Folge #4 - Verzweiflung in der Fütterung

Ein Gespräch mit einer sehr bemühten Tierbesitzerin hat mich inspiriert diese Folge aufzunehmen und ich glaube, das Gefühl, um das es heute gehen soll, kennt wahrscheinlich jeder: Verzweiflung bei der Fütterung.

 

Ich selbst bin schon sehr oft mit diesem Gefühl in Berührung gekommen. 

Ich war verzweifelt, weil ich nicht wusste, was ich füttern soll oder kann - weil ich die Deklarationen nicht verstanden habe und auch nicht wusste, woran ich festmachen kann, ob ein Futter gut ist oder ob es gut passt

Ich war verzweifelt, weil ich fast täglich das Futter entsorgen musste, wei mein Hund es nicht gefressen hat. 

Ich war verzweifelt, weil meine zu dicke Katze nichts anderes als Trockenfutter angepackt hat. 

Ich war verzweifelt, weil mein Hund sich ständig gejuckt und die Pfoten aufgebissen hat. Ich war verzweifelt, weil das tägliche Kochen und Zubereiten des Futters so anstrengend und zeitraubend war, dass es mich richtig fertig gemacht hat. 

Ich war verzweifelt, weil ich dachte, ich kann mir das Futter, was meine Tiere benötigen, dauerhaft gar nicht leisten.

Ich war verzweifelt, weil ich es manchmal im stressigen Alltag nicht schaffe meine Pläne zu 100% umzusetzen. 

 

Die vorhin erwähnte Tierbesitzerin war sehr verzweifelt, weil Sie sich bereits ganz viel Mühe gibt, für Ihr Tier gute Entscheidungen zu treffen, es aber immer noch Dinge gibt, die nicht optimal sind und die sie nicht beeinflussen kann oder die sie aus anderen Gründen nicht noch weiter verbessern kann…

 

Warum warst oder bist du verzweifelt beim Thema Futter für dein Tier?

Schreib es gerne in die Kommentare oder hinterlasse mir eine Nachricht auf Instagram. 

 

Zunächst einmal - du bist mit deiner Verzweiflung nicht alleine. Und es ist absolut legitim, auch mal verzweifelt zu sein. Und auch wenn es sich blöd anfühlt, es gehört dazu und es ist meistens der Moment in dem unser Leidensdruck so hoch wird, dass wir beschließen etwas zu verändern oder eine andere Lösung zu finden. 

 

Und glaub mir, es gibt für alles eine Lösung. Ob uns diese Lösung immer gut gefällt, das kann ich nicht versprechen, aber es gibt immer Möglichkeiten an der Situation etwas zu verändern oder alternativ die eigene Einstellung zu verändern. (so wie ich mit dem Podcast - letztes Jahr war ich noch irgendwie der Überzeugung, ich kann den Podcast nur dann fortsetzen, wenn ich es schaffe wöchentliche Folgen zu veröffentlichen und jetzt habe ich meine Einstellung zu dem Thema geändert und jetzt wo dieser Druck raus ist, kann ich ganz anders an das Thema rangehen). 

 

Die Verzweiflung war es ,die mich 2017 dazu getrieben hat, die Ausbildung zur Pferdeernährungsberaterin zu absolvieren und heute kann ich mit diesem Wissen nicht nur meinem Pferd, sondern auch vielen weiteren helfen. 

 

Und die Verzweiflung war es auch, die mich dazu gebracht hat, Alternativen für die Zubereitung zu suchen, die es mir im Alltag leichter machen und meinen Tieren dennoch das geben, was sie brauchen.

 

Und manchmal ist man auch verzweifelt weil der eigene Perfektionismus kickt - so wie bei der erwähnten Tierbesitzerin - der ich heute vor Augen führen durfte, was sie schon alles erreicht hat und das man mit den letzten paar Prozent, die nicht perfekt laufen manchmal auch Frieden schließen muss, solange es dem Tier dabei gut geht. 

 

Mit der Anschaffung haben wir die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen, was nur mit unserer Hilfe überleben kann. Das ist schon eine krasse Verantwortung und die wiegt manchmal schwer - vor allem wenn wir nicht wissen, wie wir eine Situation, die wir nicht wollen und in der es unserem geliebten Tier nicht gut geht, verändern können. 

