehr Sinn, dass Tier dauerhaft bedarfsgerecht zu ernähren - und dann ist dieser ach so schwere Prozess nämlich überhaupt nicht schwer für dein Tier sondern ganz natürlich. 

 

Die Leber hat im übrigen nichts mit der Bildung neuer Haarfolikel zu tun und muss deshalb auch nicht entgiftet werden. Wenn man jetzt aber das x. Wundermittel verwendet und das Tier damit zeitweise mit einigen Mineralien und Spurenelementen deutlich überversorgt, dann könnte es im Nachgang eventuell schon Sinn machen…. 

 

Was mich an der ganzen Geschichte am meisten ärgert, dass keiner dieser Hersteller aufklärt dass wildes kombinieren unterschiedlicher Futtermittel auch nach hinten losgehen kann und immer auch aufeinander abgestimmt werden sollten. Im Alltag an vielen Stellen jedoch gar nicht umsetzbar, weil den meisten das Wissen fehlt, so eine Beurteilung vorzunehmen.  Ich kann euch nur raten, das entsprechende Grundwissen für die Rationsberechnung anzueignen oder euch einen Futterberater zu suchen, der euch entsprechend bei der Rationsgestaltung unterstützt. Die Angaben der Hersteller auf den Futtermitteln geben leider oft nicht ausreichend Aufschluss, um eine abschließende Beurteilung als Laie durchzuführen. 

 

Aber zurück zum Thema Fellwechsel - vielleicht fragst du dich jetzt, warum manche Tiere genau in dieser Zeit einen abgeschlagenen oder angeschlagenen Eindruck machen, warum die Haut schuppiger ist als sonst und das Stresslevel der Tiere steigt. 

 

Passend zum Abwurf des Fells haben es die Tiere mit den beiden gravierendsten klimatischen Veränderungen im Jahr zu tun. Im Frühling Schwankungen der Temperaturen von kalt zu plötzlich warm und wieder zurück zu kalt und im Herbst das gleiche andersherum, von warm zu plötzlich kalt und wieder zurück zu warm - natürlich geht so etwas nicht unbemerkt an den Tieren vorbei, vor allem, wenn sich das Haarkleid noch nicht auf die neuen Temperaturen eingestellt hat. 

Im Frühjahr kommt hinzu, dass das Gras wächst und die Pferde dann schon danach gieren, ihren Nährstoffbedarf über frisches Futter zu decken, das Heu aus dem Vorjahr verliert ja im Laufe der Lagerung auch an Nährstoffen und ist somit nicht mehr so gehaltvoll wie am Anfang. Bis das Pferd seinen Bedarf an Frischfutter decken kann, vergehen ja aber einige Wochen, das Gras muss schließlich erstmal wachsen und die Pferde wieder an das frische Futter gewöhnt werden. Die Futterumstellung ist für den Körper im Gegensatz zum Fellwechsel schon eine Herausforderung und sollte deshalb so schonend wie möglich gestaltet werden. Das Warten kann jedoch Stress auslösen, was wiederum oft im Zusammenhang mit dem Fellwechsel gesehen wird.

Auch beliebt ist, dass schuppige Haut auf Fellwechselprobleme zurückgeführt werden, dabei ist auch das ganz normal, da sich der Talg im Zuge des Haarwechsels vermehrt löst, den das Tier als Schutz vor Regen und Wind gebildet hat. 

 

Es handelt sich also oft um zufällig zeitgleiche andere Probleme, die auf den Fellwechsel geschoben werden… Natürlich immer unter dem Hintergrund, dem ahnungslosen Besitzer, der sein Tier bestmöglich unterstützen möchte, etwas zu verkaufen. 

 

Mein Tipp ist, spare dir das Geld für das x. Pülverchen, das gerade günstige Fellwechsel-Bundle oder das Wundermittel und investiere lieber langfristig in eine auf dein Tier abgestimmte Fütterung. Ich empfehle dir dazu auf jeden Fall als Pferdebesitzer eine Heuanalyse machen zu lassen, einen Rationsberechnungskurs zu belegen oder einen Futterberater zu Rate zu ziehen.

 

Ich wünsche dir und deinem Tier jetzt noch alles gute für die Fellwechselzeit und denk daran, am anstrengesten für euch beide ist das ganze für dich, denn du darfst dich schließlich tagtäglich abmühen das Fell auszubürsten. 

Aber halte durch, es ist bald geschafft und dein Tier beginnt bereits mit der Entwicklung der neuen Haarfolikel für die nächste Fellwechselrunde… 

Ich unterstütze die Kampagne #doitride und #adoptierenstattproduzieren - für mehr Tierwohl in dieser Welt!