Mir hilft es dann immer, erstmal kurz Abstand von der Situation zu nehmen und sie von außen zu betrachten. Ich frage mich dann, was ich einem Freund oder einer Freundin in der gleichen Situation raten würde. Das hilft mir erstmal einen klaren Blick auf das Problem zu bekommen - und dann kann ich auch in der Regel einschätzen und erkennen, wie schlimm es wirklich ist oder ob ich mich nur ein bisschen im eigenen Perfektionismus verrannt habe. Und manchmal hilft es einfach sich mal mit einem Experten auf dem Gebiet auszutauschen, der objektiv einschätzen kann, ob und wenn ja wie schlimm eine Situation wirklich ist - und man kann sich dort auch direkt den ein oder anderen Tipp für akute Situationen abholen.  

Scheut Euch also nicht, einen Ernährungs- oder Futterberater anzusprechen, wenn ihr nicht wisst, was ihr machen sollt oder wie schlimm eine Situation wirklich ist. 

In meinem Fall von heute war das Ergebnis, dass sich die Situation seit 2 Jahren schon deutlich verbessert hatte und sicher noch nicht perfekt war, aber im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten der Besitzerin schon weitgehend optimiert wurde. Und anstatt zu sehen, dass Sie in den letzten 2 Jahren bereits 80% Verbesserung erreichen konnten, haderte Sie damit, dass es keine 100% waren. Und diese 100% werden in der bestehenden Konstellation aber auch niemals möglich sein. Das Tier ist in einem deutlich besseren Zustand als noch vor 2 Jahren und das zeigt, der Weg ist absolut richtig… Und beim Thema Futter solltest du ohnehin immer davon ausgehen, dass es sich um einen Weg handelt, der immer mal angepasst und verändert werden muss. Ein klares endgültiges Ziel gibt es bei diesem Thema nicht. Der Bedarf eines Lebewesens kann sich nunmal verändern mit dem Alter, mit der Gesundheit, mit der Jahreszeit, mit der Bewegung… etc. 

 

Ich hoffe, das macht dir ein bisschen Mut - wenn du gerade in einer Situation bist, die dich verzweifeln lässt oder wenn du demnächst mal wieder an so einen Punkt gelangst. 

 

Manchmal entsteht die Verzweiflung auch, weil uns etwas Neues nicht gut von der Hand geht. Wir Menschen sind schließlich Gewohnheitstiere und alles, was nicht wie gewohnt abläuft, ist erstmal anstrengend - und wird erst mit der Zeit und einer Routine leichter. Was wiederum nicht bedeutet, dass du dich mit einer Situation, die dauerhaft anstrengend ist, abfinden musst. Nur beurteile das nicht direkt nach einem Tag, sondern nimm dir Zeit zu schauen, ob und wie es eine neue Routine sein kann - und wenn du dann merkst, nee das ist dauerhaft zu aufwändig, dann schau wie du es verbessern kannst. Schritt für Schritt. Es geht nicht darum, von heute auf morgen das perfekte Ergebnis zu erzielen. Es geht darum, die Situation für dein Tier zu verbessern. Jeden Tag ein bisschen mehr - das bringt am Ende mehr, als wenn du immer alles zu 100% richtig machen möchtest und dann so an deine Grenzen stößt, dass du es gar nicht umsetzen kannst. (so wie ich mit dem Podcast)

Und damit ist übrigens auch nicht gemeint, dass du dir eine “Scheiß-Situation” entschuldigt, den Ausdruck, schönreden sollst - trotzdem darfst du auch immer wieder schauen, was bereits gut läuft und was du schon geschafft hast. 

 

Du bist nicht alleine - und wenn du dir nicht sicher bist, dann wende dich auf jeden Fall an einen Experten oder eine Expertin in deiner Nähe oder online auch jederzeit gerne an mich. 

 

Ich unterstütze die Kampagne #doitride und #adoptierenstattproduzieren - für mehr Tierwohl in dieser Welt!